Abfall:Energie und Phosphor aus Klärschlamm: Neue Anlage eröffnet

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Die neu eröffnete Klärschlamm-Verbrennungsanlage in Helmstedt. (Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Eigentlich ist Klärschlamm ein schadstoffreiches Abfallprodukt. In einer neuen Verbrennungsanlage in Helmstedt soll der Stoff aber nun verwertet werden. Wie das funktioniert, schaut sich zur Eröffnung auch Niedersachsens Ministerpräsident an.

Direkt aus dem dpa-Newskanal: Dieser Text wurde automatisch von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) übernommen und von der SZ-Redaktion nicht bearbeitet.

Helmstedt (dpa/lni) - Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat im Helmstedter Revier am Freitag offiziell eine Klärschlamm-Verbrennungsanlage eröffnet. Die Anlage zur Verwertung von Klärschlamm ging schon im vergangenen September in Betrieb, es ist eine der ersten in Niedersachsen. Auch in Hannover wurde in der vergangenen Woche eine sogenannte Klärschlamm-Monoverbrennungsanlage in Betrieb genommen.

In einer solchen Anlage wird ausschließlich der in Kläranlagen anfallende Schlamm thermisch verwertet - also verbrannt und aufbereitet. Mit der Verbrennung von Klärschlamm soll auch die Ressource Phosphor, die im Klärschlamm enthalten ist, zu mehr als 80 Prozent recycelt werden können.

„Klärschlamm ist mehr als Abfall. Es kann Energie erzeugt werden und es kann als Grundlage für einen neuen Rohstoff, insbesondere für das Düngen genutzt werden. Es ist eine Kreislaufwirtschaft vom Feinsten“, sagte Weil. Der Bau der Anlage sei daher auch ein wichtiger Schritt bei der Transformation der Energieerzeugung. Energie werde nun nicht mehr aus Kohle gewonnen, sondern aus Klärschlamm und entsprechenden Alternativen.

Klärschlamm ist eine wichtige Rohstoffquelle für die Landwirtschaft. Das darin enthaltene Phosphor wird unter anderem verwendet, um Düngemittel herzustellen. Bisher wurden die Klärschlämme entweder auf landwirtschaftlich genutzten Flächen ausgebracht oder in Kohlekraftwerken mitverbrannt. Auf die Felder gelangen dadurch allerdings auch Schadstoffe, die in dem Schlamm mit enthalten sind.

Wird Klärschlamm in Kohlekraftwerken oder Müllverbrennungsanlagen mitverbrannt, werden zwar die darin enthaltenen Schadstoffe zerstört, allerdings geht dabei auch das wertvolle Phosphor unwiederbringlich verloren, da es aus der Asche nicht mehr zurückgewonnen werden kann. In einem nachgelagerten Verfahren in der Monoverbrennungsanlage soll das Phosphor dann nach der Verbrennung des Klärschlamms wiederverwertet werden.

Eine 2017 verabschiedete Novelle der Klärschlammverordnung sieht vor, die landwirtschaftliche Nutzung von Klärschlamm zu reduzieren und eine Phosphorrückgewinnung ab 2029 sicherzustellen. Mit der neuen Anlage sollen nun weniger Nitrat und Schadstoffe auf die Böden und ins Grundwasser gelangen.

„Allein wenn es gelingt, die vom Gesetzgeber geforderten 80 Prozent Phosphorrückgewinnung zu erzielen, stünden jährlich bis zu 40.000 Tonnen Phosphatrezyklate in Deutschland für die Düngerherstellung zur Verfügung“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Betreibers EEW, Timo Poppe. In Helmstedt würden jährlich 15.000 Tonnen phosphathaltige Asche für das Recycling gewonnen werden, sagte Poppe.

Die Klärschlamm-Verbrennungsanlage ist nach Angaben von EEW in der Lage, etwa 20 Prozent des jährlich in Niedersachsen anfallenden Klärschlamms zu verwerten. Es sollen etwa 160.000 Tonnen trockener Klärschlamm in der Anlage verbrannt werden. Rund 5000 Haushalte sollen von der dabei gewonnenen überschüssigen Energie profitieren und mit Strom versorgt werden.

In der kürzlich in Hannover eröffneten Monoverbrennungsanlage sollen rund 130.000 Tonnen entwässerter Klärschlamm verwertet werden. Die dabei anfallende Überschussenergie soll ins Fernwärmenetz eingespeist werden und etwa 5000 Haushalte mit klimaneutraler Fernwärme versorgen. Auch in Hannover soll das Phosphor nach der Verbrennung des Klärschlamms zurückgewonnen werden.

Derzeit sind laut dem Beratungsunternehmen Ecoprog in Deutschland über 30 Klärschlamm-Monoverbrennungsanlagen in Betrieb. Mehr als 50 Projekte für den Bau zusätzlicher Monoverbrennungsanlagen seien in Planung.

© dpa-infocom, dpa:230713-99-394266/5

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