Verkehrsdaten:Weniger Stau durch Neun-Euro-Ticket

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Verkehrsdaten: Fahrzeuge stehen auf einer Autobahn in Niedersachsen im Stau.

Fahrzeuge stehen auf einer Autobahn in Niedersachsen im Stau.

(Foto: Peter Steffen/dpa)

Günstigere Fahrkarten sollen den Umstieg vom Auto auf Bus und Bahn erleichtern. Neue Verkehrsdaten zeigen: Es klappt offenbar. In zwei Städten ging der Stau besonders deutlich zurück.

Das Neun-Euro-Ticket bringt offenbar Entlastung auf den Straßen im Berufsverkehr. Eine Analyse des Verkehrsdatenspezialisten Tomtom für die Deutsche Presse-Agentur zeigt für 23 von 26 untersuchten Städten einen Rückgang des Stauniveaus im Vergleich zur Zeit vor der Einführung. Die Daten "lassen vermuten, dass dieser Rückgang in Zusammenhang mit der Einführung des Neun-Euro-Tickets steht", sagte Tomtom-Verkehrsexperte Ralf-Peter Schäfer. "Pendler haben bei der Fahrt mit dem Auto in die Arbeit und nach Hause in fast allen untersuchten Städten im Juni weniger Zeit verloren als noch im Mai."

Konkret haben die Experten die Stauniveaus im Berufsverkehr an Werktagen in den Kalenderwochen 20 und 25 verglichen. Die Zeiträume wurden so gewählt, um Auswirkungen von Ferien und Feiertagen zu umgehen. Das Ergebnis ist deutlich: "In den ersten Tagen nach Einführung des Neun-Euro-Tickets haben die Daten von Tomtom noch kaum Auswirkungen der Maßnahme auf den Autoverkehr gezeigt. Mittlerweile lässt sich jedoch in fast allen untersuchten Städten in Deutschland ein positiver Effekt auf den Verkehrsfluss feststellen", sagte Schäfer.

"Der Rückgang des Zeitverlusts fällt dabei von Stadt zu Stadt unterschiedlich stark aus", erklärte der Experte. Besonders deutlich war die Verbesserung beim Stauniveau demnach in Hamburg und Wiesbaden. Dort sank das Stauniveau um 14 beziehungsweise 13 Punkte. Das bedeutet, dass Autofahrer auf einer Strecke, die ohne Verkehr 30 Minuten dauern würde, im Hamburg im Schnitt 4,2 Minuten weniger verloren, in Wiesbaden 3,9 Minuten. Leichte Verschlechterungen beobachtete Tomtom lediglich in Kiel und Nürnberg. In Karlsruhe blieb das Stauniveau unverändert.

21 Millionen Fahrkarten verkauft

Im Juni, dem ersten Gültigkeitsmonat des Neun-Euro-Tickets, wurden dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) zufolge bundesweit etwa 21 Millionen der Sonderfahrkarten verkauft. "Zusammen mit den etwa zehn Millionen Abonnentinnen und Abonnenten, die das vergünstigte Ticket automatisch erhalten, ist damit die vorher von der Branche kalkulierte Zahl von 30 Millionen Tickets pro Monat nicht nur erreicht, sondern sogar leicht überschritten worden", teilte VDV-Präsident Ingo Wortmann mit. Die Zahlen beziehen sich ausschließlich auf den Juni. Nach Umfragen des VDV sollen die Menschen aber auch für Juli eine ähnlich hohe Kaufbereitschaft signalisiert haben.

Schwerer zu ermitteln als die Verkaufszahlen ist indes, wie das Ticket tatsächlich genutzt wird. Die Deutsche Bahn, über deren Kanäle ein Großteil der Sonderfahrkarten verkauft worden ist, spricht von einem Fahrgastzuwachs von zehn bis 15 Prozent im eigenen Regionalverkehr im Juni im Vergleich zum Niveau vor der Corona-Krise.

Allerdings vergleicht das Unternehmen dabei nach eigenen Angaben unterschiedliche Zeiträume, nämlich den Juni dieses Jahres mit der Nachfrage von Ende 2019. Die Aussagekraft des Vergleichs ist somit begrenzt. Fakt ist: Insbesondere auf den touristischen Strecken waren Busse und Bahnen voll. Weil gleichzeitig auf Rekordniveau gebaut wird, kam es vielerorts immer wieder zu Zugausfällen und Verspätungen. Häufig mussten Fahrgäste mit Fahrrädern draußen bleiben.

Immerhin 250 zusätzliche Fahrten bietet die Bahn-Tochter DB Regio täglich während des Ticket-Zeitraums eigenen Angaben zufolge an. Doch angesichts von rund 22 000 Regionalbahnfahrten jeden Tag ist das nicht allzu viel. "Noch mehr nachrüsten können die Unternehmen aber sicherlich nicht, weil es weder die Fahrzeuge noch das Personal gibt", hatte jüngst der Ehrenvorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn, Karl-Peter Naumann, gesagt.

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