Abfindungen für Konzernchefs Wenn sich der Rauswurf auszahlt

Für den bisherigen Vorstandsvorsitzenden Matthias Müller hat VW 30 Millionen Euro zurückgestellt.

(Foto: Marijan Murat/dpa)
  • Wenn Chefs von Großkonzernen vorzeitig gehen müssen, können sie sich auf Millionen-Abfindungen und Altersbezüge freuen.
  • Aktuell stehen John Cryan von der Deutschen Bank und Matthias Müller von VW diese Zahlungen wohl bevor.
  • Wer selber kündigt, muss in der Regel verzichten.
Von Caspar Busse und Jan Willmroth, Frankfurt

Die Aufregung war groß, als vor einigen Wochen bekannt wurde, dass Rüdiger Grube, 66, für wenige Wochen Arbeit viel Geld bekommen hatte. Der frühere Chef der Deutschen Bahn kassierte für 2017 inklusive einer hohen Abfindung 2,3 Millionen Euro, obwohl er selbst gekündigt hatte und am 30. Januar 2017 nach einer turbulenten Aufsichtsratssitzung überraschend mit sofortiger Wirkung zurückgetreten war. Es müsse "Maß und Mitte" eingehalten werden, sagte dann der neue Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU).

Maß und Mitte - darum wird es auch gehen, wenn es nun um die möglichen (und voraussichtlich deutlich höheren) Abfindungen für zwei sehr prominente Manager geht, die kurzfristig ihre gut dotierten Jobs aufgeben: John Cryan bei der Deutschen Bank und Matthias Müller bei Volkswagen. Dabei lag der Automann in der Gehaltsliste der Dax-Vorstände für 2017 deutlich vor seinem Chefkollegen aus Frankfurt (siehe Grafik). Müller bezog fast 10,3 Millionen Euro und lag damit noch über der konzerninternen Grenze von zehn Millionen Euro, die VW eigentlich für Vorstandschefs gezogen hatte. Cryan erreichte "lediglich" knapp 4,4 Millionen Euro, auch weil sein Fixgehalt deutlich geringer ist.

Über Müllers Zukunft wird an diesem Donnerstag der VW-Aufsichtsrat beschließen. Sein Vertrag läuft jedenfalls noch bis 2020, und der könnte durchaus ausgezahlt werden. Im VW-Geschäftsbericht heißt es dazu, dass maximal zwei Jahresvergütungen gezahlt werden. Leer geht ein Vorstand nur dann aus, wenn "die Tätigkeit aus einem von einem Vorstandsmitglied zu vertretenden wichtigen Grund beendet wird". Diese Regel gilt auch für Personalvorstand Karlheinz Blessing, der offenbar ebenfalls vor der Ablösung steht. Dazu kommen übrigens Altersbezüge, allein für Müller hat VW rund 30 Millionen Euro zurückgestellt. VW wollte sich zu möglichen Abfindungen nicht äußern und verwies darauf, dass Gremien-Entscheidungen zu den Personalien noch gar nicht vorliegen.

Und bei der Deutschen Bank sind es mit diesem Donnerstag noch 19 Tage, bis John Cryan offiziell nicht mehr für das Geldhaus arbeitet. Auch wenn die genaue Summe noch nicht feststeht, so lässt sich ungefähr abschätzen, wie viel der 57-jährige Brite, dessen Vertrag noch bis Mai 2020 gelaufen wäre, nach seiner raschen Abberufung durch den Aufsichtsrat am vergangenen Sonntag noch verdienen wird. Laut Geschäftsbericht muss der Aufsichtsrat sowohl berücksichtigen, wie das vorzeitige Aus zustande kam, als auch auf die Dauer der bisherigen Tätigkeit abstellen. "Die Abfindung beträgt in der Regel zwei Jahresvergütungen", heißt es wie bei VW. Nimmt man 2017 als Maßstab, hieße das: Cryan tritt mit einem Anspruch auf annähernd neun Millionen Euro ab, wenn man die Altersbezüge im Wert von 1,9 Millionen Euro berücksichtigt. Für 2017 Jahr hatte der Vorstand freiwillig auf Boni verzichtet. Dies könnte sich für 2018 aber ändern. Ob dies Auswirkungen auf die Zahlungen an Cryan haben wird, ist offen.

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Ganz anders ist die Lage bei Deutsche-Bank-Vize Marcus Schenck, der als Investmentbanking-Chef und Cryans Stellvertreter mit knapp vier Millionen Euro fast genauso viel verdiente wie sein Chef. Sein Vertrag lief noch bis 2023, nun aber wird er die Bank zur Hauptversammlung Ende Mai dieses Jahres verlassen - auf eigenen Wunsch. Mit seiner Kündigung verwirkt er auch jeglichen Anspruch auf Abfindung. Die Deutsche Bank wollte keinen Kommentar abgeben.

Es lohnt sich offensichtlich mehr, rausgeworfen zu werden, als freiwillig zu gehen. Das gilt auch für Thomas Ebeling, bis Februar Chef des Fernsehunternehmens Pro Sieben Sat 1. Er erhielt nach einer "einvernehmlichen Trennung" ebenfalls eine hohe Abfindung, auch sein Vertrag wäre noch zwei Jahre gelaufen. Er erhält 7,1 Millionen Euro, bei der Berechnung der auszuzahlenden Boni wurde übrigens davon ausgegangen, dass Ebeling die vereinbarten Ziele voll erreicht hätte. Und als vor über einem Jahr Christine Hohmann-Dennhardt überraschend nach nur 13 Monaten aus dem VW-Vorstand ausschied, erhielt sie eine Abfindung von 12,5 Millionen Euro. Damals gab es eine öffentliche Diskussion um eine Obergrenze für Abfindungen, ohne Ergebnis.

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