bedeckt München
vgwortpixel

Rindfleisch aus Japan:Wagyu Beef, die zarteste Versuchung

Wagyu Beef ist fein marmoriert und besonders intensiv im Geschmack.

(Foto: Martin Bureau/AFP)
  • Der Schmuggel von "Wagyu"Zuchtbullen-Sperma aus Japan ins Ausland floriert. Japan fürchtet um seine Marktanteile.
  • Wagyu-Beef ist marmoriert und fetter als deutsches Rindfleisch. Sanft gebraten zerfließt es förmlich auf der Zunge.

Die Polizei in Osaka hat kürzlich zwei Männer verhaftet, die ebenso ungewöhnliche wie wertvolle Fracht nach China schmuggeln wollten: Sperma von Wagyu-Bullen. Einer der beiden war zuvor bei der Einreise in Shanghai vom chinesischen Zoll gestoppt worden. Er hatte zusätzlich zum Rinder-Sperma 365 Kunststoffröhrchen mit gefrorenen Wagyu-Embryonen im Gepäck. Da er kein veterinäramtliches Zertifikat vorweisen konnte, schickten ihn die Chinesen zurück. In Japan wurde er verhaftet. Der Vorwurf: Er habe gegen das Quarantäne-Gesetz verstoßen.

Als Wagyu, das Wort bedeutet "japanisches Rind", gelten vier verschiedene Rassen. Sie dürften unabhängig von der westlichen Kuh in der Vorgeschichte in Asien domestiziert worden sein. Die Japaner nutzten ihre Rinder allerdings Tausende Jahre lang nur als Zugtiere. Sie tranken keine Milch und durften kein Fleisch essen. Letzteres war bis 1872 verboten, offiziell aus religiösen, tatsächlich aber auch aus wirtschaftlichen Gründen. Japan verfügte über zu wenig Land für Weiden. Im 20. Jahrhundert wurden dann zur Verbesserung der Fleischleistung europäische Rassen eingezüchtet.

Wagyu-Beef ist marmoriert und fetter als unser Rindfleisch. Das Fett macht den Unterschied. Mit Kraftfutter machte man die Rinder in den letzten Jahren noch fetter. Und damit zarter, mit intensiverem Geschmack. Sanft gebraten zerfließt Wagyu auf der Zunge. Es gilt deshalb als Rolls-Royce des Rindfleischs. Das stimmt auch für den Preis: In manchen Ländern kann Matsuzaka- oder Kobe-Beef bis 400 Euro pro Kilo kosten. Die Kobe-Rinder sollen sogar massiert werden. In Japan isst der karnivore Laie aber auch Wagyu für 50 Euro pro Kilo. Und merkt kaum einen Unterschied.

Züchter können Sperma der Bullen frei verkaufen

Viele Länder regeln ihre Rinderzucht streng. Die Veterinärbehörden führen ein Zuchtbuch und schreiben vor, wie viele Kühe mit dem Sperma welches Bullen besamt werden dürfen. In Japan dagegen kann ein Züchter das Sperma seiner Bullen bisher frei verkaufen. Er erhalte regelmäßig Anfragen aus China, zitieren japanische Medien einen Wagyu-Züchter.

1976 verschenkte Kaiser Hirohito vier Wagyu-Bullen nach Hawaii, dann wurden Wagyu-Rinder in die USA und nach Australien verkauft. Beide Länder produzieren heute Wagyu - und das billiger als Japan. Die Regierung erkannte das Exportpotenzial von Wagyu erst vor einigen Jahren. Sie begann, die Zucht zu regeln, verbot den Export genetischen Materials von Wagyu-Rindern und erklärte diese zum "lebenden nationalen Kulturgut". Und exportiert nun mehr und mehr. 2012 für fünf Milliarden Yen, dieses Jahr sollen es 25 Milliarden werden, knapp 200 Millionen Euro. Zugleich geht allerdings die Zahl der Rinderbauern zurück. Japan importiert weit mehr Rindfleisch, als es Wagyu produziert.

Japans wichtigster Wagyu-Markt ist Taiwan. China, wo die Nachfrage groß wäre, blieb für japanisches Fleisch bisher geschlossen. Also versuchen Chinas Farmer, eigene Wagyu-Rinder zu züchten. Zumal sie das Fleisch günstiger produzieren würden. Zuletzt sind mehrere Schmuggler erwischt worden, aber trotz Verbot fehlt Japan bisher eine gesetzliche Handhabe, den Sperma-Export wirksam zu bestrafen.

Wohnen und Design Die Schönheit der Risse

Japanisches Handwerk

Die Schönheit der Risse

Mit Kintsugi lässt sich der Lieblingsteller aus Porzellan wieder kitten. Die uralte Reparaturkunst wird gerade neu entdeckt, denn sie passt ganz wunderbar in unsere Zeit.   Von Julia Rothhaas