bedeckt München 24°

Ackermanns letzte Jahrespressekonferenz:Stürmische Zeiten für die neuen Chefs

Jain und Fitschen übernehmen das Haus in stürmischen Zeiten: Die Banken müssen sich durch die europäische Staatsschuldenkrise manövrieren. Als im Sommer die Börsen von einer Angstwelle erfasst wurden, stürzten Bankaktien am tiefsten. Dazu kann es jederzeit wieder kommen. Der Weltbankenverband IIF ringt immer noch mit Griechenland über einen Schuldenschnitt. Und Regulierungsbehörden und Regierungen machen den Banken das Leben schwer: Die neuen Basel-III-Richtlinien verlangen von den Geldhäusern, mehr Eigenkapital zu halten - das bedeutet weniger Geld zum Investieren und Spekulieren. Gilt ein Institut als systemrelevant wie die Deutsche Bank, muss es noch mehr Eigenkapital fest binden als andere Banken.

Den ersten Schritt zur Stärkung der Kapitalbasis verkündet Ackermann gleich: Die Bank werde einen Teil der Boni für die Mitarbeiter streichen. Das Budget dafür sei um rund ein Sechstel gekürzt worden.

Ackermann äußert sich zum Sektor seines Nachfolgers kritisch. Insgesamt sei das Investmentbanking deutlich unter der Zielvorgabe geblieben, aber: "Das hat mit Herrn Jain nichts zu tun", sagt Ackermann. "Es waren schlichtweg die Märkte." Das Investmentbanking habe bei der Deutschen Bank einen festen Platz, die gesellschaftliche Kritik daran sei ungerechtfertigt.

Bei einer persönlichen Frage kommt endlich etwas Leben in Jains Gesicht. Er grinst, als er nach seinem Verhältnis zu Ackermann gefragt wird. Spannungen soll es gegeben haben, Ackermann hätte wohl eher den Ex-Bundesbankchef Axel Weber für den Spitzenposten bevorzugt. "Mir ist bewusst, dass es Spekulationen gibt. Aber sie haben keine Substanz", sagt Jain.

Der Finanzsektor steht häufig in der Kritik und ist dementsprechend stets um sein Image bemüht: "Die Deutsche Bank ist heute weltweit so angesehen wie nie", sagt Ackermann. "Sozial verantwortungsbewusstes Handeln" sei nicht zu trennen vom Geschäft. Deshalb fördere die Deutsche Bank auch soziale Projekte und Kunst. Sie arbeite nicht mehr mit Unternehmen, die Streubomben produzieren.

Dann kommt noch ein typischer Ackermann-Satz, den er schon oft gesagt hat: "Kein Geschäft ist es wert, den guten Ruf der Bank aufs Spiel zu setzen." Diesen Satz hören die anwesenden Journalisten - und auch Anshu Jain.

© Süddeutsche.de/bbr/holz

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite