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Socken aus dem Sauerland:Victoria Beckham gehört zu den Fans

Jetzt ist Frau Falke die perfekte Markenbotschafterin, im vergangenen Jahr hat sie eine Kooperation mit Manolo Blahnik eingefädelt, gerade verhandelt sie die nächste. Früher hat Falke in Lizenz für Armani bis Kenzo produziert, heute wollen sie ihren Namen nicht mehr verstecken.

40 Prozent der Umsätze erzielt der Hersteller im Ausland. Victoria Beckham und Caroline von Monaco sind Fans. (Beim Online-Store "Mr. Porter" sind Falke-Socken als einzige mit "Essentials" gekennzeichnet: unverzichtbare Grundausstattung.)

Eines der besten Jahre war 2009, mitten in der Krise. In schlechten Zeiten müssen die Socken offensichtlich wieder halten, alte Sparstrumpf-Mentalität. "Es war mir fast unangenehm, wenn befreundete Unternehmer klagten", sagt Kristina Falke, weil sie vor lauter Anfragen gar nicht mit den Lieferungen nachkamen.

Lagerfeld, ein Kunde wie jeder andere

Und dann rief auch noch das Büro von Karl Lagerfeld an, sie hätten gern Strümpfe für die Chanel-Show. Ihr Mann sagte: Keine Chance. Sie sagte: Aber es ist Chanel! Ihr Mann erwiderte: Egal, die anderen haben schon bezahlt. Einige Wochen später kam eine Karte von Lagerfeld: Wenn er etwas haben wolle, bekomme er es auch - er habe sich die Strümpfe am Ende im Laden gekauft.

Womöglich im Pariser Bon Marché, wo Falke zu den bestverkauften Marken überhaupt gehört. Die großen Kaufhäuser sind noch immer der Hauptumsatzbringer. Umgekehrt sei für die Kaufhäuser die Strumpfabteilung nach wie vor eine Goldgrube, sagt Paul Falke. "Was sie da erwirtschaften, können sie kaum mit anderer Bekleidung erreichen." Weniger Saisonwechsel, 80 Prozent der Ware wird zum regulären Preis verkauft.

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Längst mehr als nur Socken

Doch darüber hinaus gibt es nicht mehr viel Einzelhandel, weltweit mussten in den vergangenen fünf Jahren mehr als 2000 Kunden ihre Geschäfte schließen. Falke investiert deshalb in eigene Läden. Nach Zürich wurde gerade ein neuer Shop in Antwerpen eröffnet, am besten laufen die Geschäfte am Frankfurter Flughafen und auf dem Berliner Ku'damm.

Die Falkes brauchen die Läden, um zu zeigen, dass sie längst nicht mehr nur Socken herstellen. Gerade haben sie funktionale Sportunterwäsche mit Woll- und Silikonnoppen entwickelt, die angeblich die Haut so stimulieren, dass sich die Körperhaltung beim Training verbessert. Die "Leg Energizer", also Kompressionsstrümpfe, setzen sich immer mehr durch, weil solche "Shapewear" nicht nur gut tut, sondern auch eine Größe dünner schummelt. Demnächst kommen Strumpfhosen auf den Markt, die gegen Cellulite helfen sollen.

Mit diesen Produkten versucht Falke zu wachsen, im Vergleich zum Vorjahr sind die Umsätze leicht gestiegen. International muss noch viel passieren. Die USA könnten besser laufen, gibt Paul Falke zu. "Die Amerikaner kaufen gern pflegeleicht und 'One Size Fits All' mit viel Elasthan, das entspricht nicht ganz unserer Philosophie." Kein Deutscher mit Schuhgröße 40 würde einen Socken kaufen, der bis Größe 46 passen soll.

Socken für China - ein riesiger Aufwand

Und China? Vor Kurzem haben sie dort eine Tochtergesellschaft gegründet, aber auch dieser Markt sei für ihre Socken nicht so einfach. Weil den Chinesen die Premium-Qualität nicht so wichtig ist?

"Die Physiognomie ist eine andere", erklärt Falke. Kürzere Beine, dünnere Waden, kleinere Füße. Jede Passform müsse kleiner gemacht, alle Proportionen neu berechnet werden. Ein riesiger Aufwand.

Kann man den kleineren Chinesen nicht einfach kleinere europäische Modelle verkaufen? Einen Tag lang nur Männersocken in Größe 38 nebenan in die Körbe ploppen lassen? Paul Falke schaut nach unten auf seinen glattsitzenden Kniestrumpf. Kann man wohl nicht.

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