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Adidas:Auslaufmodell

People are seen next to the Reebok shop

Eine Filiale von Reebok in Krakau in Polen.

(Foto: Omar Marques/Getty Images)

Verkauft Adidas bald seine Tochterfirma Rebook? Die Börse reagiert bereits sehr erfreut.

Von Caspar Busse und Uwe Ritzer

Es war eine der größten Übernahmen, die der Sportartikelkonzern Adidas je getätigt hat: Im Jahr 2006 hatte der damalige Konzernchef Herbert Hainer die amerikanische Sportmarke Rebook gekauft und dafür rund drei Milliarden Euro gezahlt. Das Ziel: Zusammen mit Rebook wollte Adidas den großen Rivalen Nike einholen. Doch die Hoffnungen wurden nie Wirklichkeit, Rebook blieb vielmehr immer ein Sorgenkind, das Geschäft entwickelte sich nicht wie erhofft. Hainer, der den Konzern bis 2016 führte, hielt aber immer eisern an der Firma fest.

Jetzt aber könnte eine Trennung von Rebook näher rücken, der Verkauf wird offenbar geprüft, eine endgültige Entscheidung ist noch nicht bekannt. Bis März 2021 werde Rebook nun abgestoßen berichtete das Manager-Magazin. Mögliche Interessenten gebe es bereits. Genannt werden der US-Mischkonzern VF Corp., zu dem etwa Marken wie Timberland und The North Face gehören, sowie die chinesische Anta International Group. Letztere hat bereits die finnische Amer-Sports-Gruppe übernommen, zu der bekannte Marken wie Salomon, Atomic, Wilson oder Peak Performance gehören, da würde Rebook gut passen. Ein Adidas-Sprecher wollte zu den Spekulationen keinen Kommentar geben.

Die Börse nahm die mögliche Trennung positiv auf, die Adidas-Aktie legte am Donnerstag um knapp drei Prozent zu, das Papier liegt nun bei 282 Euro, vor der Corona-Krise notierte es nach einer rasanten Bergfahrt bei einem Rekordkurs von 317 Euro. Doch Adidas wurde von der Pandemie hart getroffen und brauchte Staatshilfe, viele Geschäfte waren geschlossen, der Absatz litt darunter. Konzernchef Kasper Rorsted kündigte sogar an, Mieten für Geschäfte nicht mehr zu zahlen, revidierte das dann aber wieder.

Nun also steht eine Trennung von Rebook im Raum. Tatsächlich verlor Reebok seit der Übernahme jahrelang stetig Umsatz und Marktanteile. Mehrere Neuausrichtungen scheiterten oder brachten zumindest keine durchgreifenden und langfristigen, besseren Ergebnisse. In Sachen Profitabilität kann es das zwischenzeitlich als Marke für Fitness und Frauen neu ausgerichtete Reebok mit der deutschen Konzernmutter ohnehin nicht aufnehmen. Als Rorsted vor mehr als drei Jahren Adidas-Chef wurde, gab er klare Wachstumsziele vor. Langfristig - immer wieder war von einer Frist bis 2020 die Rede - müsse Reebok nicht nur wachsen, sondern wenigstens das Profitabilitätsniveau von Adidas erreichen. Davon ist Reebok allerdings - Corona hin oder her - nach wie vor weit entfernt. Im März hatte Rorsted bereits gesagt: "In der neuen Strategie wird Reebok seinen Platz finden, oder auch nicht" - und damit die Tür für einen Verkauf bereits geöffnet.

© SZ vom 23.10.2020

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