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30-Stunden-Woche bei Opel:Schulterschluss für Arbeitsplätze

Das Management und die Beschäftigten bei Opel retten gemeinsam 1200 Arbeitsplätze: Vom 10. November an wird die wöchentliche Arbeitszeit für die rund 5500 Beschäftigten in der Produktion von 35 auf 30 Stunden herabgesetzt. 2,6 Stunden trägt das Unternehmen, 2,4 Stunden gehen zu Lasten der Mitarbeiter.

Die Beschäftigten in der Produktion erhalten für die kürzere Arbeitszeit einen Lohnausgleich für 2,6 Stunden. Der Einkommensverlust für die restlichen 2,4 Stunden führt im Schnitt zu einem Einkommensverlust von 85 Euro im Monat. Dies ist der Kern einer Betriebsvereinbarung zwischen Betriebsrat und Vorstand des Autobauers, die am Dienstag in Rüsselsheim vorgestellt wurde.

Opel-Produktion in Rüsselsheim.

(Foto: Foto: dpa)

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und IG-Metall-Vize Berthold Huber begrüßten das neue Arbeitszeitmodell. Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, beharrte auf einer Flexibilisierung des Flächentarifvertrags.

Schröder sagte in Berlin, die Bundesregierung unterstütze alle flexiblen Schritte, um Entlassungen zu verhindern und Neueinstellungen zu ermöglichen.

Überragendes Ziel

Solche Regelungen müssten aber allein von den Tarifpartnern ausgehandelt werden. Huber sagte im ARD-Morgenmagazin: "Das fällt unseren Mitgliedern nicht leicht, weil das mit Entgeltverlusten verbunden ist, aber die Sicherheit des Arbeitsplatzes, (...), wird von allen als überragendes Ziel anerkannt."

Die Arbeitszeitverkürzung bei Opel beginnt am 10. November mit der Einführung einer dritten Nachtschicht und gilt bis Ende 2004.

Zunächst sind davon 3500 Mitarbeiter in der Produktion betroffen. Nach dem Abbau noch vorhandener Zeitguthaben werden es bis zu 5500 Beschäftigte sein. Die übrigen der insgesamt 21.000 Arbeitnehmer am Standort Rüsselsheim leisten ebenfalls einen Solidarbeitrag in Form von zehn Minuten Mehrarbeit pro Tag.

Die 750 Führungskräfte verzichten auf zwei Urlaubstage einschließlich Urlaubsgeld für diese beiden Tage.

Kosteneinsparung

Mit diesem Arbeitszeitmodell "30plus" erziele die Adam Opel AG eine Kosteneinsparung in "zweistelliger Millionenhöhe", sagte Personalvorstand Norbert Küpper.

Der Autohersteller reagiert damit auf die schleppende Nachfrage nach Opel-Fahrzeugen. In Rüsselsheim werden die Vectra-Modelle und die gehobene Variante Signum gefertigt.

Der Opel-Betriebsratsvorsitzende Klaus Franz bezeichnete die Vereinbarung als "industriepolitisches Signal". Die aktuelle Konjunkturflaute werde nicht zu Lasten der Beschäftigten in der Produktion mit weiterem Personalabbau gelöst. Auch sei das Abkommen ein Beweis, dass innerhalb des Flächentarifvertrages der Metall- und Elektroindustrie sehr flexible Arbeitszeitmodelle möglich seien.

Unterdessen betonte Gesamtmetall-Präsident Kannegiesser im Morgenmagazin, er halte eine Flexibilisierung des Flächentarifvertrags für unabdingbar: "Ein wichtiges Instrument, was uns eben noch fehlt, ist nicht nur, die Arbeitszeit nach unten heruntersetzen zu können, sondern auch nach oben."

Urlaubsgeld umgelegt

Um das gegenwärtige Monatseinkommen zu stabilisieren, erhalten die betroffenen Arbeitnehmer keinen unmittelbaren Lohnabzug. Vielmehr wird das Urlaubsgeld auf zwölf Monate umgelegt. Aus diesem Betrag werden die nicht gearbeiteten 2,4 Stunden pro Woche verrechnet.

Darüber hinaus sollen anfallende Überstunden - etwa in der Entwicklungsabteilung - einschließlich der Zuschläge nur noch in Freizeit abgegolten werden.

Opel-Vorstandschef Carl-Peter Forster rechnet auch für 2004 nur mit einem schwachen Automobilgeschäft in Europa. Dennoch könne mit den geplanten Kosteneinsparungen das Ziel erreicht werden, im kommenden Jahr wieder in die Gewinnzone zurückzukehren.

Falls die gesamtwirtschaftliche Erholung und die Autokonjunktur spürbar anziehe, könne mit einer Vorlaufzeit von etwa zwei Wochen die Produktion in Rüsselsheim um 15 Stunden hochgefahren werden.