Carolin Emcke, Jahrgang 1967, ist Autorin und Publizistin. Im Jahr 2016 wurde sie mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.
Carolin Emcke ist freie Publizistin. Ihre Kolumne erscheint einmal monatlich an dieser Stelle.
Neueste Artikel zum Thema
In den USA könnten Abtreibungen wieder verboten werden. Elementare Rechte, die Frauen und auch Minderheiten erstritten haben, gelten nicht als unantastbar. Sie brauchen den Rückhalt aller.
Kolumne von Carolin Emcke
Eindrücke aus Lwiw: Gespräche mit Menschen, die mit ihrem Körper in dieser Stadt sind, mit ihrem Geist aber weiterhin im Keller von Mariupol - und die der Krieg noch ganz anders hätte treffen können.
Was "Zeitenwende" genannt wird, ist eine verspätete, aber bedeutsame Einsicht in Europa: dass nicht nur die Demokratien der anderen verwundbar sind, sondern auch die eigenen. Zum Beispiel von einer intakten Öffentlichkeit hängen sie ab.
Putins Krieg stürzt die Welt in Unsicherheiten und Dilemmata. Nur eins ist gewiss: Menschenrechte und Demokratie sind keine Luxusfragen, sie sind das unverzichtbare Fundament des Friedens.
Terroristische Gewalt wie in Hanau will nicht nur die Einzelnen treffen, sondern die Gesellschaft. Es ist Zeit, dass alle der Opfer gedenken.
Was Robert Habeck zum Klimaschutz plant, fordert das Denken und Handeln von allen heraus. Scheitert er, wäre das Schicksal seiner Karriere das geringste Problem
Es war verantwortungslos und feige, lange Zeit Hetzer nicht als das zu benennen, was sie sind. Eine Demokratie braucht auch diese Fähigkeit: zu spalten.
Trump, Bolsonaro und nun ein Newcomer in Argentinien verführen die Menschen mit immer derselben Methode: Was die Geschichte eines einsamen Wals mit den spektakulären Hypes um bekannte Populisten zu tun hat.
Ein lichtes Paradies hatten die Brexit-Demagogen um Boris Johnson einst versprochen. Und nun? Wandern Firmen ab, steigen die Lebensmittelpreise, wird das Benzin knapp. Wie die Wirklichkeit den Populismus einholt.
Es ist gespenstisch, wie groß unsere Furcht davor ist, uns ernsthaft mit den Problemen unserer Zeit zu beschäftigen. Doch die Ära des Verleugnens geht zu Ende.
Die Bilder der Flutkatastrophe sollten uns vor allem eines vor Augen führen: Wir leben in einem blinden, selbstzerstörerischen Modus, der die eigene Verletzlichkeit leugnet. Warum wir einen Abschied und Neuanfang brauchen.
Auch wenn die Pandemie bald überwunden sein sollte: Die Bereitschaft vieler Menschen zu Ressentiments und Wissenschaftsfeindlichkeit wird bleiben.
Der "NSU 2.0" - nur das Werk eines isolierten Mannes? Diese Vorstellung verharmlost die Struktur rechter Gewalt. Wir alle sind aufgerufen, die Täter tatsächlich zu vereinzeln.
Vor gut einem Jahr richtete Angela Merkel einen eindringlichen Appell an das Volk. Nun ist es Zeit, dass Bürgerinnen und Bürger an die Politik appellieren: Schützen Sie das Leben in Zeiten der Pandemie, handeln Sie angemessen und transparent.
Von Carolin Emcke
Weil Bilder aus den Lagern fehlen, reagiert die Welt empathielos auf die brutale Unterdrückung der Uiguren durch den chinesischen Staat. Das ist unverzeihlich.
Die Pandemie bestraft ängstliche Tatenarmut ebenso wie hoffnungsvolles Leugnen - und lehrt: Zeit ist eine existenzielle Währung. Das hilft auch im Umgang mit einer anderen Krise.
Das reflexhafte Beschönigen faschistischer Demagogie und autoritärer Bewegungen ist nicht nur in den USA mitverantwortlich für Exzesse und Gewalt. Die Gefahr lauert in der Mitte der Gesellschaft.
Das vergangene Jahr bedeutete Kontrollverlust, Unfreiheit und Einschränkung. Doch es hat uns auch eine wichtige Lektion erteilt. Gedanken über das kostbare Band, das uns zusammenhält.
Ob freiwillig oder nicht, irgendwann wird Trump das Weiße Haus verlassen haben. Aber seine Zerstörungskräfte haben Politik, Medien und die Wahrnehmung vieler Menschen langfristig verändert.
Wir planen Termine - und verwerfen sie wieder. Es gibt keine Beruhigung, keine Stabilität, keine Gewissheit mehr im Wendekreis des Virus. Das ist auch eine gute Nachricht.
Wieder kommen Polizisten in den USA mit der Tötung einer schwarzen Frau davon. Unsere Kolumnistin fragt sich immer öfter: Wie ist es in dem systemischen Ausmaß der strukturellen, rassistischen Gewalt noch möglich, jedes Opfer einzeln zu würdigen?
Europa ist zurecht entstetzt über das Leid Alexej Nawalnys. Doch die politischen Verbrechen an russischen Oppositionellen sind auch deswegen möglich, weil nie viel mehr als Empörung passiert.
Ab wann wird die öffentliche Aufklärung über einen Rechtsextremisten unfreiwillig zur Propaganda? Diese Frage wird zu selten gestellt. Doch im Prozess von Halle kommt nicht einfach der Täter zu Wort. Die Angehörigen der Opfer und die Überlebenden können hier endlich Gegenrede leisten.
Rechtsextremismus, auch in der Bundeswehr, als "neues" Phänomen zu bezeichnen, das keine Geschichte und keine Strukturen kennt, geht an der Wirklichkeit vorbei. Was muss noch geschehen, damit das Problem ernst genommen wird?
Von der fehlenden Körperlichkeit, dem Esel, der einen Fluss überquerte - und dem Glück, auf das sich hoffen lässt.
Tagebuch von Carolin Emcke
Vom Ende des sprachlichen Mitgefühls, vom Anfang einer großartigen Idee für Europa - und von einer erstaunlich bösen Querflöte.
Von realen und missbrauchten Ängsten, von geistigen Flipperkugeln - und dem Juckreiz, dem man nicht nachgeben darf.
Von Hack statt Leber, von lobbygetriebener Lockerungswillkür - und vom Trost spendenden Fischreiher.
Über den Neustart der Bundesliga kann sich auch ein Fußballjunkie nicht freuen. Denn die Entscheidung zeigt: Alles, was diesen Sport krank macht, hat sich einmal mehr durchgesetzt.
Vom Koffer, der nicht verreiste, von ungezählten Stichverletzungen und von der Gefahr der zunehmenden Kurzsichtigkeit.
Von rechtsradikalen Hypochondern, der voreiligen Zuversicht und dem richtigen Brotschneiden.
Von der historischen Zäsur, dem beschämenden Wettbewerb der Zahlen - und Trump als Kapitän der Titanic.
Von der Fragwürdigkeit des Wir, vom zynischen Countdown für Sündenböcke - und einer abgelaufenen Flasche Bier, die auf jemand Geliebten wartet.
Ein Tagebuch von Carolin Emcke
Wer sich den Ereignissen nicht ausliefern möchte, braucht jetzt mehr denn je Freundschaften, Erinnerungen, die Kunst und viel Fantasie.
Vom Zorn über Europa, von der Liedauswahl beim Händewaschen - und der Frage nach dem "Danach": politisch-persönliche Notizen zur Corona-Krise.
Vom Spazierengehen in Kreuzberg, von nahen und fernen Körpern - und Wörtern, deren Bedeutungen sich verschieben: politisch-persönliche Notizen zur Corona-Krise.
Die AfD redet viel über Sorgen und Ängste der Bevölkerung. Dahinter steckt nicht mehr als ein manipulatives Verhältnis zur Demokratie. Von den sozialen Fragen unserer Zeit versteht die Partei nichts.
Wer verstehen will, was die außenpolitischen Verwerfungen zwischen USA und Iran heute bedeuten, sollte einen Blick zurück auf die Regierungszeit Obamas werfen. Ein Dokumentarfilm zeigt, wie groß die außenpolitischen Ambitionen - bei allem Scheitern - damals waren, und wie gering sie heute sind.
Das Sortieren der Bücherregale ist eine Aufgabe, in der sich das Leben spiegelt - und in der sich die eigene Person erkennen lässt.
Wie Prinz Andrew sich zu den Vorwürfen geäußert hat, zeigt nicht nur mangelndes Unrechtsbewusstsein. Es offenbart eine gewohnheitsmäßige Verantwortungslosigkeit.
Die Formel "Politisch korrekt" ist das Morsezeichen der Denkfaulen. Es bespöttelt die Werte der Gleichheit und der Würde, die den Kern der Demokratie ausmachen.
Der Liberalismus verstand sich einst als rational und innovationsfreudig. Ausgerechnet er zeigt sich gegenüber Fridays for Future nun als starr und lernblockiert.
Ein Rededuell mit der Historikerin Mary Beard aus dem Jahr 2015 wirft ein Licht auf den britischen Premier: Dieser Mann hat keinen Anspruch auf Wahrhaftigkeit, die Ideale der Demokratie sind ihm egal.
Der Tod der Bloggerin Marie Sophie Hingst geht alle Medienschaffenden an - und fordert alle heraus.
Politische TV-Debatten inszenieren oft lieber Konflikte, als sich für die Wirklichkeit zu interessieren. So tragen sie zur Polarisierung der Gesellschaft bei.
Das Drama um Andrea Nahles offenbart das ganze Drama der großen Koalition: Sie hinkt der Realität permanent hinterher.
Zum Kern politischen Handelns gehöre es, auf Veränderungen einzugehen und eigene Konzepte zu hinterfragen, schreibt Carolin Emcke. CDU und SPD wirkten manchmal, als würden sie der Realität hinterherhinken.
Wer Minderheiten vorwirft, sie würden mit "Identitätspolitik" universale Prinzipien hintertreiben, der sei eingeladen zu einem Gedankenexperiment. Es zeigt, wie brutal unsere Gesellschaft bestimmte Menschen ausschließt.
Bei den "Fridays for Future" brechen sie eine Regel, weil die Politik ihr Versprechen bricht. Die Klimastreiks stehen damit in der Tradition der großen Bürgerrechtsbewegungen.
Das britische Chaos zeigt: Volksentscheide sollen demokratische Willensbildung organisieren - und sie nicht verunmöglichen.