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Abgasaffäre:US-Behörden fordern Untersuchungen bei Daimler

  • Im Zuge der Ermittlungen zur Dieselaffäre haben die US-Behörden jetzt auch Daimler aufgefordert, das Zustandekommen fragwürdiger Abgaswerte zu prüfen.
  • Mitsubishi soll wegen geschönter Verbrauchswerte ebenfalls kontrolliert werden.
  • Die französischen Behörden haben Labors und Geschäftsräume von Peugeot durchsucht.

Immer mehr Autohersteller müssen sich wegen geschönter Abgas- und Verbrauchswerte vor den US-Behörden verantworten. Nach dem Emissionsskandal bei VW geht es jetzt auch um Daimler und Mitsubishi. Das amerikanische Justizministerium hat Daimler aufgefordert, das Zustandekommen der Abgaswerte zu prüfen.

Die Anweisung folgt auf Sammelklagen von US-Autobesitzern, die den Schwaben überhöhte Emissionswerte vorwerfen. Daimler erklärte, diese Sammelklagen für unbegründet zu halten. Deshalb wolle man sich dagegen mit sämtlichen juristischen Mitteln zur Wehr setzen, werde aber vollumfänglich mit den amerikanischen Behörden kooperieren. Etwaigen Hinweisen auf Regelverstöße werde der Autobauer "konsequent nachgehen und die erforderlichen Maßahmen selbstverständlich treffen". Dafür soll eine externe Anwaltskanzlei beauftragt werden, sagte Finanzchef Bodo Uebber.

Der Besitzer eines Mercedes-Modells mit Blue-Tec-Dieselmotor wirft dem Daimler-Konzern vor, der Ausstoß von giftigem Stickoxid überschreite bei Temperaturen unter zehn Grad die Grenzwerte in den USA um bis das 65-Fache. Die Klage vor einem Bezirksgericht in Illinois wurde von der Anwaltskanzlei Hagens Berman eingereicht, die bereits VW in den USA wegen überhöhter Abgaswerte verklagt hat.

Mitsubishi soll ebenfalls kontrolliert werden

Die US-Verkehrsaufsicht teilte mit, im Skandal um geschönte Verbrauchswerte den japanischen Autobauer Mitsubishi Motors zu überprüfen. Die Behörde NHTSA bat den Pkw-Hersteller um Informationen über Fahrzeuge, die in den USA verkauft wurden. Einem Bericht der Zeitung Sankei zufolge könnte Mitsubishi die Werte auch bei Elektrofahrzeugen manipuliert haben. Der Autobauer erklärte, den in dem Medienbericht erhobenen Vorwürfen nachgehen zu wollen. Mitsubishi hatte am Mittwoch Tricks bei Tests zum Treibstoffverbrauch eingeräumt.

Durchsuchungen bei Peugeot

In Frankreich bekommt es im Zuge von Ermittlungen wegen Abgaswerten auch Peugeot mit den Behörden zu tun. Der Konzern bestätigte am Donnerstag Durchsuchungen an mehreren Standorten. Die Fahrzeuge des Konzerns erfüllten in allen Ländern, in denen er tätig sei, die gesetzlichen Vorgaben, hieß es in einer Stellungnahme. Peugeot arbeite in vollem Umfang mit den Ermittlern zusammen. Ein Peugeot-Vertreter teilte später mit, die Razzien in vier Forschungs- und Entwicklungszentren liefen weiter. Es seien Büros versiegelt und Computer beschlagnahmt worden. Im Januar hatte die französische Behörde für Wettbewerb, Verbraucherangelegenheiten und Betrugsbekämpfung (DGCCRF) bereits Durchsuchungen bei Renault veranlasst.

VW-Konkurrenz unter besonderer Beobachtung

Auslöser all dieser Ermittlungen ist der Dieselskandal bei Volkswagen. Seit dem Bekanntwerden der Abgasmanipulationen steht auch die Konkurrenz unter besonderer Beobachtung von Behörden, Justiz und Öffentlichkeit. Volkswagen hatte im September zugegeben, Stickoxid-Abgaswerte mit einer speziellen Software manipuliert zu haben. Dem Wolfsburger Konzern steht in der Abgasaffäre ein teurer Kompromiss bevor. Der Autobauer einigte sich nach monatelangem Ringen mit den US-Behörden auf Grundzüge eines Entschädigungsplans, der den Rückkauf von fast einer halben Million manipulierten Dieselfahrzeugen sowie eine Entschädigung der Autobesitzer vorsieht. Daimler hat den Einsatz einer speziellen Software zur Manipulation von Abgaswerten dagegen mehrfach bestritten.

© SZ/AP/dpa/Reuters/mahu
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