MeinungE-AutosDie deutschen Autohersteller belügen sich selbst

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Kommentar von Christina Kunkel

Lesezeit: 3 Min.

BMW ist in Sachen Elektroauto-Verkäufen unter den deutschen Premiummarken mit Abstand führend.
BMW ist in Sachen Elektroauto-Verkäufen unter den deutschen Premiummarken mit Abstand führend. (Foto: Sven Hoppe/picture alliance/dpa)

VW, BMW und Mercedes versuchen, sich ihre schlechte Lage mit steigenden E-Auto-Verkäufen schönzureden. Doch in China und den USA wird die Lage immer brenzliger – und eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht.

Menschen, die Pressemitteilungen für Unternehmen verfassen, haben oft ein spezielles Talent: Sie suchen aus all den Zahlen und Kategorien die heraus, bei denen es positive Nachrichten gibt, und schmücken diese dann besonders kunstvoll aus. In neun von zehn Punkten ging es bergab? Egal, wir schreiben in erster Linie über das eine Thema, bei dem es ganz okay läuft. Die PR-Abteilungen der deutschen Autokonzerne haben diese Kunst in den vergangenen Tagen wieder besonders eindrücklich vorgeführt.

BMW, Mercedes und der VW-Konzern haben ihre Verkaufszahlen für das erste Halbjahr vorgelegt. Dort ist vor allem zu lesen von einem wahren Boom der E-Mobilität. Seht her, wir haben es endlich geschafft, Tesla zu überholen! Auf den ersten Blick könnte man also meinen, es stehe ganz gut um die deutschen Autobauer. Doch das stimmt leider nicht. Ein bisschen Licht, aber sehr viel Schatten, so sieht es in Wirklichkeit in Stuttgart, Wolfsburg und München aus. Und einiges spricht dafür, dass die dunklen Wolken in den kommenden Monaten noch bedrohlicher werden.

Ein Lichtblick ist der Hochlauf der Elektromobilität tatsächlich – zumindest bei VW. Dort hat man immerhin zwei Dinge geschafft: Die Elektromodelle haben die Software- und Qualitätsprobleme der Vergangenheit überwunden. Zudem bieten die Wolfsburger ihre Fahrzeuge jetzt zu konkurrenzfähigen Preisen an. Und siehe da: Kaum stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis, greifen die Kunden zu, vor allem in Europa.

Die angestrebte Gewinnmarge ist bei VW in weiter Ferne

Das hilft VW, den geforderten Grenzwerten der EU beim CO₂-Ausstoß der Flotte näher zu kommen. Allerdings hat auch das seinen Preis. Weil die Wolfsburger ihre E-Autos teils mit hohen Rabatten verkaufen, sind die Gewinnmargen minimal. Insgesamt ist VW immer noch weit entfernt von den 6,5 Prozent Rendite, die als mittelfristiges Ziel ausgegeben wurden. Im ersten Quartal schaffte die Marke gerade einmal 0,5 Prozent. Mit mehr verkauften E-Autos dürfte das nicht so schnell besser werden.

Im VW-Konzern gibt es zudem noch zwei Problemfälle. Ausgerechnet Audi und Porsche, die jahrelang das Gesamtergebnis des Konzerns nach oben gepusht haben, stecken in einer anhaltenden Absatzkrise. Bei beiden Marken geht der Absatz weiter nach unten, das können selbst steigende Zahlen bei den Elektroautoverkäufen nicht kompensieren.

Denn die Elektro-Erfolge in Europa sind nur ein kleiner Ausschnitt des Gesamtbildes. Und das zeigt, wie abhängig die deutschen Autobauer vom Weltmarkt sind, insbesondere von den USA und China. In China scheint der Abwärtstrend der deutschen Hersteller weiterhin kein Ende zu finden. Auch in diesem Jahr sind die Absatzverluste bislang meist im zweistelligen Prozentbereich. Ja, alle haben mittlerweile verstanden, dass der chinesische Markt anders tickt als der Rest der Welt. Doch ob die Ideen, wie man als ausländischer Hersteller dort wieder mithalten kann, wirklich funktionieren, ist offen.

Noch schwieriger ist der Umgang mit Donald Trump und seiner erratischen Zollpolitik. Schon jetzt hat es die deutschen Autobauer Hunderte Millionen Euro gekostet, dass der US-Präsident Aufschläge auf Autoimporte verlangt. Zunächst war die Hoffnung auf deutscher Seite groß, irgendeine Einigung zu finden, bei der die Autokonzerne nicht oder nur minimal draufzahlen müssen. Doch je länger die Verhandlungen dauern, desto klarer wird eines: Es wird nicht mehr so werden, wie es einmal war.

Teuer wird es für die deutschen Autobauer also in jedem Fall. Investieren sie in neue Werke in den USA, dauert das lange und kostet viel Geld. Zudem müssen sie die dort produzierten Autos noch verkaufen. Doch tun sie das nicht, müssen sie die Kosten für die zusätzlichen Zölle schon bald an die Kunden weitergeben. Deutsche Autos werden in den USA dann teurer. Wie groß die Sorge davor ist, lässt sich auch an den jüngsten Absatzzahlen ablesen. Das US-Geschäft lief zum Beispiel bei Porsche zuletzt richtig gut, weil der Hersteller trotz der Zölle eine Preisgarantie gab. Damit wird es bald vorbei sein, weil sich Porsche, aber auch Mercedes oder BMW diese Subventionen nicht mehr leisten können. Kein gutes Vorzeichen für die nächsten Quartalszahlen.

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