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Wahlkampf:Die packen an!

Sebastian Gemkow, OB-Kandidat in Leipzig: Wie ernst er es meint, unterstreicht der Kandidat der CDU mit hochgekrempelten Ärmeln.

Sebastian Gemkow, OB-Kandidat in Leipzig: Wie ernst er es meint, unterstreicht der Kandidat der CDU mit hochgekrempelten Ärmeln.

(Foto: Cornelius Pollmer)

Politiker auf Wahlplakaten mit hochgekrempelten Ärmeln: ein gängiges Motiv. Was genau wollen sie damit aussagen? Dass sie tatkräftig sind? Beispiele aus aktuellen und vergangenen Wahlkämpfen.

Der Ort, an dem sich Politiker intellektuell gerne auch mal gehen lassen, ist traditionell das Wahlplakat. Die Geschichte ist reich an Belegen und vordere Plätze nehmen noch immer Wolfgang Böhmer und der leider gestorbene Jürgen W. Möllemann ein. Der Christdemokrat und Gynäkologe Böhmer zeigte sich einst im weißen Kittel mit einem Säugling. In sehr großen Buchstaben stand über dessen Kopf tatsächlich geschrieben "Wir werden das Kind schon schaukeln". Möllemann wiederum ließ eines seiner Plakate bebildern wie den Anfang eines schlechten Witzes. Trafen sich also ein Sektenführer, Adolf Hitler und ein Horrorclown auf einer Werbung der FDP und mit ihnen die Zeile "Wenn wir nicht schnell für mehr Lehrer sorgen, suchen sich unsere Kinder selber welche".

Die Mode macht vor nichts halt, und so hat sich in den vergangenen Jahren auch die Motivlage in Wahlkämpfen verändert. Mit Kindern aber wird noch immer gern geworben. In aller Regel lachen sie und schauen wie der oder die Kandidierende mit leicht ansteigendem Blick in irgendeine Ferne, von der man als Betrachter sofort weiß, jawohl, da muss die Zukunft sein und sie wird gut für uns alle.

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Ähnlich beliebt ist eine Geste, die der Kandidat Sebastian Gemkow gerade auf Plakaten in Leipzig vorführt. Gemkow möchte Oberbürgermeister dieser Stadt werden, er ist der Herausforderer und als solcher muss er die Wahlberechtigten unter den Menschen mit zwei Botschaften erreichen. Eins: Es gibt total viel zu tun in dieser Stadt. Zwei: Ich bin derjenige, der anpacken will, anpacken kann, anpacken wird. Weil Wahlplakate gottlob noch nicht sprechen können, muss Gemkow diese Botschaften in Bildsprache überbringen, er hat dafür eine weltweit verständliche Geste gewählt, eine einzige Eindeutigkeit aus dem Esperanto der Gestikulation.

Gemkow krempelt also einen Ärmel um und zeigt sich als Mann der bevorstehenden Tat. So offenbar die Logik hinter diesem Versuch ist, so lohnend ist seine Einordnung, ebenso wie auch die Suche nach einer zweiten Bedeutungsebene des Krempelns nicht erfolglos bleiben wird.

Einordnend ist festzustellen, dass in Sachsen das Krempeln auch außerhalb Leipzigs beliebt zu sein scheint. So wurden Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert und Ministerpräsident Michael Kretschmer ebenfalls schon krempelnd auf Plakaten gesichtet, und geschadet hat es ihren Wahlkämpfen jedenfalls nicht. Zu dieser Bildsprache wählten beide sinnige Sprachbilder, Kretschmer versprach, das "Handwerk stärken", Hilbert motivierte die Menschen, sich den Bürgermeister als "Wirtschaftsmotor" zu imaginieren. Ja, ja, ja, jetzt wurde wieder in die Hände gespuckt, zu steigern das Bruttosozialprodukt.

Robert Habeck sendet mit seinem Kleidungsstil noch eine Botschaft: Wie locker er sich machen kann

Von diesem Krempeln mindestens in Nuancen zu unterscheiden ist jenes des Grünen-Co-Parteivorsitzenden Robert Habeck. Zwar will auch dieser mit Tatkraft assoziiert werden ("Kommt, wir bauen das neue Europa!"), jedoch sendet das Krempeln von Habeck wie überhaupt sein ganzer Kleidungsstil noch eine andere Botschaft. Wo andere Politiker nur mit polierten Krawattennadeln das Haus verlassen, ruft Robert Habeck mit seinen manchmal knittrigen und oft gekrempelten Hemden uns allen stumm zu, seht her, ich kann mich auch mal locker machen.

Wollte Habeck diese Botschaft noch ärger strapazieren, er könnte demnächst probeweise einen Kniff der ziemlich grünstichigen Band "Radweg" aus Göttingen kopieren. Von dieser war vor Jahren zu lesen, sie wolle auf große Radtour gehen und nur Lieder übers Fahrradfahren singen. Auch optisch waren "Radweg" offenbar gut zu erkennen: alle Mitglieder der Gruppe trugen auf der Bühne ihr rechtes Hosenbein hochgekrempelt.

© SZ vom 13.01.2020
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