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ADAC:Neuer Präsident, alte Probleme

Christian Reinicke zum ADAC-Präsidenten gewählt

Christian Reinicke (Mitte) ist der neue Präsident des ADAC. Der 56-jährige Rechtsanwalt und Notar aus Hannover wurde am Samstag auf einer Online-Hauptversammlung gewählt.

(Foto: Stefanie Aumiller/ADAC/dpa)

Mit einem mäßigen Ergebnis wird Christian Reinicke zum Nachfolger von August Markl gewählt. Die Hauptversammlung des ADAC zeigt einmal mehr, dass der Automobilklub seine Rolle im neuen Mobilitätszeitalter noch nicht gefunden hat.

Von Uwe Ritzer, München

165 von 217 abgegebenen Stimmen, nur 76 Prozent - selbst am Bildschirm ist erkennbar, dass Christian Reinicke einen Moment braucht, um sich zu sortieren. Gut drei Viertel der Delegierten bei der ADAC-Hauptversammlung haben ihn gerade zum neuen Präsidenten gewählt, aber der Jurist aus Hannover war der einzige Kandidat. Und normalerweise zelebrierte der auf 21,2 Millionen Mitglieder angewachsene Automobilistenklub in der Vergangenheit seine Präsidentenwahlen als Krönungsmessen. Da machen sich 76 Prozent für den neuen Mann ziemlich mau aus. Zumal andere Präsidiumsmitglieder auf weit höhere Zustimmungswerte kommen.

Doch der ADAC ist in großer Unruhe, und das Resultat für den neuen Präsidenten ist wohl auch als Warnung an ihn zu interpretieren. Reinicke gilt als einer, der an der Seite seines Vorgängers August Markl den ADAC in den vergangenen Jahren umgebaut hat wie nie zuvor in dessen 118-jähriger Geschichte. Was dabei rauskam, gefällt längst nicht jedem Funktionär des Vereins. Intern wird über vieles gestritten, den Einfluss der Regionalklubs zum Beispiel, oder auch Compliance-Fragen. Auch funktioniert das Zusammenspiel zwischen dem ADAC-Verein, der profitorientierten ADAC-SE und der gemeinnützigen ADAC-Stiftung in der täglichen Praxis nur bedingt. Nun wird von Reinicke erwartet, dass er den ADAC wieder zu einer Einheit formt, die er nach seiner Wahl auch umgehend beschwört.

Der 56-jährige Rechtsanwalt und als solcher in den vergangenen Jahren Generalsyndikus des ADAC, definierte seinerseits die Digitalisierung und die Mitgestaltung zukünftiger Mobilität als weitere Herausforderungen. Er geht diese mit einem personell erneuerten Präsidium an; drei der sieben Positionen wurden neu besetzt. Reinickes Vorgänger Markl wurde mit Lob und Dank verabschiedet; der pensionierte Radiologe hatte den Posten vor neun Jahren auf dem Höhepunkt der größten Krise übernommen und neu ausgerichtet. Der ADAC bekenne sich klar zu seinen automobilen Wurzeln, sagte Markl zum Abschied, müsse sich aber auch anderen Verkehrsträgern öffnen, um auch künftig eine Rolle bei der Gestaltung der Mobilität zu spielen.

Der altgediente Hermann Tomczyk wurde plangemäß als für Motorsport zuständiges Präsidiumsmitglied von Gerd Ennser, dem Chef des ADAC-Regionalklubs Südbayern, ersetzt. Und anstelle von Kurt Heinen, der als Präsidialer für Tourismus aufhörte, wurde der Schlierseer Unternehmer Karlheinz Jungbeck gewählt. Im Amt bestätigt wurde Technikpräsident Karsten Schulze. Wie bisher sitzt auch künftig im obersten Führungsgremium des größten deutschen Vereins keine Frau. Dafür stimmen wenigstens die Zahlen. Vor allem weil die Pannenhelfer 2020 coronabedingt viel seltener ausrücken mussten und weniger Kosten anfielen, verzeichnete der ADAC-Verein einen Überschuss von 78 Millionen Euro.

© SZ
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