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5G-Netz:Raus aus dem Kern

Der Telekommunikations-Konzern Telefónica will im sicherheitskritischen Teil des 5G-Netzes auf Technik des chinesischen Anbieters Huawei verzichten. Auch die Konkurrenz wird so verfahren, das könnte den Disput mit den USA entschärfen.

Der chinesische Netzwerkausrüster Huawei wird im besonders sicherheitsrelevanten Teil des 5G-Netzes in Deutschland keine Rolle spielen. Nach der Deutschen Telekom und Vodafone kündigte nun auch die Münchner Telefónica an, dass man für das sogenannte Kernnetz auf Technologie von Huawei verzichten werde. Man habe einen Liefervertrag mit dem schwedischen Anbieter Ericsson abgeschlossen. Telefónica hatte noch im Herbst einige Aufregung verursacht, als das Unternehmen ankündigte, Komponenten für den Aufbau des 5G-Netzes bei Nokia sowie bei Huawei einzukaufen. Dabei handelte es sich allerdings um die Technik, die an den Antennenstandorten eingesetzt wird, nicht ums Kernnetz.

Das Kernnetz dagegen besteht aus einer Reihe von Hochleistungsservern und Geräten, in welche die Glasfaserleitungen eingespeist und deren Lichtsignale in elektrische Impulse umgesetzt werden. Alleine Telefónica verfügt derzeit bundesweit über mehr als 26 000 Mobilfunkstandorte. Diese sind meist per Glasfaser angebunden. Telefónica sieht sich durch den Deal mit Ericsson gut gerüstet für die Zukunft, man werde das modernste Kernnetz in Deutschland bekommen.

Auch Vodafone hat angekündigt, dass in den europäischen Kernnetzen keine Technik von Huawei mehr zum Einsatz kommen werde. Ebenso verfährt die Deutsche Telekom. Bei der jüngsten Ausschreibung Ende des vergangenen Jahres kam Huawei nicht zum Zuge. Man kann das wohl als Versuch deuten, einen Kompromiss zu finden zwischen dem amerikanischen Druck, künftig keine Technik von Huawei einsetzen und der Not, das 5G-Netz möglichst schnell und kostengünstig aufzubauen. Europa läuft dabei Gefahr, gegenüber den USA und Asien ins Hintertreffen zu geraten. Die Technik von Kernnetzen muss alle paar Jahre erneuert werden.

Während die Telekom und Vodafone bereits Kunden für ihre 5G-Netze werben, ist Telefónica noch mit dem Aufbau beschäftigt. Von den Vorteilen von 5G - etwa extrem kurze Antwortzeiten, Einbindung einer Vielzahl von Endgeräten - spüren die Endkunden derzeit ohnehin noch nichts. Denn als Zugangstechnik wird die Vorgängertechnik 4G verwendet, so dass es nur mehr Bandbreite gibt. Die Vorteile der neuen Mobilgeneration genießen derzeit nur Firmen, auf deren Gelände eigene 5G-Netze entstehen.

© SZ vom 03.06.2020

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