Absturz des Rubel Moskau verkauft seine Dollars

  • Das russische Finanzministerium will Währungsreserven verkaufen, um den Kurs des Rubels zu stützen.
  • Der Russlandbeauftragte der Bundesregierung beobachtet eine zunehmende Unruhe bei der russischen Regierung wegen des Rubel-Absturzes.

Russland verkauft Währungsreserven

Das russische Finanzministerium verkauft zur Stützung des Rubels Teile seiner Devisenreserven. Russland sei bereit, Devisen im Wert von sieben Milliarden US-Dollar auf den Markt zu werfen, teilte das Ministerium mit. Der Verkauf könne schrittweise erfolgen. Die Währungsreserven betragen insgesamt mehr als 400 Milliarden Dollar, davon sind allerdings große Teile in Gold und einem von der Regierung geleiteten Fonds gebunden.

Beobachter gehen davon aus, dass Moskau seine Devisenmilliarden nicht sinnlos opfern wird. Derzeit dürfte es für die Regierung vor allem darum gehen, durch den Einsatz einiger Milliarden Dollar Ruhe in der Markt zu bekommen. Prinzipiell gelten Interventionen nur dann als sinnvoll, wenn der Wechselkurs ungefähr dort ist, wo er nach Ansicht der Investoren hingehört - es sich also ein akzeptierter Preis gebildet hat und der Preisrutsch weitestgehend vorbei ist. Ob dies beim Rubel bereits der Fall ist, bleibt unklar.

Der Kurs der russischen Währung zog nach der Ankündigung des Finanzministerium jedenfalls kräftig an. Für einen US-Dollar musste man zwischenzeitlich nur noch 62,35 Rubel bezahlen. Am Dienstag waren es zeitweise noch 73 Rubel gewesen. Am Montag hatte die Zentralbank bereits versucht, den Rubel-Kurs zu stützen. Eine massive Zinserhöhung durch die Notenbank konnte den Absturz allerdings nur kurzzeitig aufhalten.

Nervösität in Moskau

Der Verfall des Rubels hat nach Einschätzung des Russlandbeauftragten der Bundesregierung zu Nervosität in Moskau geführt. "Alle merken, dass die Maßnahmen, die man bisher ergriffen hat, also zum Beispiel die Veränderung des Leitzinses, keine nachhaltige Wirkung auf den Rubelkurs haben", sagte Gernot Erler (SPD) dem Inforadio des RBB. "Man merkt in Moskau im Augenblick eine gewisse Nervosität."

Hauptgrund für die russische Misere seien aber nicht die Sanktionen des Westens. Hauptanteil daran habe der Verfall des Ölpreises, sagte Erler. Eine Staatspleite Russlands ist nach seiner Einschätzung aber keine unmittelbare Gefahr: "Davon sind wir noch weit entfernt, weil Russland erhebliche Reserven hat."

Lawrow: Sanktionen "schmerzen"

Der russische Außenminister Sergej Lawrow kommentierte die Situation mit den Worten, dass die Sanktionen des Westens "schmerzen". Moskau werde die Sanktionen aber "nicht nur überleben, sondern gestärkt daraus hervorgehen", sagte der dem französischen Sender France 24.

Apple schließt Online-Shop

Wegen des extremen Wertverlusts der Währung unterbrach der US-Computerkonzern Apple den Online-Verkauf seiner Produkte in Russland. Die Verkaufsseite im Internet sei nicht erreichbar, "während wir die Preise überdenken", teilte Apple mit. "Wir entschuldigen uns bei unseren Kunden für die Unannehmlichkeiten."

Einzelhändler in Moskau berichten, dass sie angesichts der heftigen Kursverluste Schwierigkeiten haben, sinnvolle Preise für Importprodukte von Elektronikartikeln bis Wein festzusetzen. Viele Bürger stürmen demnach geradezu die Läden, weil sie Preiserhöhungen fürchten.