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Socken aus dem Sauerland:"Billiger wollen wir nicht, können wir nicht"

Paul Falke sitzt im Showroom der Firma, umgeben von bunten Socken. "Will ich im Supermarkt verkaufen? Will ich nicht", sagt er. Der 57-Jährige stellt gern Fragen, die er selbst beantwortet. "Wollen wir billiger produzieren? Wollen wir nicht, können wir auch nicht."

Gefertigt wird nur in eigenen Fabriken, außer in Schmallenberg unter anderem in Serbien oder Südafrika. Falke könne nun mal nur Premium. Man müsse bessere Produkte machen als die anderen und den Kunden dazu bekommen, sie anzuziehen. "Dann spürt er sofort den Unterschied." Bessere Durchlüftung, besseres Tragegefühl, längere Haltbarkeit.

Wie eine Falke-Socke entsteht

Bis dahin sind es fast ein Dutzend Arbeitsschritte. Die teuersten Strümpfe in Kaschmir oder Seidengemisch werden in Schmallenberg noch immer auf 60 Jahre alten Maschinen gestrickt. Nur unifarben, Muster waren früher noch nicht möglich. Gleich nebendran, auf den neueren Modellen, geht das natürlich längst. Dort entstehen gerade die klassischen "Burlington Socks", die Traditionsmarke, die Falke 2012 gekauft hat.

Strickmaschinen sind laute Ungetüme aus Stangen und Rohren mit einem Ring bunter Spulen obendrauf, die so lange hin und hertanzen, bis ein fast fertiger Socken aus einer der Röhren ploppt. Vorn ist er dann noch offen, das berühmte "von Hand geklöppelte" Zehenteil wird erst später vernäht. Nur wenn die dünne Naht perfekt gearbeitet ist, drückt später im Schuh nichts. Danach wird kontrolliert, gewaschen, geformt, noch mal kontrolliert und schließlich ein Linker mit einem Rechten gepaart.

In sogenannten Stricksälen wurden früher die Strümpfe hergestellt. Das Motiv stammt aus dem Jahr 1924.

(Foto: Falke)

Der Chef trägt Rosa

Paul Falke ist es gewohnt, dass man ihm nur kurz ins Gesicht und dann gleich auf die Füße schaut. Heute trägt er also: rosa Strümpfe. Passend zum weiß-rosa gestreiften Hemd, dem dunkelblauen Anzug und dunkelblauen Schuhen. Falke trägt immer Kniestrümpfe, weil die nicht rutschen, also kein nacktes behaartes Bein beim Sitzen freilegen. Jedenfalls bei Falke rutschen sie nicht, weil die Wade einen Ticken breiter als das Bündchen gearbeitet ist.

Seiner Meinung nach sollten alle Männer Kniestrümpfe tragen, und weil er schon weiß, dass man jetzt argumentieren will, das sei den meisten wahrscheinlich zu warm, schiebt er gleich hinterher: "Italiener tragen fast alle knielang. Ist denen zu warm? Anscheinend nicht." Kann er die Deutschen ändern? Kann er nicht.

Strümpfe für Deutschlands TV-Moderatoren

Nur manchmal versucht er es doch. Einmal hat er allen Talkshow-Moderatoren Kniestrümpfe geschickt. Seine Frau hat damals Paul Wolfowitz ein Paar zukommen lassen, nachdem der ehemalige Weltbankchef in einer Moschee mit zerrissenen Strümpfen fotografiert wurde. "Der Chef des Geldes hat Löcher in den Socken", lästerten die Medien.

Er verstehe nicht, warum manche Leute sich einen Brioni-Anzug leisten und dann bei den Strümpfen sparen, sagt Falke. Oben hui, unten pfui. "Glauben die wirklich, das sieht man nicht?"

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Kristina Falke zog von Paris ins Kaff um

Seine Frau Kristina Falke ist PR-Chefin des Hauses. Groß, blond, Geena-Davis-Lächeln, Jaguar vor der Tür, erfrischend ehrlich. Nein, den Kaffee im Hause könne sie wirklich nicht empfehlen, lieber solle man beim Wasser bleiben.

Sie hat früher in Paris gelebt, die Familie mit den zwei Kindern hat jetzt dort ihren Zweitwohnsitz. Dass ausgerechnet sie in einem 15 000-Seelen-Ort landen würde, wo man es bis ins Büro riecht, wenn der Nachbar Gülle streut: absolut unvorstellbar. "Aber was soll man machen, wenn man sich verliebt und der Mann hier verwurzelt ist?"