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Adidas:Das wird sportlich

Das Derby zwischen den Teams von Inter Mailand und Juventus Turin fand vor leeren Rängen statt. Letzteres trägt Adidas-Trikots.

(Foto: Marco Alpozzi/AP)

Adidas geht es so gut wie nie. Doch 2020 könnte wegen des Coronavirus ein Horrorjahr für die ganze Branche werden.

Wenn Kasper Rorsted, 58, genervt ist, dann lässt er sich das am Mittwoch zumindest nicht anmerken. Da legt der Adidas-Chef die beste Bilanz der Firmengeschichte vor, präsentiert Zuwachszahlen und Rekorde noch und nöcher, aber da ist dieses Virus, das alles überschattet. Und deshalb reden plötzlich alle nur noch von der einen Milliarde Euro. So viel dürfte Adidas die Corona-Krise kosten, wohlgemerkt nur in den ersten drei Monaten dieses Jahres und nur in China.

Und im Rest des Jahres?

Geisterspiele in den Fußballligen bis hin zur Champions League, schlimmstenfalls sogar eine Europameisterschaft ohne Stadionpublikum und Fanmeilen, ähnlich sterile oder womöglich gleich abgesagte, sportliche Großereignisse bis hin zu den Olympischen Spielen im Sommer in Tokio - 2020 könnte zu einem Horrorjahr für die Sportartikelindustrie werden. Adidas-Konkurrent Puma etwa kippte am Mittwochseine erst vor drei Wochen aufgestellten Prognosen für das laufende Jahr. Tenor: Keine Ahnung, wie es weitergeht, wie viel Umsatz und Gewinn uns verloren gehen.

Rorsted gibt sich tapfer. Vor ein paar Tagen, erzählt er, habe er am Bildschirm das Fußballspiel zwischen Juventus Turin und Inter Mailand angeschaut. Dass es in einem leeren Stadion stattfand "hatte keinen Einfluss auf meine Leidenschaft", versichert Rorsted. Er klang schon mal überzeugender. Schließlich leben sportliche Großereignisse vor allem von der Begeisterung in und rund um die Arenen. Sie erst machen aus Wettkämpfen jene großen Bühnen, welche die emotionsgetriebene Sportartikelindustrie braucht.

Was aktive Freizeit-Sportler angeht kommt hinzu, dass keiner, der freiwillig, aus Angst oder einer behördlichen Anordnung folgend seine Wohnung nicht verlässt, sich Laufschuhe kauft und damit im Haus jogge, wie Rorsted sagt. Weshalb er auf die "zweite Halbzeit" nach der Corona-Pause hofft. Da spräche dann alles für einen weiteren Aufschwung der Sportartikelindustrie. Und damit natürlich auch ihrer Nummer zwei nach Nike: Adidas. Vorher aber will auch Kaspar Rorsted sich nicht definitiv festlegen, wie die Geschäfte in diesem Jahr laufen werden.

2019 liefen sie exzellent. Trotz Nachschubproblemen, die vor allem in Nordamerika durchschlugen und dem zuständigen Beschaffungsvorstand seinen Job kosteten, erwirtschafte Adidas 23,64 Milliarden Euro Umsatz, um Währungseinflüsse bereinigt sechs Prozent mehr als 2018. Der Gewinn legte um zwölf Prozent auf 1,92 Milliarden Euro zu. Ziele für 2020 seien ein ähnliches Wachstum und ein Gewinn erstmals über zwei Milliarden Euro, sagten Rorsted und Finanz-Vorstand Harm Ohlmeyer, die erstmals die Bilanzzahlen nicht auf einer Pressekonferenz, sondern per Video-Livestream präsentierten. Auch das eine Folge der Cornona-Krise. Ein fester Termin, von dem sich der Adidas-Chef nicht abbringen lassen will, ist der 10. November. An diesem Tag will Kasper Rorsted eine neue Fünf-Jahres-Strategie für das Unternehmen präsentieren, dass 2019 seinen 70. Geburtstag feierte. Die Ziele des noch geltenden Programmes "Creating The New" habe Adidas allesamt erreichen können. 6,7 Milliarden Euro mehr Umsatz in den vergangenen vier Jahren, 1,2 Milliarden Euro mehr Gewinn und eine operative Marge, die sich um 4,8 Prozentpunkte verbessert hat.

Letzteres ist Kasper Rorsted besonders wichtig. Seit er am 1. August 2016 den Vorstandsvorsitz vom jetzigen Präsidenten des FC Bayern München, Herbert Hainer, übernommen hat, trimmt er Adidas vor allem auf Profit. Die Aktionäre dürfte das angesichts hoher Renditen freuen, mit Blick auf das interne Klima aber nicht unbedingt jeden Mitarbeiter.

Im vergangenen Jahr legte Adidas überall auf dem Globus zu, auch in Europa, wo die Marke 2018 schwächelte. Von Anfang an forcierte Rorsted das Digitalgeschäft, das allein 2019 um 34 Prozent wuchs und gemessen an 2015 um 2,1 Milliarden Euro zulegte. Selbst die US-Tochter Reebok, die seit ihrem Kauf 2006 selten über den Sorgenkind-Status hinauskam, meldete zwei Prozent mehr Umsatz.

© SZ vom 12.03.2020
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