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Neun Fakten über das Supergemüse:Was Grünkohl mit Pinkel zu tun hat

In Norddeutschland isst man "Kohl mit Pinkel" und spielt dazu Teebeutel-Weitwurf, in New York ist das Gemüse ein Szenesnack. Auch Michelle Obama liebt Grünkohl. Einigen deutschen Politikern scheint er allerdings weniger gut zu bekommen.

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Pinkel - eine Wurst mit Kultcharakter

Quelle: Naturdarm/gms/picture-alliance

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1. Was Grünkohl mit Pinkel zu tun hat

Nicht nur Glühwein, auch Grünkohl hat derzeit Hochsaison. Das Gemüse ist allerdings ganz klar eine nordwestdeutsche Angelegenheit. Vor allem in der Gegend um Bremen und Oldenburg isst man im Winter gerne "Kohl und Pinkel", wobei die Pinkelwurst nichts mit "pinkeln" im Sinne von urinieren zu tun hat. "Pinkel" bedeutet ursprünglich wohl "zusammengedrängte Masse" oder "kurzer, dicker Gegenstand" und wenn man die Pinkelwurst so ansieht, kommt das ziemlich gut hin. Es ist eine geräucherte Grützwurst, die vor allem aus Speck, Schinken, Schweineschmalz und Hafergrütze besteht.

Grünkohlernte startet in Niedersachsen

Quelle: dpa

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2. Was ein Sternekoch aus Grünkohl macht

Trotzdem ist Grünkohl in Deutschland nicht gerade ein Trend-Gemüse. Bundesweit wird er nur auf 1000 Hektar angebaut, vor allem in NRW und Niedersachsen. Zum Vergleich: Möhren kommen auf die zehnfache Anbaufläche. Auch in edlen Restaurants steht Grünkohl eher selten auf der Speisekarte - vor allem im Süden. Berühmte Ausnahme: Das Essigbrätlein in Nürnberg von Sterne-Koch Andree Köthe. Er entsaftet die Blätter zum Beispiel für eine Creme oder brät sie knusprig an.

Bild: Grünkohlernte in Niedersachsen

green smoothie

Quelle: SZ

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3. Wieso Grünkohl in den USA ein Szenesnack ist

Dass im "kale" - so der englische Name für Grünkohl - mehr kulinarische Möglichkeiten stecken, haben die Amerikaner schon länger erkannt. In New York beispielsweise ist der ursprünglich bodenständige Grünkohl aus kaum einem Szene-Restaurant mehr wegzudenken. Grünkohl gibt es hier als Salat, mit Pasta oder auf Brot. Und Promis trinken gerne Green-Smoothies aus Grünkohl - weil sie glauben, das hilft bei der Entgiftung.

Michelle Obama

Quelle: AP

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4. Wieso Michelle Obama auf Grünkohlchips schwört

Vielleicht ist Grünkohl in den USA deshalb so beliebt, weil er eine prominente Fürsprecherin hat: Michelle Obama. Die First Lady hat sich dem Kampf gegen die Fettleibigkeit amerikanischer Kinder verschrieben. Besonders gerne lässt sie sich deshalb in Gemüsegärten fotografieren, unlängst nahm sie sogar ein Video auf, in dem sie mit einer Rübe tanzte. Privat mag sie allerdings lieber Grünkohl. Natürlich - typisch amerikanisch - verarbeitet als Chips. Das sei ihre gesunde Knabber-Alternative, sagte sie in der "Tonight"-Show.

Schavan kocht mit Kindern Grünkohl

Quelle: dpa

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5. Wie Grünkohl Karrieren gefährdet

In Deutschland scheint der Grünkohl einigen Politikern weniger gut zu bekommen. Was haben Ex-Bundespräsident Christian Wulff, Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, Ex-Verteidigungsminister Rudolf Scharping und Ex-Bildungsministerin Annette Schavan gemeinsam? Sie waren alle mal Oldenburger Grünkohlkönig/in. Die Berliner Morgenpost titelte deshalb: "Der Grünkohl jagt die Politiker aus ihren Ämtern". Geschwächt wird die These allerdings dadurch, dass so ziemlich jeder deutsche Politiker schon einmal Grünkohlkönig/in war: Darunter auch die letzten vier amtierenden Bundeskanzler Merkel, Schröder, Schmidt und - natürlich - Kohl.

Grünkohlforschung

Quelle: dpa

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6. Warum Grünkohl so gesund ist

Oldenburger Biologen haben andere Sorgen: Sie sind auf der Suche nach dem Supergrünkohl. 40 Sorten wachsen im dortigen Botanischen Garten. Bis zu drei Meter hoch kann die Grünkohlpflanze werden. Doch auf Masse kommt es den Wissenschaftlern nicht an. Sie interessieren sich allein für die Inhaltsstoffe: Grünkohl enthält besonders viel Vitamin C und dazu etliche Substanzen, die angeblich Krebs hemmen sollen oder den Cholesterinspiegel senken können.

Grünkohlforschung

Quelle: dpa

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7. Was ein Supergrünkohl kann

Das Problem des gesunden Powercocktails: Mancher Grünkohl schmeckt ganz schön bitter. Italienischer Grünkohl, so die Oldenburger Wissenschaftler, habe die wenigsten Bitterstoffe. Leider sei er aber auch weniger gesundheitsfördernd. Die Uni will deshalb einen Grünkohl züchten, der mildes Aroma mit viel Nährstoffen verbindet. Einen Supergrünkohl eben.

Grünkohlpraline

Quelle: dpa

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8. Wie Grünkohl als Praline schmeckt

Süßen Grünkohl hat der Oldenburger Konditor Christian Klinge kreiert: eine Schokoladenpraline, gefüllt mit dem Wintergemüse. Einziges Problem: Der Grünkohl bekam eine unappetitlich graue Farbe. Jetzt sorgt Spinatpulver im Innern der Praline für sattes Grün. Dazu kommt ein Schuss Korn. Denn den braucht man in Norddeutschland beim Grünkohl-Essen oft zum Runterspülen.

GORILLA FUTTERT GRÜNKOHL

Quelle: DPA/DPAWEB

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9. Wieso der Grünkohlkater so fies ist

Angeblich soll der Korn auch helfen, den extrem schweren und meist noch mit Zwiebeln und Hafergrütze versetzten Grünkohl besser zu verdauen. Oft bleibt es aber nicht bei einem Verdauungsschnaps. Schließlich ist Grünkohlessen ein Gesellschaftsereignis, das einige Stunden dauern kann. In Bremen und Oldenburg lädt man gerne zur Kohlfahrt mit Spielen wie Kartoffel-Hockey oder Teebeutel-Weitwurf, in Ostfriesland wirft man Kugeln über die Straße, läuft ihnen hinterher und nennt das "Boßeln". Trotz Gemüse und Sport: Der Grünkohlkater am nächsten Morgen fühlt sich meist nicht besonders gesund an.

© Süddeutsche.de/dpa/afis/olkl/jana/rus

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