A380 Bruchrechnen bei Airbus

Ein Riss im Flügel des weltgrößten Passagierflugzeugs nach einem Belastungstest sorgt für helle Aufregung - zu unrecht.

Von hgn

Normalerweise sind der Menschheit Flugzeugtests herzlich egal. Es gibt Zulassungsbestimmungen, die müssen eingehalten werden. Und wenn das nicht gelingt, wird eben nachgebessert.

Doch wenn ein Flugzeug Probleme macht, das aufgrund seiner schieren Größe alle bisherigen Grenzen in der Passagierflugwelt überschreitet, findet das zwangsläufig Beachtung.

Beim A380 ist das jetzt - nicht zum ersten Mal - der Fall: Ein Flügel wurde über die Maßen gebogen, um seine Belastungsfähigkeit in Extremsituationen zu simulieren.

Dummerweise brach hierbei die Tragfläche zwischen den beiden Triebwerken auf. Dabei war der Versuch schon fast abgeschlossen: Aushalten musste der Flügel die 1,5-fache Belastung des Standardwertes, die bei einer Biegung der Flügelspitzen um rund 7,40 Meter auftritt.

Verfehlt ist verfehlt

Tatsächlich aber hat der Flügel kurz vor Erreichen dieser Ultimate Load schlapp gemacht. Beim 1,45-fachen des Standwertes war Schluss.

Die Börse reagierte zunächst panisch, die Titel der Airbus-Muttergesellschaft EADS brachen am Donnerstag zeitweise um 15 Prozent ein. Mittlerweile aber haben sich die Aktien wieder erholt.

Airbus konnte die Befürchtungen der Anleger weitgehend ausräumen, dass sich die für das Jahresende geplante erste Auslieferung an Singapore Airlines verzögern würde. Denn das Unternehmen zeigte sich zuversichtlich, dass die Anforderungen - "eventuell mit einigen Optimierungen" - rechtzeitig erfüllt werden können.

Aber klar ist auch: Airbus wird aufwändig untersuchen müssen, warum der Flügel vorzeitig nachgeben hat. Selbst wenn der Maximalwert nur knapp verfehlt wurde - er wurde verfehlt.

Und das kann nach Angaben der zuständigen Europäischen Agentur für Luftfahrt auch bedeuten, dass noch weitere Tests durchgeführt werden müssen. Darum sei es derzeit auch nicht abschätzbar, ob sich die Auslieferung verzögern wird oder nicht.

Haben die Aktionäre vor allem den ökonomischen Aspekt vor Augen, mögen sich potenzielle Fluggäste eher um ihre Sicherheit Sorgen machen: Hat der A380 nicht doch schon die Grenzen des derzeit Möglichen überschritten?

Diese Sorge ist freilich unbegründet: Die Airbus-Ingenieure werden das fehlende Quentchen Stabilität noch zu ergänzen wissen.

Und dem Unternehmen ist klar, dass der Flügel fortan unter besonderer Beachtung steht. Der A380 mag aus vielerlei Gründen abstürzen, aber kaum mehr aufgrund nachgebender Tragflächen.