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Adidas:Auf Aufholjagd

FILE PHOTO: The spread of the coronavirus disease (COVID-19) in Germany

Bislang kam der größte deutsche Sportartikelhersteller glimpflich durch die Corona-Krise. Es wurde kein einziger Mitarbeiter entlassen.

(Foto: Axel Schmidt/Reuters)

Adidas braucht keine Staatshilfe mehr und meldet für das dritte Quartal solide Geschäfte.

Von Uwe Ritzer, Nürnberg

Dass dieses Covid-19-Virus eine Bedrohung nicht nur für die Gesundheit, sondern auch für die Wirtschaft ist, dämmerte vielen Menschen spätestens Mitte April. Denn da schlüpfte mit Adidas einer der großen deutschen Konzerne mit als erster unter den staatlichen Rettungsschirm. Und das nur kurz nachdem der Sportartikelhersteller stolz Rekorde für 2019 gemeldet hatte, allen voran 1,9 Milliarden Euro Gewinn. Trotzdem brauchte Adidas staatliche Hilfe in Form eines Kredites über drei Milliarden Euro, davon 2,4 Milliarden Euro von der staatlichen KfW-Bank.

Letztlich nahm Adidas davon 500 Millionen Euro in Anspruch, die im Oktober komplett und verzinst zurückgezahlt wurden. Das Geld habe geholfen, die durch Corona entstandene Ausnahmesituation zu bewältigen, sagt Finanzchef Harm Ohlmeier. Inzwischen aber habe Adidas über die Emission von Anleihen und einen Konsortialkredit bei Partnerbanken seine Finanzierung gesichert, so dass man auf staatliche Unterstützung wieder verzichten könne.

Auch die Geschäfte selbst liefen im dritten Quartal wieder besser, wenngleich Adidas anders als etwa der Herzogenauracher Lokalrivale Puma zwischen Juli und September nicht gewachsen ist. Unterm Strich lag der Umsatz währungsbereinigt drei Prozent und der Gewinn aus fortgeführten Geschäftsbereichen um zehn Prozent niedriger als im Vorjahreszeitraum. Einen Ausblick auf den Rest des Jahres wagte Konzernchef Kasper Rorsted nicht, denn wegen der Verschlimmerung der Pandemie werden in vielen Ländern gerade wieder Geschäfte geschlossen. Zu volatil ist die Gesamtlage, auch wenn Rorsted sagt, Adidas agiere geduldig und sei "dank unseres umsichtigen Handelns" in der Lage, mit den kurzfristigen Unsicherheiten umzugehen". Bislang kam der größte deutsche Sportartikelhersteller glimpflich durch die Corona-Krise. Kein einziger Mitarbeiter wurde entlassen, die hohen Lagerbestände konnten zuletzt abgebaut und das Online-Geschäft legte im dritten Quartal um gut 50 Prozent zu. Corona hilft der Sportartikelbranche auch; die Pandemie stärkt das allgemeine Gesundheitsbewusstsein. Obendrein bevorzugen viele Menschen im Home-Office sportliches Outfit.

Im März 2021 will Kasper Rorsted verkünden, wie es bei Adidas längerfristig weitergeht, was die wirtschaftlichen Ziele sind und mit welcher Strategie man sie erreichen will. Bis dahin vertröstet er auch alle, die nach der Zukunft der US-Konzerntochter Reebok fragen, die auch im dritten Quartal mit einem Umsatzminus von sieben Prozent deutlich hinter der Kernmarke Adidas (minus drei Prozent) zurücklag. Zuletzt hatte es Spekulationen gegeben, die Finanzinvestoren Permira und Triton seien an einem Kauf der auf Fitness ausgerichteten Marke interessiert.

© SZ vom 11.11.2020

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