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Wohnen:Zimmerpflanzen für faule Menschen und dunkle Ecken

Internationale Pflanzenmesse IPM

Zimmerpflanzen werten jede Wohnung auf und können sehr pflegeleicht sein - sofern die Richtigen gewählt werden.

(Foto: dpa)

Wer im Grünen leben will, muss nicht zwangsläufig aufs Land ziehen. Manchmal reichen ein paar Pflanzen in der Wohnung. Zu beachten gibt es mit der richtigen Auswahl erfrischend wenig.

Der Wunsch nach mehr Grün und Bio, die Instagramisierung der eigenen vier Wände oder die viel beschriebene Sehnsucht nach einem hyggeligen Rückzugsort im wohlverdienten Feierabend: Es gibt viele Gründe, warum Zimmerpflanzen gerade ihr grünes Revival erleben. Mitmachen kann jeder, so eine Pflanze ist schließlich schnell gekauft. Doch es ist weder ökologisch wertvoll noch gemütlich noch besonders social-media-tauglich, wenn sie binnen kurzer Zeit erste braune Stellen aufweist und die Blätter hängen lässt.

Eine oft unterschätzte, und doch essentielle Erkenntnis lautet deshalb: Pflanzen sind beinahe so individuell wie ihre Halter. Hier ein Überblick über beliebte Arten, von denen sich viele beinahe von selbst pflegen:

Die (beinahe) Unkaputtbaren

Was haben sie drauf?

Seien wir ehrlich: Nicht immer können wir unseren Pflanzen so viel Zeit widmen, wie sie bräuchten. Für alle, die mit langfristigem Commitment nicht viel anfangen können, hat die Natur etwas vorbereitet: Sukkulenten. Sie verzeihen viel, brauchen wenig - und bringen doch etwas Grün in die Wohnung. Sukkulenten sind an eine Umgebung mit wenig Wasser angepasst. Und das bisschen Wasser, das sie doch brauchen, können sie lange im Stamm oder in den Blättern speichern. Sie müssen nicht häufig gegossen werden, bestehen aber auf viel direktes Sonnenlicht: Ein heller Fensterplatz ist ideal.

Für wen geeignet?

Pflanzen, die derart wüstenartiges Klima überstehen, kommen sehr gut mit Menschen zurecht, die nur wenig zuhause sind oder eben selten ans Gießen denken. Weil Sukkulenten so pflegeleicht sind, eignen sie sich insbesondere für Anfänger - oder für Frustrierte, die mit anderen Pflanzen keinen Erfolg hatten. Wer noch zweifelt, sollte sich mal im nächsten Café oder in der Hipster-Boutique um die Ecke umschauen - derlei Lokalitäten erleben aktuell eine Sukkulenten-Schwemme. Wenn die Pflanzen da überleben, dann zuhause doch allemal.

Beispiele

Die bekanntesten Sukkulenten sind Kakteen, Agaven und Aloen, also auch der Alleskönner Aloe Vera. Das Multitalent sieht gut aus, und es hat zusätzliche Fähigkeiten: etwa als ungewöhnliches Extra im Gin und als Ersthelfer bei Sonnenbrand. Ebenso unkompliziert sind Efeutut, Yucca-Palme, Drachenbaum oder die Bananenpflanze.

Heimische Tropeninseln

Was haben sie drauf?

Im Badezimmer herrscht oft ein feuchteres und wärmeres Klima als in der restlichen Wohnung: Ideal für Tropenpflanzen, die normalerweise im Regenwald zu finden sind. Besonders eignen sich die Pflanzen für Räume, die nicht gut durchlüftet sind. Sie reinigen die Luft und nehmen überschüssige Feuchtigkeit auf. Trockene Heizungsluft ist für sie hingegen fatal.

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Das Badezimmer sieht mit Pflanzen direkt viel gemütlicher aus.

(Foto: Lisa Cohen)

Für wen sind sie geeignet?

Tropenpflanzen passen am besten zu Menschen, für die ein Badezimmer mehr ist als der Ort, an dem sie Zähneputzen, Duschen oder zur Toilette gehen. Wer irgendwo auf dem Fenstersims noch ein verschämtes Schälchen Sand mit Muscheln des vergangenen Strandurlaubs stehen hat, kann es jetzt wegräumen und stattdessen ein paar Pflanzen anschaffen. Endlich Duschen wie im Dschungel - nur mit modernem Komfort.

Beispiele

Lianen, Orchideen und so manche Palme begnügen sich mit lichtschwachen Plätzen in feuchteren Räumen. Der Schwertfarn und andere seiner Gattung sind glücklich, wenn ihr Halter duscht und brauchen auch sonst nur gelegentlich etwas Wasser. Das Fensterblatt, mittlerweile als Monstera bekannter, wartet mit besonders großen Blättern auf und die Schusterpalme kommt mühelos auch in einer dunklen Ecke zurecht, wenn sie regelmäßig gegossen wird. Bromelien wie die Ananas bringen Farbe in einheitsweißeBadezimmer.

Ideal für Nachteulen

Was haben sie drauf?

Glücklicherweise brauchen nicht alle Pflanzen das Fenster zur Südseite, um zu gedeihen. Schattengewächse benötigen sehr wenig Sonnenlicht und retten fensterlose oder nordseitig gewandte Räume sowie Flure vor allzu viel Tristesse. Hier gilt: Je größer und dünner die Blätter der Pflanze, desto wahrscheinlicher fühlt sie sich an einem dunkleren Stellplatz wohl.

Für wen sind sie geeignet?

Schattengewächse erfordern das geringste Engagement und brauchen - der Name verrät es bereits - kaum Sonnenlicht. Es muss zwar nicht gleich Harry Potters Besenkammer sein, aber auch WG-Zimmer sind häufig klein und dunkel, ganz zu schweigen vom reizlosen Grau vieler Büroparzellen. Und natürlich eignen sich die Schattenliebhaber für alle Nachtschwärmer, die den Tag am liebsten mit zugezogenen Vorhängen verbringen.

Beispiele

Üppige Blüten sind im Schatten unwahrscheinlich, dafür gedeihen die Zamie, der Bogenhanf oder die Schwiegermutterzunge, die man aus dem heimischen Wohnzimmer kennt, umso besser. Auch die Grünlilie gehört zu den Schattenliebhabern. Sie ist außerdem unbedenklich für Katzen, die gerne mit ihren Blättern spielen - #catsofinstagram eben.

Blüten für Anfänger

Was haben sie drauf?

Nicht immer soll es einfach nur grün sein - auch andere Farben sind mit wenig Aufwand durchaus möglich. Je heller der Platz, desto wahrscheinlicher ist, dass die Zimmerpflanzen erblühen. Sofern sie Blüher sind, versteht sich.

Für wen sind sie geeignet?

Besonders geeignet sind diese Pflanzen für jeden, der mit ausgesprochen wenig Aufwand farbenfrohe Blüten und Blätter in die Wohnung bringen möchte. Wer eher schlichte Knospen und Eleganz möchte, wird mit Lilien glücklich. Wer dennoch Sorge hat, der Pflanze nicht Genüge zu tun, darf sich freuen: Auch viele Kakteen-Arten bilden farbenfrohe Blüten. Ganz ohne weiteres Zutun.

Beispiele

Der Weihnachtskaktus braucht so wenig Licht, dass er sich im Winter wohlfühlt und pünktlich zum Fest farbenfroh blüht. Ebenso bunt und darum bei Instagramern beliebt sind Amaryllen wie die Klivie. Jasmin und Lilien sind nicht nur hübsch, sie verbreiten zusätzlich einen intensiven Duft. Doch Vorsicht: In kleinen und geschlossenen Räumen kann der Geruch schon mal zu viel werden.

Überstehen auch die Übermotivierten

Was haben sie drauf?

In Sachen Wasser-Bedürfnis bilden sie die Ausnahme zur Regel: Sumpfpflanzen. Während die meisten anderen Zimmerpflanzen keine Staunässe vertragen, ist zu viel Wasser für Sumpfpflanzen geradezu belebend.

Für wen sind sie geeignet?

Neben der Kategorie der Gar-nicht-Gießer gibt es auch die hochmotivierten Über-Gießer. Aus Sorge, die Zimmerpflanze vernachlässigt zu haben, gehen sie auf Nummer sicher - und gießen lieber noch mal nach. Das Problem: Die wenigsten Pflanzen vertragen Staunässe. Die Wurzeln sind von zu viel Wasser umgeben, nehmen keinen Sauerstoff und keine Nährstoffe mehr auf und die Pflanze ertrinkt buchstäblich.

Sumpfwasserpflanzen mögen genau dieses feuchte Klima. Um die Pflanze vor Fäulnis zu schützen, sollte sie in einem ausreichend großen Topf angesiedelt werden.

Beispiele

Hier bieten sich alle Pflanzen an, die ursprünglich im Sumpf, Moor oder natürlich im Wasser beheimatet gewesen sind, und auf die Indoorkultivierung spezialisiert wurden. Das Zyperngras erinnert an ein grünes Feuerwerk und mag es, häufig gegossen zu werden. Die Liebeslocke ist vermutlich das außergewöhnlichste Highlight: Sie gehört zu den Binsengewächsen und zieht die Aufmerksamkeit auf ihre außergewöhnlichen Triebe, die an Korkenzieher erinnern.

© SZ.de/feko/dd

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