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Adidas-Chef Hainer:"Auch ein Profi wie Ribéry muss Adidas tragen"

Herbert Hainer über den FC Bayern, die WM in Südafrika und seinen Job als Spitzenmanager.

Christopher Keil, Hans Werner Kilz und Uwe Ritzer

Das Büro, von dem aus Herbert Hainer, 55, auf die World of Sports blickt, ist eher bescheiden eingerichtet und klein. Ein Telefon für Videokonferenzen fällt auf und ein blanker Schreibtisch, auf dem ein Laptop steht. World of Sports wird die Adidas-Zentrale in Herzogenaurach genannt.

CEO of German sporting goods maker Adidas Hainer throws a soccer ball before the company's annual news conference in Herzogenaurach

Adidas ist der zweitgrößte Sportartikelhersteller der Welt. Herbert Hainer bestimmt beim FC Bayern mit und ist Ausrüster von zwölf WM-Mannschaften.

(Foto: ag.rtr)

Sie ist wie ein Universitäts-Campus angelegt, mehrere Hektar groß und bietet neben dem Brand-Center - eine Art Adidas-Museum mit Auditorium - ein Fußballstadion, in dem sich gerade Mexiko auf die WM in Südafrika vorbereitet hat, einen Basketball-, einen Tennisplatz und einen See.

Hainer lenkt das Unternehmen aus dem einstöckigen Hauptgebäude. In der World of Sports sind alle globalen Funktionen untergebracht: das Produktdesign, die Kommunikation und das Marketing.

SZ: Herr Hainer, 2006 entfachte die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland eine erstaunliche Begeisterung. In zwei Wochen beginnt die erste WM auf den afrikanischen Kontinent, also fern der Heimat. Wird 2010 für Adidas ein Erfolgsjahr?

Hainer: Für uns definitiv. Fußball ist das Herz und die Seele von Adidas. Eine WM ist das Sportereignis mit den größten Auswirkungen auf unseren Umsatz. 2010 haben wir als Ausrüster zwölf Mannschaften im Turnier, 2006 waren es nur sechs. Ich glaube außerdem, dass sich dieses Mal noch mehr Menschen die Spiele im Fernsehen und beim Public Viewing anschauen werden. Das hilft uns, die WM-Euphorie in die Märkte zu tragen.

SZ: Heißt das, Sie machen Ihr Geschäft erst nach der WM?

Hainer: Nein. Wir haben im Oktober 2009 angefangen, die neuen Trikots der einzelnen Mannschaften vorzustellen. Im Dezember, zur Auslosung, wurde der neue Ball präsentiert. Es folgten neueSchuhmodelle, die Auswärtstrikots, der goldene Endspielball. Und bei der WM hängt es davon ab, wie sich die Teams während des Turniers entwickeln.

SZ: Wie waren die Zahlen 2006?

Hainer: Bis zur WM verkauften wir zwischen 600.000 und 700.000 Trikots der deutschen Mannschaft. Während der WM haben wir noch einmal 750.000 abgesetzt. Als Griechenland zum Beispiel 2004 zur EM nach Portugal aufbrach, gingen vorher nur 20.000 griechische Trikots weg. Dann wurden die Griechen Europameister, und wir verkauften noch einmal 150.000.

SZ: Rechnen Sie für das Turnier in Südafrika trotz Wirtschaftskrise mit einem guten Ergebnis?

Hainer: Von den zwölf Mannschaften, die wir 2010 ausrüsten, kommt immer eine durch: ob nun Deutschland, Spanien oder Argentinien. 2008 haben wir mit Fußball 1,3 Milliarden Euro Umsatz gemacht. Das war der bisher höchste Umsatz. Wir gehen davon aus, dass wir dieses Ergebnis 2010 übertreffen. Der Großteil davon wird vor der WM gemacht.

SZ: Der Sprung von sechs in 2006 auf zwölf Teams 2010, war das vor allem Qualifikationsglück?

Hainer: Eine Kombination aus Strategie und dem nötigen Quentchen Glück.

SZ: Strategie?

Hainer: Wir haben neue Teams unter Vertrag genommen wie Mexiko und Paraguay, die sich beide qualifiziert haben. Andererseits sind Dänemark, Griechenland, die Slowakei oder Nigeria dabei, die es 2006 nicht geschafft hatten. Wir versuchen, in den wichtigsten Märkten die besten Mannschaften zu kriegen. In Europa haben wir Deutschland, Spanien, Frankreich, in Lateinamerika Argentinien und Mexiko. In Asien haben wir Japan und China. Diesmal sind nur die Chinesen hängen geblieben, haben sich nicht qualifiziert.

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