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Mobilfunk:Alle sind sich einig, dass etwas passieren muss. Nur wie?

Ganz anders sieht das die Telekom. "Wer verpflichtendes National Roaming fordert, stellt sich gegen den Ausbau im ländlichen Raum", sagt Vorstandschef Tim Höttges. Der Konzern verweist auf entsprechende Erfahrungen in Kanada. Dort ist vor wenigen Jahren ein vierter Netzbetreiber in den Mobilfunkmarkt eingestiegen; die gestandenen Anbieter mussten ihm Zugang zu ihren Netzen gewähren. Doch habe der neue Konkurrent sein schnelles Netz vor allem in den Städten aufgebaut, wo es sich am meisten lohnte, argumentiert die Telekom. Daraufhin hätten die Etablierten ebenfalls in den Städten investiert, auf dem Land sei der schnelle Mobilfunk so nicht angekommen.

Höttges warnt, dass viele unterschiedliche Forderungen aus der Politik nicht miteinander kompatibel seien. "Wenn die regulatorischen Rahmenbedingungen falsch gesetzt werden oder überzogen sind, droht Deutschland ein industriepolitisches Desaster", sagt der Telekom-Chef.

Tatsächlich hatten sich mehrere Politiker und Verbände für ein nationales Roaming ausgesprochen, um das Oligopol der drei Netzbetreiber zu brechen. Vor allem der Konkurrent 1&1, zu dem auch Mobilfunkmarken wie Simply oder Smartmobil gehören, hat Interesse bekundet, ein viertes Handynetz aufzubauen. Allerdings lehnt die Bundesnetzagentur bislang eine bundesweite Roamingpflicht ab.

Fürs Land fordern die Verbände eine Mischung aus 5G und LTE

In der Politik kursiert derweil ein Papier, in dem Industrieverbände und Netzbetreiber gemeinsame Forderungen zum Mobilfunkausbau stellen. Geht es nach den Unternehmen, sollten die ersten Hochfrequenzen, die der Staat bald versteigern will, zunächst nur kleine Flächen abdecken. Dies hätte den Vorteil, dass Daten dort sehr schnell verschickt werden könnten. Für den flächendeckenden Ausbau auf dem Land fordern die Verbände hingegen eine Mischung aus 5G und LTE. Zu diesem Zweck sollte der Staat demnach später andere Frequenzen anbieten.

Hinter dem Appell steckt, dass immer mehr Firmen auf schnellen Mobilfunk angewiesen sind. Etwa benötigen moderne Maschinen in der Landwirtschaft, die präzise einzelne Stellen bearbeiten, schon heute LTE auf dem Acker. Damit selbstfahrende Fahrzeuge oder Industrieroboter künftig in Echtzeit funken können, brauche es noch mehr Tempo, heißt es in dem Papier: "5G muss in vollem Umfang im industriellen Feld zur Verfügung stehen."

Indes kritisiert die Gewerkschaft Verdi, dass der Staat die neuen Funkfrequenzen am besten nicht versteigern sollte; das würde nur die Preise treiben. Stattdessen sollte die Politik die drei Netzbetreiber verpflichten, den schnellen Mobilfunk im ganzen Land auszubauen: "Anstatt in Auktionen sollten die Mobilfunkbetreiber ihr Geld besser in den Ausbau der Infrastruktur und die flächendeckende Erschließung investieren", sagt Verdi-Vorstand Lothar Schröder. Dies würde Tausende Arbeitsplätze sichern, ländlichen Regionen helfen und Deutschland technologisch voranbringen, glaubt der Gewerkschafter.

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