Ab-in-den-Urlaub.de und Fluege.de:Ab-in-den-Urlaub.de und Fluege.de könnten einzeln abgegeben werden

Hört man sich in der Internetbranche um, welche Tochtergesellschaften für potenzielle Investoren interessant sind, dann fallen fast ausschließlich die Namen der beiden großen Portale Ab-in-den-Urlaub.de und Fluege.de. Daneben gilt der hauseigene Reiseveranstalter Urlaubstours als attraktiv. "Diese drei Assets sind hochspannend", sagt ein Manager aus der Branche. "Dagegen kann ich mir kaum vorstellen, dass sich jemand Unister komplett ans Bein binden will."

Was gegen das "Modell Prokon" spricht, ist auch die Gläubigerstruktur. Als größter Kreditgeber von Unister gilt der Versicherer Hanse Merkur, der die Leipziger Portale als Plattform für den Vertrieb von Reiseversicherungen nutzt. Dass sich die Hamburger nun in die Rolle des Retters begeben, dürfte eher nicht passieren, stattdessen wird die Hanse Merkur darauf erpicht sein, im Zuge des Insolvenzverfahrens die Verluste in Grenzen zu halten. Das gleiche dürfte für andere potenzielle Gläubiger gelten. Zu denen könnte auch der US-Konzern Google gehören. Der Suchmaschinenkonzern verdiente jahrelang gut an Unister, weil die Leipziger über Google-Anzeigen einen Großteil ihrer Kunden gewannen. Vermutlich sind in diesem Zusammenhang noch Rechnungen offen. Die Amerikaner wollen sich zum Fall Unister ebenso wenig äußern wie die Hanse Merkur.

Pro Sieben Sat 1 wird Interesse an Unister-Portalen zugetraut

Im Reisemarkt wittern unterdessen viele ihre große Chance. Pauschalreisen, Flüge und Mietwagen im Volumen von fast zwei Milliarden Euro vermittelt Unister jährlich und gilt damit im Onlinebereich als klarer Branchenführer. Nun wird der Markt neu verteilt. Das auf Finanzen spezialisierte größte deutsche Vergleichsportal Check24 drängt ins Tourismusgeschäft. Gab man früher bei Google eine Suchkombination wie "Mallorca + Urlaub" ein, dann wurde als oberster Anzeigentreffer meist ein Unister-Portal angezeigt. Zuletzt poppte immer öfter Check24 auf. Zu dieser Strategie passt, dass Check24 sein Reisegeschäft von Leipzig aus betreibt und bei Unister Mitarbeiter abwirbt. Als Käufer werden sie aber nicht gehandelt.

Interesse am Erwerb von Ab-in-den-Urlaub.de und Fluege.de wird eher Pro Sieben Sat 1 zugetraut. Der Münchner Medienkonzern besitzt das Reiseportal Weg.de und prüfte bereits in der Vergangenheit einen Einstieg in Leipzig. Konzernchef Thomas Ebeling hatte gerade angekündigt, auf der Suche nach größeren Akquisitionen im Onlinebereich zu sein. Der Charme dieses Modells: Über seine Fernsehsender kann der Dax-Konzern im großen Stil für seine hauseigenen Portale werben. Aus demselben Kalkül heraus soll sich auch Bertelsmann in der Vergangenheit bereits für Unister interessiert haben. Ein weiterer potenzieller Interessent ist der Ticket-Vermarkter CTS Eventim. Er könnte mithilfe von Teilen aus der Insolvenzmasse künftig spezielle Eventreisepakete schnüren.

Leidtragende der Unister-Pleite sind hingegen neben den Mitarbeitern die Schnäppchenjäger unter den Reisenden. Mit ihrer Alles-oder-Nichts-Strategie zwangen die Leipziger selbst seriöse Anbieter wie das Burda-Portal Holidaycheck dazu, Kunden mit Gutscheinen und anderen Angeboten zu ködern. "Diese ruinösen Praktiken haben mit der Insolvenz von Unister hoffentlich endlich ein Ende", sagt ein Branchenmanager.

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