Süddeutsche Zeitung

Abwertung der Währung:China senkt Yuan erneut

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Von Marcel Grzanna, Shanghai

Bereits am Dienstag hatte Chinas Zentralbank den größten Kursrutsch der Währung seit 1994 ausgelöst, als sie den Referenzkurs der Landeswährung Renminbi (im Westen überwiegend Yuan genannt) um 1,9 Prozent senkte. Heute legte sie nach. Die Bank hat am Mittwochmorgen die Währung erneut um 1,6 Prozent im Vergleich zum Vortag abgewertet. Den Kurs setzte sie bei 6,3306 Yuan pro Dollar fest.

Unklarheit herrscht nun darüber, ob noch weitere Abwertungsschritte folgen. Die Zentralbank schrieb zwar am Mittwoch in einer Stellungnahme: "Momentan gibt es keine Basis dafür, die Abwertung des Wechselkurses fortzusetzen". Die Notenbank hatte bei der Intervention am Vortag betont, dass es sich um eine "einmalige Maßnahme" handelt. Offenbar versteht sie die neue Senkung als einen Bestandteil dieses Schrittes und könnte den Yuan-Kurs auch am Donnerstag noch einmal fallen lassen, ehe sich die Währung dann stabilisiert.

Die Bank begründete ihr Vorgehen in einer Stellungnahme als weitere Annäherung an marktwirtschaftliche Mechanismen. Sie habe sich mit dem gesenkten Referenzkurs den Erwartungen der Händler angepasst, hieß es. Die staatlichen Medien verkauften den Schritt als weiteren Baustein des finanzpolitischen Reformprogramms.

Der Zeitpunkt wirft Fragen auf

Doch der Zeitpunkt der Abwertung mitten in einer Phase schwacher chinesischer Exportzahlen wirft Fragen auf. Denn mit der Abwertung des Yuan greift die Zentralbank auch zu einem altbekannten Gegenmittel bei sinkenden Ausfuhren. Im Juli waren die Exporte der chinesischen Wirtschaft überraschend deutlich um mehr als acht Prozent gesunken und lösten neue Sorgen über die Stabilität der nach den USA zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt aus. Mit einer niedrigeren Bewertung der Währung verschafft Peking seinen Exporteuren einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der internationalen Konkurrenz. "Wir gehen davon aus, dass die Maßnahme darauf zielt, Druck von den chinesischen Exporten zu nehmen", sagte der Shanghaier Ökonom Guo Lei.

Analysten erkennen hinter der Abwertung ein weiteres Warnsignal für den Zustand der chinesischen Konjunktur. Für das laufende Jahr hat Peking sieben Prozent Wachstum angepeilt, doch die schwachen Wirtschaftsdaten lassen befürchten, dass dieses Ziel verfehlt wird. An der Richtigkeit der Statistiken wird ohnehin gezweifelt, weil ein transparentes System zur Datenermittlung fehlt und die Zahlen aus den Provinzen in der Vergangenheit häufig frisiert wurden, um die Erwartungen der Zentrale zu erfüllen oder gar zu übertreffen. Das Weltwirtschaftsinstitut in Kiel stellte zudem kürzlich in einer Studie fest, dass Chinas Konjunktur schneller abkühlt als die offiziellen Daten zeigen. Selbst wenn die sieben Prozent erreicht werden sollten, wäre es das schwächste Wachstum seit 25 Jahren.

Mit dem jüngsten Schritt dürften die Chinesen neues Misstrauen bei ihren wichtigsten Handelspartnern in den Vereinigten Staaten, Europa oder Japan wecken. Der Dax schloss am Dienstag 2,68 Prozent schwächer, besonders Autohersteller litten. Die politischen Nachwirkungen könnten sich auch über den USA-Besuch von Chinas Staatspräsident Xi Jinping Ende September legen. Die künstliche Abwertung hat in der Vergangenheit zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt schon für viel Konfliktstoff gesorgt.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) wird die weitere Entwicklung ebenfalls mit großem Interesse verfolgen. China buhlt darum, in den gemeinsamen Währungskorb mit den wichtigsten Währungen aufgenommen zu werden. Es wäre ein entscheidender Schritt für den Renminbi, seinen von der Staatsführung erhofften Status als Reservewährung voranzutreiben. Peking will mit der Internationalisierung des Renminbi die tragende Rolle des US-Dollars herausfordern und die politische Einflussnahme der Amerikaner mithilfe des Dollars reduzieren. Eingriffe in die Kursentwicklung sind wenig geeignet, das Vertrauen zu stärken.

Doch nicht nur die großen Handelspartner der Chinesen spüren in der Benachteiligung ihrer Firmen auf dem Weltmarkt die Konsequenzen der Währungsabwertung. Vor allem andere Entwicklungs- und Schwellenländer könnten sich ermutigt fühlen, ihrerseits die Landeswährung abzuwerten, um die entstandenen Nachteile auszugleichen. Vietnam hat die Handelsspanne seiner Währung am Mittwoch bereits verdoppelt, teilte dessen Staatsbank mit. Die Maßnahme soll eine Schwächung des Dong ermöglichen.

Wenn andere Länder Vietnams Beispiel folgen, droht ein regelrechter Währungskrieg, der in massiven Einbrüchen bei Auslandsinvestitionen enden könnte und nicht nur einzelnen Volkswirtschaften, sondern auch der globalen Konjunktur schaden könnte.

Auch China selbst muss fürchten, dass ausländisches Kapital abfließt, weil die Sorge um die Wirtschaftsleistung die Investoren umtreibt. Offizielle Statistiken zeigen, dass Chinas Währungsreserven in den vergangenen zwölf Monaten von knapp vier Billionen US-Dollar auf 3,7 Billionen US-Dollar gesunken sind.

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SZ vom 12.08.2015
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