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Trends:Will ich auch!

Eine Stunde im heißen Studio ohne Fenster: Model sein kann echt anstrengend sein. Die Geschwister Kiara und Semin haben das für die "SZ für Kinder" tapfer auf sich genommen - vielen Dank!

(Foto: Catherina Hess)

Es ist doch seltsam: Plötzlich kaufen alle die gleichen Schuhe oder Jacken, wollen alle dieselbe App auf ihrem Handy haben. Warum gibt es diesen Herdentrieb?

Wenn viele Menschen plötzlich etwas machen, das sie vorher nicht gemacht haben, dann nennt man das einen Trend. Dabei muss es gar nicht um Mode gehen, Trends gibt es auch bei Autofarben, Lebensmitteln und sogar in der Sprache. Was ein Trend wird, lässt sich leider ganz schlecht voraussagen. Leichter ist es, sich zu überlegen, aus welchen Gründen Menschen bei einem Trend mitmachen.

Erstens können sie so zeigen, dass sie der Zeit voraus sind. Wenn man zum Beispiel im Urlaub etwas gegessen, gekauft oder gehört hat, was es in Deutschland noch nicht gibt, macht einen das interessant. Die Leute hier werden dann aufmerksam und fragen nach. Man begründet damit vielleicht einen neuen Trend und gilt als Trendsetter. So nennt man Menschen, die immer schon wissen, was morgen angesagt sein wird (to set ist Englisch und bedeutet: setzen, einführen). Als Trendsetter kann man andere Menschen beeinflussen und steht im Mittelpunkt. Viele finden das gut.

Ein zweiter Grund ist Unsicherheit. Wenn man sich zum Beispiel bei Mode nicht besonders gut auskennt, ist es einfacher, das zu kaufen, was gerade alle kaufen. Damit macht man ja schon mal nichts falsch. Deswegen gibt es auch so viele Modezeitschriften - sie informieren die Leser, was die Stars gerade tragen und was in anderen Ländern angesagt ist. Aber immer nur nachzumachen, was andere vormachen, ist eigentlich ziemlich langweilig, oder?

Der dritte Grund ist Zugehörigkeit. Das hat jeder schon mal erlebt: Alle in der Klasse haben eine neue App auf dem Handy und reden über nichts anderes. Oder alle finden eine neue Band gut und wollen so eine Frisur haben wie der Sänger. Sie benehmen sich wie eine Gruppe von Eingeweihten. Wer die Sachen nicht hat oder mag, der gehört nicht zu der Gruppe, und das ist ihm vielleicht ganz egal. Aber was, wenn ausgerechnet die beste Freundin zu den App-Spielern oder Band-Fans gehört? Oder wenn der Schauspieler, den man gut findet, immer mit den gleichen Turnschuhen zu sehen ist? Dann kommt man ganz von selbst auf die Idee, diese Sachen auch mal auszuprobieren. Es könnte ja sein, dass sich damit ein bisschen von der Coolness auf einen selber überträgt. Oder dass man von anderen dann genauso toll gefunden wird. Oder auch nur, dass man mitreden kann. Und schwupps, schon ist man Teil des Trends.

Das ist nicht schlimm, jeder Mensch macht bei irgendeinem oder mehreren Trends mit. Man sollte die Sache nur nicht zu wichtig nehmen und nicht vergessen, dass der Trend von heute morgen schon wieder uncool sein wird. Je mehr Leute bei einem Trend mitmachen, desto normaler werden die Sachen schließlich. Und dann geht die Suche nach etwas Neuem wieder von vorne los.