Nicht zuletzt hat Shulman in ihrer Amtszeit noch keine einzige Diät- oder Schönheits-OP-Geschichte veröffentlicht. Sie selbst trägt eher Kleidergröße 40 als 36, als Schülerin soll sie im Ballettunterricht einmal als Donnerwetter besetzt worden sein, während die anderen die zarten Regentropfen tanzten. Dennoch ist die britische Vogue weit davon entfernt, Übergröße-Models zu propagieren. Die Mädchen sind so schön und dünn wie überall - sonst würden sie bei den Shootings ja nicht in die Designerkleider passen. Immerhin wandte sich Alexandra Shulman 2009 als einzige Vogue-Chefredakteurin in einem offenen Brief an Häuser wie Prada, Versace und Chanel und beschwerte sich, die eigens fürs Shooting gelieferten Winzkleider würden nur noch unnatürlich dünnen Models passen. Gebracht hat es am Ende wenig, und die Leserinnen scheinen es auch nicht anders haben zu wollen: Das Cover mit der Sängerin Adele, immerhin eine der populärsten Frauen des Landes, verkaufte sich spektakulär schlecht.

Auf dem Cover der Februar-Ausgabe ist nun die Schauspielerin Dakota Johnson aus "Fifty Shades of Grey" zu sehen, in einem Mantel, den sie halb von der Schulter zieht, damit das Kleid von Céline zur Geltung kommt. Was bei der amerikanischen Vogue schon lange der Fall ist, wird allmählich auch bei den Briten zur Gewohnheit: das allmonatliche Celebrity-Cover. Eine Entwicklung, von der man in "Vogue: 100" glücklicherweise noch wenig sieht.

"Vogue 100: A Century of Style", sponsored by Leon Max, ist in der National Portrait Gallery in London noch bis zum 22. Mai zu sehen. Der dazugehörige Bildband ist im Verlag Hatje Cantz erschienen.

Bild: Getty Images 14. Februar 2016, 17:112016-02-14 17:11:56 © SZ vom 13./14. Februar 2016/feko