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Abgasskandal:Ex-VW-Chef Winterkorn wegen schweren Betrugs angeklagt

Winterkorn Volkswagen Abgasskandal Anklage USA

Die Vergangenheit holt ihn wieder ein: Martin Winterkorn, von 2007 bis zum 23. September 2015 Chef von Volkswagen.

(Foto: AP)
  • Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat unter anderem gegen Martin Winterkorn Anklage wegen Betrugs erhoben.
  • Der Ex-VW-Chef soll demnach von den illegalen Abschalteinrichtungen gewusst und diese trotzdem verschwiegen haben.
  • Neben Winterkorn sind vier weitere VW-Manager angeklagt.

Im Abgasskandal bei Volkswagen hat die Staatsanwaltschaft Braunschweig Anklage wegen Betrugs gegen fünf Beschuldigte erhoben - darunter der früheren Konzernchef Martin Winterkorn. Zudem wirft die Anklagebehörde den Führungskräften Untreue, Steuerhinterziehung sowie mittelbare Falschbeurkundung vor, wie sie am Montag mitteilte. Alle Taten sollen zwischen 2006 und 2015 stattgefunden haben.

Winterkorn, der nach Bekanntwerden der millionenfachen Dieselmanipulation im September 2015 zurückgetreten war, werfen die Ermittler Betrug in einem besonders schweren Fall, Verstoß gegen den unlauteren Wettbewerb und Untreue vor. Er soll von den illegalen Abschalteinrichtungen, die Diesel-Fahrzeuge sauberer wirken ließen als diese tatsächlich waren, gewusst haben. Trotzdem habe er es seit Mai 2014 unterlassen, die rechtswidrigen Manipulationen an Diesel-Motoren den zuständigen Behörden in Europa und den USA offenzulegen und den weiteren Einbau der Abschalteinrichtungen zu untersagen. Der Konzern habe daraufhin mit Wissen und Billigung auch von Winterkorn im November 2014 ein Softwareupdate erlassen, um den wahren Grund für die erhöhten Stickoxidwerte der Fahrzeuge zu verschleiern. Die Namen der weiteren angeklagten Führungskräfte nannte die Staatsanwaltschaft nicht.

SEC hat ebenfalls Klage gegen Winterkorn eingereicht

Mitte März hatte bereits die US-Börsenaufsicht Klage gegen Volkswagen und seinen ehemaligen Konzernchef Martin Winterkorn eingereicht. Die Securities and Exchange Commission (SEC) beschuldigt den Autobauer und den Manager, Anleger in den USA betrogen zu haben ( hier als PDF). VW habe dort von April 2014 bis Mai 2015 Unternehmensanleihen und verbriefte Wertpapiere in Höhe von mehr als 13 Milliarden Dollar ausgegeben, während Top-Manager des Konzerns bereits von den Abgasmanipulationen gewusst hätten.

Volkswagen hatte vor dreieinhalb Jahren auf Druck der US-Umweltbehörden zugegeben, Dieselabgaswerte durch eine spezielle Software so manipuliert zu haben, dass die Fahrzeuge die gesetzlichen Grenzwerte auf dem Prüfstand zwar einhielten, im normalen Betrieb aber nicht. Die Wiedergutmachung kosteten den Konzern bislang 29 Milliarden Euro, vor allem für Strafen und Entschädigungen in den USA. In Deutschland läuft derzeit zudem die Vorbereitung für eine Musterfeststellungsklage gegen den Konzern, der sich mittlerweile etwa 400 000 Kunden angeschlossen haben.

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