Ladies & Gentlemen:Mode für Verliebte

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Der Valentinstag wirft seine Schatten und neuerdings sogar eigene Kollektionen voraus. Adidas bietet dafür mit Beyoncé romantische Trainingsklamotten auf, Balenciaga hat einen komischen Kapuzenpullover entworfen.

Von Max Scharnigg und Julia Werner

Für sie: Die roten Herzchen

Der Tag der verordneten Romantik naht. Wer den Valentinstag für einen überflüssigen Konsumzwangsrausch hält, hat natürlich recht. Entgegen der landläufigen Meinung sind Valentinstag-Gegnerinnen aber meist keine verbitterten Singles, sondern einfach nur angesäuert, weil in ihrem Leben ein Mann fehlt, der Armani oder Alaïa heißt. Ja, es soll Frauen geben, die sich einzig und allein über die Nichtexistenz von Wahnsinnskleidern in ihrem Leben grämen, wenn das keine sogenannte Happiness ist! Der Valentinstag ist grundsätzlich für lustige Alleinstehende ein tolles Datum, weil er die vielen Vorteile des Lebensmodells noch mal unterstreicht. Keine drögen Liebesdinner in der Pizzeria, keine spärlichen Blumenbouquets mit viel Grün drum, und dann auch noch so lustige Konsum-Neuheiten wie von Beyoncé! Pünktlich zum Valentinstag lanciert sie die neue Ivy-Park-Kollektion mit Adidas. Die ist laut Pressemitteilung natürlich von der Liebe inspiriert, aber nicht nur von der klassischen, weil Liebe ja ein weites Feld ist. So ist die Kollektion genderneutral und inklusiv, also in sehr vielen Größen erhältlich, und es gibt Samt-Tracksuits in Rot und T-Shirts mit Herzchen auf den Nippeln. Das ist natürlich nicht besonders kreativ, wäre also dem Marketinggenie einer Mainstream-Champagnermarke auch eingefallen, sieht aber trotzdem gut aus. Allerdings nur an Singles. Weil sie, wenn sie die Herzchenbrille auf der Nase tragen, keinen schlimmen Vibe-Killer an ihrer Seite haben: einen Mann, den das peinlich berührt.

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Für ihn: Der pinke Unfall

Eigentlich gilt für Balenciaga und den Valentinstag das Gleiche: Der Hype wird jedes Jahr verrückter, und es steht schon langsam die Frage im Raum, ob das wirklich noch jemand ernst meinen kann. Es ist also ziemlich stimmig, dass das Label jetzt auch einen Valentins-Look vorstellt, und zwar einen, der beiden Fanlagern die Tränen in die Augen treibt. Genauer gesagt ist es ein Valentins-Batik-Kapuzenpullover in unvermindert angesagter Übergröße und szenetypischem Rosarot, und zwar weil, naja, warum nicht? Der Slogan auf der Brust fragt in zwei miesen Schriftarten: "Would you be my Valentine?" Diese Frage eignet sich im Grunde auch für den Zeitraum zwischen zwei Valentinstagen, ist ja sozusagen immer aktuell. Das für den festlichen Look ausgesuchte Studiomodel von Balenciaga sieht darin etwa so happy und romantisch aus wie ein Pürierstab, aber das ist vermutlich die Ironie an der ganzen Sache. Ist ja alles das Gegenteil von Romanze: das grausige Batikmuster, der sofagroße Kapuzenpullover, der ewige Anmachspruch. Botschaft: Balenciaga, das angesagteste Modelabel der galoppierenden Gegenwart, glaubt eben nicht an die große Liebe. Es glaubt stattdessen, dass wir alle kühle Herzensnomaden sind, die für einen guten Fashion-Gag alles tun würden. Also vielleicht sogar 795 Euro für einen Hoodie bezahlen, der aussieht wie ein Unfall mit Corel Draw. Im Grunde ist der Valentinstag mit dieser ganzen Ironie und Albernheit durchgespielt und könnte endlich abgeschafft werden. Für Verliebte ist schließlich jeder Tag ein Feiertag, für alle anderen ein ganz normaler Werktag, basta.

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