Eine sehenswerte Ausstellung im NS-Dokumentationszentrum spürt den traumatischen und oft übersehenen Folgen kriegerischer Auseinandersetzungen nach.
NS-Forschung in Bayreuth
:US-Einmarsch rettet Hunderte Nazi-Gegner vor Erschießung
Am Ende des Zweiten Weltkriegs sind in Bayreuth Hunderte Regimegegner inhaftiert, darunter auch der spätere Bundestagspräsident Eugen Gerstenmaier. Ein Forschungsprojekt widmet sich nun diesem Teil der Geschichte, der bislang weitgehend unerforscht geblieben ist.
NS-Vergangenheit
:Dieser Preis war ein „schwerer Fehler“
Leni Riefenstahl, Heinz Rühmann und anderen wird die „Ehrenmedaille“ der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft aberkannt. Grund ist eine Studie zur NS-Vergangenheit des Verbands. Auf diese Idee hätte man auch früher kommen können.
Zeppelinfeld in Nürnberg
:NS-Reichsparteitagsgelände wird zum„begehbaren Exponat“ umgebaut
Die Arbeiten auf dem Zeppelinfeld in Nürnberg gehen voran: Bis 2030 soll das Gelände wieder vollständig zugänglich sein – und als historischer Ort weiter an die Schrecken der NS-Herrschaft erinnern, wenn das Zeitzeugen irgendwann nicht mehr selbst können.
Zeitgeschichte in Moosburg
:Lösung für Stalag-Wachbaracken in Sicht
Denkmalschützer sagen in Moosburg Geld für eine Notsanierung der maroden Gebäude aus der NS-Zeit zu, um sie als Zeitzeugnis zu erhalten. Langfristig soll an der Schlesierstraße ein Dokumentationszentrum entstehen.
Wiederentdeckung
:Die Zeugin, die keiner hörte
Lange kannte die Literaturgeschichte sie nur als Geliebte von Gottfried Benn, jetzt ist Mopsa Sternheims eigener, einziger Roman „Das Jahr der Spinne“ endlich zu lesen: ein Buch von historischem Gewicht.
Bayerische Geschichte
:Wallfahrtskirche Kappl: Ein Fresko von Hitlers Lieblingsmaler
Wehrmachtssoldaten als Sinnbilder der Barmherzigkeit? Die Wallfahrtskirche der Heiligsten Dreifaltigkeit, kurz Kappl, ist ein beliebtes Touristenziel. Der Nazi-Maler Oskar Martin-Amorbach hat sich dort und anderswo mit monumentalen Werken verewigt.
Liberation Concert in der Erzabtei St. Ottilien
:Gedenken an das Orchester der Shoah-Überlebenden
Vor 80 Jahren spielten ehemalige KZ-Häftlinge in St. Ottilien das erste Befreiungskonzert. Seit 2018 erinnert eine Reihe an dieses bewegende Ereignis wenige Wochen nach Ende des Zweiten Weltkriegs.
NS-Raubkunst
:Bayern gibt vier Raubkunst-Werke zurück
Der Freistaat steht für seine Politik bei der Rückgabe von Nazi-Raubkunst massiv in der Kritik. Jetzt ist die neu gegründete Staatliche Museumsagentur tätig geworden und Bayern will offenbar zeigen: Es geht doch.
„Hilfswerk 20. Juli 1944“
:Lobbyisten für NS-Opfer
Gleich nach dem Krieg fand sich das Hilfswerk für die Hinterbliebenen des 20. Juli 1944 zusammen. Rainer Volk erzählt die Geschichte eines hartnäckigen Kampfs.
Erinnerungskultur
:Der Weg ist frei für eine neue KZ-Gedenkstätte in Bayern
Im Wald bei Mühldorf sollten KZ-Häftlinge, Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene während der Nazi-Herrschaft unter widrigsten Umständen eine unterirdische Flugzeugfabrik bauen. Jetzt gehört das Gelände nach langen Verhandlungen endlich dem Freistaat.
Bewegte Firmengeschichte
:Ein Bootsbauer in den Stromschnellen der Zeit
Die Tölzer Pionier-Werft wurde 1925 gegründet und stattete ein halbes Jahrhundert lang Abenteurer, Olympia-Teilnehmer und Bergsteiger aus. In der Nazi-Zeit galt der Betrieb als kriegswichtig und beschäftigte Zwangsarbeiter. Zum Jubiläum gibt es ein dreitägiges Veranstaltungsprogramm.
Biografie über Armin Mohler
:Wegbereiter für die Neue Rechte
Mit seiner Schrift über die „Konservative Revolution“ traf Armin Mohler in der Bonner Republik den Nerv derer, die dachten, ein bisschen Faschismus schadet nicht. Maik Tändlers Biografie zeigt eindrucksvoll, wie heute rechtsintellektuelle Netzwerke auf Mohlers Thesen aufbauen.
Ortsgeschichte
:Neuried arbeitet Nazi-Vergangenheit auf
Gemeindearchivar Reinhard Lampe hat Straßennamen auf eine mögliche NS-Belastung ihrer Patrone untersucht. Aufgrund seiner Ergebnisse ist die Rudolf-Kammerbauer-Straße umbenannt worden. Für viele überraschend dürfte sein, dass der frühere SPD-Bürgermeister Fritz Baumgartner Mitglied der Waffen-SS gewesen ist.
Biografie über Hitlers Fotografen
:Der Propagandist des „Führers“
Ohne Heinrich Hoffmann hätte das Hitler-Bild in der Öffentlichkeit der NS-Zeit wohl anders ausgesehen. Der Historiker Sebastian Peters hat die Biografie eines Mannes geschrieben, der an den Fotos Millionen verdiente und keinerlei Unrechtsbewusstsein besaß.
Kriminalität
:Würzburger „Denkort Deportationen“ beschädigt
Unbekannte haben an der Gedenkstätte vor dem Würzburger Hauptbahnhof einen der dort aufgestellten Koffer entwendet. Das Mahnmal erinnert an das Schicksal der Jüdinnen und Juden, die während der NS-Herrschaft in Unterfranken verschleppt und ermordet wurden.
Erinnerungskultur
:Neun neue Gedenktafeln für Münchner Shoah-Opfer
Erinnert wird unter anderem an Abraham Schindler, einst Lebensmittelhändler in der Buttermelcherstraße. Zur Einweihung kommen einige seiner Nachkommen erstmals nach Deutschland.
Kulturverein übernimmt Anwesen
:Wie in Görings Villa jetzt Konsensdemokratie praktiziert wird
Während der Reichsparteitage residierte im Nürnberger Vorort Schwarzenbruck NS-Grande Hermann Göring. Später diente das Jagdschloss als Waisenhaus und Verschickungsheim, nun ist ein linker Kulturverein eingezogen. Was ist der richtige Umgang mit einem solchen Ort? Ein Besuch.
Blick in ein unbekanntes Archiv im Haus der Kunst
:Wie die Künstler Hitlers Lieblingsmuseum eroberten
Es gibt ein „Archiv der Ausstellungsleitung“ im Haus der Kunst, das bisher kaum Beachtung gefunden hat. Dieser Schatz enthält Quellen aus den Jahren 1948 bis heute. Forscher und Künstler haben sich des Themas jetzt angenommen.
NS-Vergangenheit
:Herrsching sucht Ersatz für umstrittene Straßennamen
Der Beschluss des Gemeinderates, Straßennamen von Personen mit NS-Vergangenheit umbenennen zu wollen, erzeugt viel Aufregung. Doch noch ist es nicht so weit, stellt die Rathausverwaltung klar.
Wegen NS-Verstrickungen
:Ingolstadt erkennt Zeitungsverleger Reissmüller posthum die Ehrenbürgerwürde ab
Der frühere Herausgeber des „Donaukurier“ hatte seine Rolle im NS-Staat bis zu seinem Tod vertuscht. Nun distanziert die Stadt sich von der einstigen Machtfigur, die Kritik rigoros unterdrückte.
Literatur
:Wiederentdeckung einer großen Liebe
Der Jugendroman „Abschied“ von Sebastian Haffner kommt erst jetzt heraus, ein Vierteljahrhundert nach dem Tod dieses wichtigen politischen Schriftstellers. Rückblickend wissen wir: Es geht um letzte Momente des Glücks vor der Katastrophe.
Interview
:„Die Welt wird wilder“
Ein Gespräch mit Sebastian Haffners Sohn Oliver Pretzel über seinen Vater, den großen Chronisten der Naziverbrechen, aus dessen Nachlass nun ein erschütternd klarsichtiger Roman über eine Jahrhundertliebe erscheint: „Abschied“.
NS-Vergangenheit
:Mein Opa, der Nazi
Ahnenforschung ist populärer denn je. 80 Jahre nach Kriegsende suchen jetzt die Enkel und Urenkel nach den braunen Flecken in der eigenen Familiengeschichte. Das verrät auch einiges über die Gegenwart.
80 Jahre Kriegsende
:Zeitgeschichte an Original-Orten
Doris Minet und Monika Schwarzenböck von der Geschichtswerkstatt Dorfen haben einen Stadtführer zur NS-Vergangenheit und Nachkriegszeit geschrieben.
Roman
:In jede Wunde eine Tablette
Wie geht eine Gesellschaft mit denen um, die sich nicht anpassen können? Diese Frage beantwortet Svealena Kutschke in ihrem Psychiatrieroman „Gespensterfische“ mit poetischer Tiefe.
Weltkriegsgedenken
:Steinmeier sieht „doppelten Epochenbruch“
Der Bundespräsident übt bei der Gedenkfeier zum Ende des Zweiten Weltkriegs Kritik an Kremlchef Putin und US-Präsident Trump. Die Lehren aus der NS-Zeit dürften nicht vergessen werden.
NS-Dokumentationszentrum in München
:Tatort und Erinnerungsort: Warum Geschichte nie vergeht
Vor zehn Jahren eingeweiht, öffnet das NS-Dokumentationszentrum in München am 80. Jahrestag des Kriegsendes nach fünfmonatigem Umbau erneut seine Türen. Besucher werden überrascht sein.
Die Deutschen und die NS-Zeit
:Die dunklen Ecken der Erinnerungskultur
Die meisten Deutschen halten sich 80 Jahre nach Kriegsende zugute, sich der Vergangenheit gestellt zu haben. Mitnichten, sagen die Autoren zweier neuer Bücher. Sie handeln von Selbstgefälligkeit, Selbsttäuschung und vom Unwillen zu trauern.
Erinnerungskultur
:„Den roten Faden der Vergangenheit dürfen wir nicht loslassen“
Das Internationale Dachau-Komitee wurde von ehemaligen KZ-Häftlingen gegründet und ist bis heute ihr Sprachrohr – das soll es auch bleiben, wenn der letzte von ihnen nicht mehr da ist. Dominique Boueilh, Präsident des Komitees und Sohn eines Überlebenden, über den Umgang mit der Erinnerung und die Aufgabe, das Vermächtnis der Zeitzeugen zu bewahren.
Erinnerungskultur
:„Die Todesmärsche brachten den Völkermord direkt vor die Haustür gewöhnlicher Deutscher“
Der Historiker Daniel Blatman beschreibt die Todesmärsche von KZ-Häftlingen als letzte Phase des Genozids an den Juden in Deutschland. Neben dem Schicksal Tausender Opfer befasste er sich mit der Frage, wie sich dabei die Bevölkerung verhielt.
Todesmärsche der KZ-Häftlinge
:Bayerns dunkelstes Kapitel
Als das Ende des Dritten Reiches bereits unmittelbar bevorstand, zwang die SS Zehntausende Gefangene auf Todesmärsche. Über ein Verbrechen, an dem sich vielerorts auch die bayerische Bevölkerung beteiligte. Und über Helden, die über sich hinauswuchsen.
Deutsche Geschichte
:Mehrheit hält AfD für unwählbar
Das Wissen um die NS-Verbrechen sensibilisiert laut einer Studie viele Deutsche für die Gefahr durch Rechtsextremismus. Zugleich haben antisemitische und geschichtsrevisionistische Haltungen zugenommen.
Buch über „Das Kanzleramt“ in der frühen BRD
:Diese lästige Demokratie
NS-Vergangenheit verharmlosen, alte Kameraden fördern, Pressefreiheit und Forschung behindern – das war der Dreiklang aus dem Bonner Kanzleramt bis zum Ende der 1960er. Eine umfassende Studie bringt bislang unbekannte Details aus der Schaltzentrale der Macht ans Licht.
Recherche- und Ausstellungsprojekt zu München nach 1945
:Wie die Nachkriegsjahre Spuren hinterlassen haben
Das Recherche- und Ausstellungsprojekt „Ein Haus ohne Mauern bauen“ im Amerikahaus und anderswo beschäftigt sich künstlerisch mit der Nachkriegszeit.
Hitlers Schriften auf Französisch
:„Hass voll glühender Schwärze“
Der Autor ist seit 80 Jahren tot, doch seine Sprache der Gewalt und Propaganda ist geblieben. Der französische Übersetzer Olivier Mannoni entlarvt die Worthülsen aus „Mein Kampf“ und warnt eindringlich vor neuen Gefahren durch Sprachperversion.
Ehemaliges Reichsparteitagsgelände
:Burger essen im Schatten des Reichsadlers
Auf Erinnerungskultur wird in Nürnberg großer Wert gelegt. Doch es gibt Brüche, zum Beispiel in Hitlers altem Trafohäuschen. Da werden heute Doppel-Whopper serviert. Passt das? Eine teilnehmende Beobachtung.
„Zweite Karrieren“ von NS-Eliten nach 1945
:Schweigen, leugnen, weitermachen
Viele NS-Spitzenmänner kamen nach 1945 schnell wieder in leitende Funktionen. Wie lief die Aufarbeitung und was wurde dabei versäumt? Hans-Ulrich Thamer versucht eine Bilanz der „Behördenforschung“.
Geschichtspolitik der AfD
:Anpassen, verdrehen, umdeuten
Putin macht vieles richtig, die NSDAP war links, die DDR hatte ihre Vorzüge, und die Bürgerrechtsbewegung wird auch gleich mit vereinnahmt. Der Historiker Volker Weiß nimmt die Geschichtsnarrative der Rechtsextremen auseinander.
Dichterin im Exil: Mascha Kaléko
:Auf der Jagd nach dem Glück
Gerade weil heute wieder in so bemerkenswert unmenschlichem Ton über Migranten geredet wird: eine kleine Erinnerung an die beste deutsche Exillyrikerin, Mascha Kaléko, zu ihrem 50. Todestag.
Holland und der Nationalsozialismus
:Was haben die Großeltern im Krieg getan?
In einem Onlineregister können die Niederländer nach Personen suchen, die mit den Nazis kollaboriert haben.
Aufarbeitung von NS-Medizinverbrechen in Bayern
:Die Opportunisten vom Amt
Wie gingen Ärzte und Medizinbürokratie nach 1945 mit ihren Verbrechen um? Die Historikerin Sophie Friedl folgt ihnen auf dem steinigen und gewundenen Weg zwischen Anpassung und echter demokratischer Umorientierung.
90 Jahre „Vater und Sohn“-Comics von e.o. plauen
:Widerstand ist nicht zwecklos
Joe Biden begnadigte seinen Sohn Hunter pünktlich zum 90. Geburtstag der „Vater und Sohn“-Comicstrips von e.o. plauen. Zufall oder Arbeitsauftrag des Universums?
NSDAP-Mann Max Brose
:Vom NS-Profiteur, der zum Vorbild erklärt wurde
Erst Vergangenheit erforschen, dann über Straßen-Benennungen entscheiden – das wäre logisch. Beim „Wehrwirtschaftsführer“ Brose hat Coburg die umgekehrte Reihenfolge gewählt. Jetzt zeigt sich, wie fragwürdig das war.
Juden in München
:Der Nazi-Terror von Giesing
Hans Zöberlein war „einer der aktivsten Nazis in ganz München“, sagt Historiker Herbert Dandl. Unter ihm und den NS-Verbrechern litten viele jüdische Menschen in Giesing und Harlaching. Dandl hat 282 Schicksale in einem Gedenkbuch gesammelt.
NS-Geschichte
:Ehemaliger KZ-Steinbruch wird Teil der Gedenkstätte Flossenbürg
Auf diese Weise soll der Ort, an dem sich Tausende zu Tode geschuftet haben, öffentlich zugänglich gemacht werden und einen Beitrag zur Aufklärung über die Verbrechen des NS-Regimes leisten.
Erinnerungsort Neuaubing
:„Jede Minute den Tod vor Augen, das macht einen Menschen kaputt“
Das ehemalige Zwangsarbeiterlager an der Ehrenbürgstraße wird für gut 32 Millionen Euro zu einer Zweigstelle des NS-Dokuzentrums ausgebaut. Das Areal in Neuaubing ist in Deutschland einzigartig.
Streit um Hitler-Gegner Dietrich Bonhoeffer
:Trump-Fans missbrauchen Bonhoeffers Erbe
Namhafte Schauspieler wie Moritz Bleibtreu und August Diehl spielen in einem neuen Film über den Pastor Dietrich Bonhoeffer mit - und radikale US-Christen jubeln. Wie aus Kunst rechte Propaganda wird.
Erdinger Geschichte
:Auf Sklavenarbeit und Ausbeutung aufgebaut
Christian Seidl galt in Erding bislang als honoriger Unternehmer. Historische Recherchen zeigen allerdings, dass er seine Firma als privates Außenlager des KZ Dachau gegründet hat. In den Bartolith-Werken schufteten Häftlinge und Zwangsarbeiter. Trotzdem ist eine Straße nach ihm benannt.
Nachruf auf Jürgen Becker
:Chronist der Augenblicke
Der Dichter Jürgen Becker ist mit 92 Jahren gestorben. Er gehörte einer Generation an, die, als Kinder zum Strammstehen erzogen, den Rest ihrer Zeit Distanz zu ihrer Gegenwart hielt. Die Jüngeren können von ihm lernen.