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Ablehnung des Mitfahrdienstes Uber:Plötzlich scheint Uber wie eine deutsche Behörde

Die Kritik entzündet sich an den Arbeitsumständen der Uber-Fahrer. Sie bleiben selbständige Fahrer und werden nicht angestellt, weil der Markt freier ist als im Taxi-Kartell, sind auch die Umsätze weniger planbar und manchmal geringer. Aber ist das nicht ein Risiko, das jeder Mensch trägt, wenn er sich in die Selbständigkeit wagt? Das Gerücht, wonach die Fahrer nicht versichert sein müssten und Uber bei Unfällen nicht helfe, hat sich als falsch erwiesen. Im Gegenteil: Ein FAZ-Redakteur, der einen Selbstversuch wagte, versank im Papierkram: Versicherungsnachweis, Führungszeugnis (die Kosten dafür übernimmt Uber), Kfz-Schein, Führerschein, Ausdruck des Punkte-Kontos aus Flensburg - plötzlich schienen die Kalifornier fast wie eine deutsche Behörde zu agieren.

Kann dann diese in weiten Teilen nicht zutreffende Kritik ausreichen, um den Hass zu erklären, den in Deutschland viele auf Uber empfinden? Immerhin sind deutsche Taxis auch aus der Sicht eines ehemaligen Taxifahrers nicht immer eine angenehme Angelegenheit. Der Besitz des Personenbeförderungsscheins garantiert nicht die Kenntnis des Weges, was in Zeiten von Google Maps überflüssig ist. Einen anständigen Fahrer zu erwischen, ist dieselbe Lotterie wie sonst auch im Leben. Warum sollte dieses System, das zudem seit Jahren für massive Schwarzarbeit bekannt ist, besonderen Schutz genießen?

Der Economist ahnt, dass sich in Deutschland eine "digitale Phobie" breitmache, die gezielt auch von Firmen geschürt werde, die ihr Geschäftsmodell schützen wollten, indem sie Wettbewerbern keine Chance ließen. Der Fall Uber sei somit in Deutschland nur "ein weiteres Zeichen für die wachsende Feindseligkeit gegen amerikanische Technologie-Firmen." Die transatlantische Allianz hat es offenbar nicht ins digitale Zeitalter geschafft, in Anbetracht der Geheimdienstskandale mag man das zum Teil verstehen.

Welchen Einfluss haben die Lobbyisten der alten Technologien?

Doch Uber passt weniger ins Bild des amerikanischen Überwachers als ins Bild des amerikanischen Turbokapitalisten. Der Firmenchef gilt nach den heute in Deutschland gültigen Maßstäben als schlechter Mensch. Travis Kalanick ist erfolgreich, kümmert sich mehr um die eigene Firma als seine Wettbewerber, ignoriert Verbote, von denen er nichts hält. Zu allem Überfluss ist er ein Mann, der sich zur österreichischen Schule der Ökonomie und Ayn Rands Standardwerk "Der Streik" bekennt. Er ist nicht nur liberal, sondern libertär, die einzige Quote, die er kennt, ist die 100-Prozent-Kalanick-Quote.

Doch wenn sich Deutschland nicht am Riemen reißt, wird kaum Kalanick den größten Schaden tragen. Die Mehrheit der Jobs in den USA entsteht in Start-ups. Regierungen wie die mexikanische planen, alle Kinder im Land speziellen Tests zu unterziehen, um potenzielle Gründer zu identifizieren und gezielt mit Investitionsgeld auszustatten. Deutscher Nachwuchs wird sich in Anbetracht des Umgangs mit Uber doppelt überlegen, ob er nicht lieber im Ausland gründet. Es ist wohl diese Überlegung, die Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel, der nicht gerade als Ayn-Rand-Fan bekannt ist, dazu bewogen haben könnte, mit einer Forderung nach "mehr Wettbewerb" sanft zur Seite Ubers zu tendieren.

Der gesellschaftliche Schaden könnte eben so groß wie der wirtschaftliche werden. Die Gestaltung der Zukunft droht hierzulande von Innovationshassern abzuhängen, von Lobbyisten jener Technologien, die dank des Netzes neuerdings obsolet sind. Dabei kann nur eine Gesellschaft, die technologisch führend ist, die wichtige Frage beantworten, wie wir in Zukunft leben wollen.

So kalt und unmoralisch, wie das amerikanische System häufig beschrieben wird, war übrigens bislang in diesem Streit vor allem ein Taxi-Unternehmer aus Frankfurt. Der hatte, während Uber das Geschäft gerichtlich verboten war, einen Uber-Fahrer bestellen lassen. Nur, um ihn anzuzeigen. Damit alles seine deutsche Ordnung hat.

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Digitale Phobie: Warum setzen sich neue Technologien in Deutschland so schwer durch?

Der Fahrdienst Uber wurde in Deutschland von Beginn an kritisch betrachtet. Das Misstrauen gilt nicht nur der kalifornischen Gründerszene, sondern dem Fortschritt allgemein. Woher kommt die Skepsis?   Diskutieren Sie mit uns.