bedeckt München 15°

USA:Modenketten-Pleite erschüttert Heiratswillige

July 13 2017 Boynton Beach Florida U S Delray based Alfred Angelo is closing all their store

Eine der Filialen der Modekette Alfred Angelo in Boynton Beach in Florida.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Ein amerikanisches Brautmode-Unternehmen schließt über Nacht alle 60 Filialen. Bereits bestellte Kleider werden nicht mehr geliefert. Schon ist vom "Weltuntergang" die Rede - doch Hilfe naht.

Von Claus Hulverscheidt

Es soll schon vorgekommen sein, dass Tränen flossen, wenn ein geliebter Kleiderladen für immer seine Pforten schloss. Die Jeans, die man einfach zur Kasse tragen konnte, weil man auch ohne Anprobe wusste: Die passt - weg. Die schicken Kleider und Shirts, die alle immer so bewunderten - für immer außer Reichweite.

Was aber seit der Pleite der Hochzeitsmodenkette Alfred Angelo derzeit in den USA los ist, übertrifft wohl alles: Von einer "Katastrophe" ist in den sozialen Netzwerken die Rede, von einem "Albtraum", vom "Weltuntergang". Über Nacht hat das mehr als 80 Jahre alte Unternehmen seine 60 Geschäfte geschlossen, und auch die weltweit 1400 Einzelhandelspartner werden nicht mehr beliefert. Auf der Internetseite der Firma, die noch zu Wochenbeginn mit Traumfotos und dem Slogan "Your Dream, Your Dress"" ("Dein Traum, Dein Kleid") Romantikerherzen zum Schwingen gebracht hatte, findet sich nur noch eine dürre Mitteilung der Insolvenzverwalterin Margaret Smith: Man werde bald weitere Informationen veröffentlichen und entschuldige sich im Übrigen für die Unannehmlichkeiten.

Unannehmlichkeiten? Für manch künftige Braut, die in diesem Sommer vor den Altar treten will und nun vergeblich auf das bestellte und bezahlte Kleid wartet, ist eine ganze Welt zusammengebrochen. "Ich mag mir gar nicht vorstellen, was diese Frauen durchmachen", schreibt Natalie, die gerade erst selbst geheiratet hat, bei Instagram. Und eine andere junge Frau ergänzt: "Es bricht mir das Herz".

Mittlerweile läuft eine regelrechte Solidaritätswelle durch die USA. Ehemalige Bräute bieten über die einschlägigen Plapperdienste die eigenen Kleider zum Kauf, als Leihgabe oder Geschenk an, Alfred-Angelo-Konkurrenten senken die Preise und die Organisation "Brides across America", die Soldatinnen kostenlos mit Hochzeitskleidern ausstattet, ist bereit, ihren umfassenden Fundus zu plündern.

Das Maß an Anteilnahme ist nur verständlich, wenn man weiß, welch ungeheure Bedeutung der Trautag für Amerikaner hat, wie gewaltig die Industrie und wie groß das Gewese darum ist. Die Vorbereitungszeit einer Hochzeit mit ihren Dutzenden Besichtigungs-, Organisations- und Anprobeterminen beträgt oft zwei Jahre, die durchschnittlichen Kosten liegen laut Heiratsportal "The Knot" mittlerweile bei gut 35 000 Dollar.

Wer sich auf der vornehmen Halbinsel Long Island trauen lässt, berappt 68 000 Dollar, in New York sind es gar 78 000. Allein die Miete für den Veranstaltungsort schlägt mit 16 000 Dollar zu Buche. Hinzu kommen Kleid, Anzug, Ringe, Fotograf, Florist, Band, Hochzeitsplanerin und immer öfter auch Akrobaten, Gospelchöre und Porträtmaler. Auch die wichtigsten Gäste erscheinen häufig in eigens angefertigten Roben, die auf Kleid und Anzug von Braut und Bräutigam abgestimmt sind - und etwa von Alfred Angelo stammen.

Immerhin: Nach dem ersten Schock wähnt sich manch künftige Braut mittlerweile in einem Märchen. Sie habe bereits das Weltenende kommen sehen, schreibt Amber aus Ohio, die Mitte September heiraten will, bei Twitter. Dann aber habe sich plötzlich eine Unbekannte gemeldet und ihr ein wunderschönes Designerkleid vermacht: "Eine gute Fee hat mich gerettet."

© SZ vom 20.07.2017
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema