28. Januar 2016, 18:53 Sharp Probe aufs Exempel

Apple-Zulieferer Foxconn will Japans Elektronikkonzern Sharp übernehmen. Das Geld ist willkommen - der ausländische Einfluss nicht.

Von Christoph Neidhart

Spekulationen hat es schon länger gegeben, nun liegt dem schwer angeschlagenen Elektronikkonzern Sharp eine offizielle Übernahmeofferte von Hon Hai vor, besser bekannt unter dem Markennamen Foxconn. Das Unternehmen aus Taiwan, weltweit der größte Auftragshersteller für Elektronik, produziert für fast alle bekannten Marken Geräte, auch iPhones für Apple. Foxconn hat in einer detaillierten Offerte 5,3 Milliarden US-Dollar für Sharp geboten - 4,8 Milliarden Euro. Foxconn-Inhaber Terry Gou, der Sharp kennt und schon lange um das 104-jährige japanische Traditionsunternehmen buhlt, hat versprochen, keine Stellen zu streichen, und bereits einen Plan zur Restrukturierung vorgelegt.

Als sein Angebot vorigen Donnerstag durchsickerte, machte die Sharp-Aktie, die noch etwa fünf Prozent so viel wert ist wie vor acht Jahren, zeitweise einen 20-Prozent-Sprung. Obwohl es kein gleichwertiges Angebot gibt, wird die Übernahme durch Foxconn jedoch blockiert, wie man in Tokio munkelt. Das Management von Sharp hat sich zu Gous Gebot bisher nicht geäußert. Es spekuliert darauf, dass das marode Unternehmen, das am Geldtropf seiner Hausbanken hängt, ein viertes Mal "gerettet" wird. Die "Innovation Network Company of Japan" (INCJ), eine Auffanggesellschaft für Pleitefirmen, die zu etwa 90 Prozent dem Staat gehört, will Sharp mit 2,3 Milliarden Euro stützen, also knapp die Hälfte dessen, was Foxconn zahlen würde. Vor vier Jahren hatte INCJ bereits 1,6 Milliarden Euro lockergemacht, um die Bildschirmsparten von Toshiba, Hitachi und Sony zu "Japan Display" zu vereinigen, und diese 2014 an die Börse gebracht. Der Aktienkurs ist seither allerdings um mehr als die Hälfte gefallen. Sollte INCJ bei Sharp einsteigen, dürfte dessen LED-Abteilung auch in Japan Display eingegliedert werden.

An einem ähnlichen Kompromiss ist bereits ein früherer Einstieg des Taiwaners gescheitert

Der Aufsichtsrat von Sharp favorisiert angeblich das Angebot von INCJ: Über die Beweggründe rätselt man allerdings in Tokio. Die Financial Times wirft der japanischen Regierung in diesem Falle "Protektionismus" vor. Wie am Donnerstag bekannt wurde, haben Vertreter des Handels- und Industrieministeriums Gou getroffen, um ihm eine gemeinsame Rettung vorzuschlagen. Angeblich will die Regierung verhindern, dass Sharp in ausländische Hände fällt, Gou soll die Rettung aber finanzieren. An einem ähnlichen Kompromissvorschlag ist bereits ein früherer Einstieg des Taiwaners bei Sharp gescheitert.

Sharp ist kein Einzelfall, sondern die Probe aufs Exempel von Abenomics, dem Konjunkturprogramm des Premiers. Japanische Firmen sollen demnach von ausländischen Aufsichtsräten mitkontrolliert werden und sich Marktmechanismen unterziehen. Falls Sharp das Foxconn-Angebot ablehnt, kommen Aktionäre und die beiden Hausbanken zu kurz. Letztere haben Sharp erst vor einem halben Jahr mit massiven Geldspritzen unterstützt. Vor allem aber zeigen die Regierung und die Sharp-Führung, wie wenig sich in Japan geändert hat.