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Weibliche Role-Models:Verhüllen statt betonen

A model presents a creation from the Haute Couture Fall/Winter 2016/2017 collection by Vetements fashion house in Paris

Die neue Kollektion von Vetements lässt mögliche Sexyness zumindest nicht unmittelbar ins Auge springen.

(Foto: REUTERS)

Lady Gaga hüllt sich in ein Steak-Outfit, Models ziehen in kastenförmigen Jacketts über den Laufsteg. Wollen Frauen nicht mehr schick sein?

Mit Frauen eine Shoppingtour zu machen, gehört zum Horrorszenario von Männern, die Mario Barth lustig finden. Doch wer einen Hauch mehr nachdenkt, hat irgendwann in seinem Leben begriffen, dass Kleidung in erster Linie Kommunikation ist. Und dass sich der Charakter und die emotionale Verfassung eines Menschen daran zeigt, wie er sich kleidet. Das gilt natürlich auch für Männer.

Ein Mann, der zu einem Termin geht, fühlt sich in einem gut sitzenden Anzug wie in einer Rüstung. Gewappnet für die Schlacht am Konferenztisch. Wer in Trekking-Latschen zur Arbeit erscheint, begeht im Grunde optische Körperverletzung und demonstriert seinem Umfeld einen massiven Charakterfehler: Empathie-Mangel.

Das Außen sagt immer etwas über das Innen.

Natürlich sind Frauen ganz grundsätzlich viel besser im Senden und Empfangen dieser Signale, da sie mit Kommunikation generell etwas vertrauter sind. Eine Frau, die sich in hohe Schuhe stellt, verändert damit nicht nur ihr Aussehen sondern die ganze Körperhaltung - von ihrer Größe ganz zu schweigen. Sie kann ihre Umwelt aus erhöhter Position betrachten.

Frauen senden diese Signale mehr oder minder bewusst, deswegen lohnt es sich, sie zu deuten. Eine sehr exakte Disziplin ist die Stil-Deutung natürlich nicht. Aber es lohnt sich zu überlegen, warum Frauenfiguren sich im Kino im vergangenen Jahr geprügelt haben, bis die Nase bricht. In Action-Blockbustern wie "Mad Max -Fury Road" oder der neuen "Star Wars"-Reihe - in einer Garderobe, die noch weiblich aussieht, aber nicht beim Kämpfen stört.

Vermarktbare Realitäten, eher verhüllend als betonend

In der Popmusik sind die Role-Models, sieht man von Miley Cyrus ab, schon länger keine Pornopuppen mehr, wie noch zu Zeiten von Christina Aguilera oder Britney Spears, sondern kommen wie Lady Gaga mit einem Outfit aus Steaks zu den MTV Awards oder verstecken ihr Gesicht bis zu den signalrot geschminkten Lippen hinter einer Perücke, wie Sia es tut.

Und in der Mode? Da gerinnen die Zeichen zu sehr konkreten, vermarktbaren und verkaufbaren Realitäten: So hat das Designkollektiv Vetements vor wenigen Wochen in Paris eine Schau gezeigt, von der die Modewelt nahezu im Chor kreischend angetan war. Riesige, kastenförmige Jacketts, überdimensionierte Kapuzenpullis. Alles eher verhüllend als betonend.

Wenn man also davon ausgeht, dass Frauen, wenn sie sich Kleidung aussuchen, nicht einfach schick sein wollen, sondern ihr Äußeres Ausdruck ihrer Stimmung, manchmal auch ihrer Persönlichkeit sein soll, was bedeutet das dann? Wollen sie den Männern nicht mehr gefallen? Verändert sich die Sexualmoral oder ist das alles doch nur vorübergehend - eben nichts weiter als eine Mode?

© SZ.de/gal

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