Absturz der Solarbranche Sonnenfinsternis

Solarmodule - jahrelang waren sie die Hoffnungsträger für nachhaltig kräftige Gewinne, nun sind sie billig und Hersteller wie Conergy pleite.

Eine Pleitewelle hat in wenigen Monaten Dutzende deutsche Solarfirmen dahingerafft, seit 2012 sind mehr als die Hälfte der Arbeitsplätze weggebrochen. Deutschland erlebt damit ein folgenschweres Kuriosum - denn nie floss so viel Förderung in der Solarenergie.

Von Markus Balser

Gerade mal ein paar Jahre ist es her, dass Firmen wie Solon , Conergy, Solarworld oder Q-Cells besonders hell strahlten. Sie galten als Visitenkarte der gerade angelaufenen deutschen Energiewende - und als Vorboten einer grünen Revolution. Doch von der Euphorie ist kaum etwas geblieben. Die Solarindustrie heute ist nur noch ein Schatten ihres früheren Selbst. Sogar einstige Weltmarktführer wie Solon oder Q-Cells sind angesichts des harten Preiskampfs mit chinesischen Anbietern ins Straucheln geraten. Eine Pleitewelle hat in wenigen Monaten Dutzende deutsche Solarfirmen dahingerafft.

Wie dramatisch die Folgen für die Arbeitsplätze in der einstigen deutschen Hoffnungsbranche sind, macht nun eine neue Auswertung des statistischen Bundesamtes deutlich: Dem Papier zufolge sind seit Anfang 2012 mehr als die Hälfte aller damals 10 200 Arbeitsplätze in der deutschen Solarindustrie weggefallen. Demnach waren in der Produktion von Solarzellen und Solarmodulen im November 2013 noch rund 4800 Personen beschäftigt .

Innerhalb eines Jahres sei jeder dritte Job in der Branche gestrichen worden, heißt es in den vorläufigen Zahlen des Bundesamtes. Die Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden sank von Anfang 2012 bis Ende 2013 von 1,4 Millionen auf 625 000.

Die Zahlen verdeutlichen, wie rasant die Branche gewachsen, aber auch wieder geschrumpft ist. Waren im Januar 2009 lediglich 1500 Menschen in der Produktion von Solarzellen und Modulen tätig, waren es ein Jahr später bereits 8000. Den Höhepunkt erlebte die Solarbranche im August 2012 mit mehr als 12 000 Beschäftigten. Seitdem jedoch geht es steil bergab.

Deutschland erlebt damit ein folgenschweres Kuriosum: Absturz trotz Rekordförderung. Nie zuvor schraubten die Deutschen so viele Solaranlagen auf ihre Dächer wie in den vergangenen drei Jahren. Die Sonne deckt bereits fast fünf Prozent des deutschen Strombedarfs, an guten Tagen sogar 20. Nie zuvor floss so viel Förderung in der Solarenergie.