Von wegen freie Fahrt: Die Zahl der Staus auf deutschen Autobahnen ist im vergangenen Jahr gestiegen. In seiner Bilanz zählt der deutsche Autoklub ADAC insgesamt 516 000 Staus – das waren 12 000 mehr als im Vorjahr. Und wer mal steht, der kommt auch nicht so schnell wieder ins Rollen: Der Stillstand dauert immer länger – vor allem auf der A1, der A3 und der A8. Schuld sind laut ADAC das um vier Prozent gestiegene Verkehrsaufkommen und viele Baustellen.
Wie haben sich die Staus entwickelt?
Neben der reinen Zahl der Staus erhebt der ADAC auch die Dauer. Zusammengezählt ergeben sich im vergangenen Jahr 448 000 Stunden, 21 000 mehr als im Vorjahr. Dabei geht es nicht darum, wie lange einzelne Autofahrer in diesen Staus standen, sondern darum, wie lange sie von der Entstehung bis zur Auflösung existierten.
Trotz des aktuellen Anstiegs liegt die Dauer des Staus weiter unter den Werten, die der ADAC für das Vor-Corona-Jahr 2019 ermittelt hatte. Die Zahlen sind angesichts einer 2022 überarbeiteten Methodik aber nur bedingt vergleichbar.
Die aufaddierte Strecke der Staus entwickelte sich dagegen in die andere Richtung: Mit 859 000 Kilometern sind die Staus um 18 000 Kilometer zurückgegangen.
Wo gibt es die meisten Staus?
Deutsche Stau-Hochburg ist Nordrhein-Westfalen: 31,5 Prozent der Kilometer an Stau entfielen auf das dicht besiedelte Bundesland – rund 270 000 Kilometer. Bayern folgt mit 16,4 Prozent oder rund 141 000 Kilometern vor Baden-Württemberg mit 104 000. Bei der Dauer der Staus ist die Verteilung ähnlich.
Dieser Vergleich ist allerdings angesichts der unterschiedlich großen Autobahnnetze nicht fair. Der ADAC hat daher auch die Stunden an Stau pro Autobahnkilometer errechnet. Hier liegen die Stadtstaaten mit Werten von 202 in Berlin, 180 in Hamburg und 102 in Bremen vorn. Bei den Flächenländern sind NRW mit 69 und Baden-Württemberg mit 46 besonders betroffen. Im Vergleich der Fernautobahnen sieht der ADAC A1, A3 und A8 als am stärksten betroffen.

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Wann staut es sich am meisten?
Über die Woche verteilt sind Mittwoch und Donnerstag am stauträchtigsten. Das Wochenende fällt im Vergleich dazu stark ab - dann ist das Stauaufkommen weniger als halb so hoch. An den Werktagen war der frühe Morgen besonders betroffen – Ausnahme ist dabei der Freitag, an dem die Stauspitze um die Mittagszeit liegt. Am Wochenende ist auf den Autobahnen am ehesten der späte Vormittag bis Mittag betroffen.
Die Klassiker der Staubilanz ist der Reiseverkehr vor Feiertagen: Nummer eins war laut ADAC der 17. Mai, der Freitag vor dem langen Pfingst-Wochenende mit 2500 Stunden und einer Gesamtlänge von 5200 Kilometern. Am 8. Mai, dem Tag vor Christi Himmelfahrt waren es 2300 Staustunden und 5000 Staukilometer. Auch die Tage vor Fronleichnam und dem Tag der Deutschen Einheit oder der Freitag vor Beginn der Sommerferien in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland waren besonders staugeplagt.
Daneben gab es allerdings auch wetterbedingte Staulagen: So sorgte der Wintereinbruch vom 15. bis 18. Januar für lange Staus, ebenso winterliche Straßenverhältnisse am 19. November.
Wo war der längste Stau 2024?
Dieser Titel Super-Stau gebührt den ADAC-Zahlen nach der A61 am 18. Januar. Während des Wintereinbruchs kam es zwischen Ludwigshafen und Mönchengladbach sowie in der Gegenrichtung Koblenz–Ludwigshafen zu 77 beziehungsweise 70 Kilometern Stau.
Wie werden die Zahlen gemessen?
Die Messungen beruhen auf Positions- und Geschwindigkeitsinformationen von Lkw-Flotten und Smartphone-Apps. Als Stau gilt ein Ereignis, wenn auf einem Autobahnabschnitt über eine gewisse Zeit die Geschwindigkeit unter 20 Kilometer pro Stunde fällt. In die Längenbilanz fließen nur Staus ab einem Kilometer ein, jeweils mit ihrer maximalen Ausdehnung.

