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Ferien daheim:Die Rosenkugel

Eine Zeit lang war eine Rosenkugel das einzig annehmbare Geschenk für Gartenfreunde mit Niveau. Eine Fortentwicklung des Gartenzwergs, der ja irgendwann als Spießer-Accessoire enttarnt worden war. Rosenkugel aber, das klang nach französischer Eleganz und wurde mit bäuerlichem Feingefühl zwischen Lavendel und Westerland-Rose in die Erde gerammt. Da spiegelte sie fortan bläulich oder ganz weihnachtsrot den Lauf der Jahreszeiten wieder, als Totem der Gemütlichkeit und des kleinen Glücks.

Trotz ihres fragilen Materials waren die Dinger erstaunlich langlebig und irgendwann dann das dienstälteste Gewächs im Garten, auch wenn Buschwerk und Stauden sie vielleicht ein bisschen überwachsen haben. So stehen sie bis heute da - der Glanz ist weg, die Farbe zieht Schlieren. Keinesfalls aber sollte man so eine alte Rosenkugel einfach abbauen, denn erst jetzt funktioniert sie schließlich wie eine wirkliche Kristallkugel: Man kann hinein schauen und viele vergangene Sommer vorbeiziehen sehen.

Die Autanflasche

Das Zeug riecht vielleicht nicht nach großer Welt, aber unbedingt nach großen Ferien. Wer sich an der uralten, niemals versiegenden Autanflasche neben der Terrassentür bedient, der unterschreibt ja immer noch eine unsichtbare Absichtserklärung: Heute wird nicht klein beigeben, sondern der Natur getrotzt! Weil es so ein schöner Abend ist, weil man draußen sein möchte, egal wie aggressiv die Tierwelt darauf reagiert.

Slices of fresh mozzarella cheese and tomato Caprese salad PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY xdigifood

Kann Spuren von Italien enthalten: Das magische Dreierlei aus Mozzarella, Tomate und Basilikum.

(Foto: Imago)

Autan ist eigentlich das andere Wort für feuchte, deutsche Sommer, in denen die Mücken in den Regentonnen und Seerosenteichen in Rekordzeit schlüpfen. Es hilft etwas besser als die ebenfalls ewige währende Citronella-Kerze im Fundus, aber gestochen wird man natürlich trotzdem. Das ist aber nicht so schlimm, denn Mückenstiche sind ja auch irgendwie Souvenirs der warmen Jahreszeit. Und wenn die Lebenserfahrung eines lehrt, dann dass bei den wirklich großartigen Partynächten eben immer auch ein Hauch Autan in der Luft liegt.

Mozzarella-Tomate

Irgendwann setzte sich in Deutschland flächendeckend die Erkenntnis durch, dass Dolce Vita und Urlaubsgefühl gar nicht auf die zwei Wochen Italienurlaub beschränkt sein müssen. Mit den richtigen Zutaten ist es doch daheim genauso schön! Also wurde kistenweise falscher Balsamico importiert, und fortan bei jedem Grillfest verpflichtend Tiramisu und Caprese gereicht. Manche kenne diese italienische Flagge aus Mozzarella, Tomate und Basilikum bis heute gar nicht anders, als auf einem Pappteller mit bayerischen Rautenmuster.

Im Gegensatz zu Tiramisu hat die Caprese auch allen neueren Mitbring-Trends getrotzt und wird heute immer noch zwischen Aperol Spritz und Quinoa-Salat auf den Grillgabentisch geschmuggelt. Gehört einfach dazu! Der Schichtsalat schmeckt dabei meistens nicht ganz so magisch wie in Italien, was wahlweise am Gummi-Mozzarella, am Edeka-Basilikum oder der Discounter-Tomate liegt, meistens an einer Mischung aus allen drei Komponenten. Egal! Man isst das schließlich nicht wegen dem Geschmack, sondern gegen das Fernweh.

Das Steckerleis

Eisessen ist eigentlich immer noch die einfachste und günstigste Art, Urlaub zu machen. Es funktioniert überall, im Hinterhof, auf dem Balkon, sogar auf der Fensterbank. Nicht nur Farbstoff und Zucker sorgen dabei für Hochgefühle, sondern vor allem die Schleck-Meditation, die damit einhergeht. Denn mit so einem akut auf's Steckerl schmelzenden Eis in der Hand, macht man endlich mal fünf Minuten lang nichts anderes, schaut nicht mal aufs Smartphone. Und die Zeit vom Auspacken bis zum letzten, klebrigen Schleck am Holzstiel - das ist ja sowieso insgeheim die Zeiteinheit, in der die Dauer von Sommerferien gemessen wird. Wenn einer "heute schon drei Eis" hatte, dann bedeutet das jedenfalls übersetzt, es war wirklich ein langer, prächtiger Sommertag. Und anders als die artisanalen Eiskugeln in der Waffel, ist das industrielle Steckerleis erfreulich vom Zeitgeist verschont geblieben, Stichwort Capri und Nogger Choc!

Wenn man als Erwachsner versehentlich mal wieder eines dieser Dinger in die Hand bekommt, gesellt sich sofort wieder die Erinnerung an Sonnenbrand und eine Badehose mit aufgenähtem Seepferdchen dazu. Verdächtig war aber übrigens schon immer, wenn ein Steckerleis vorrätig in der heimischen Tiefkühltruhe wartete. Das gehört sich irgendwie nicht. Nein, man muss sich so ein Eis eigentlich erlaufen - 50 Meter zum Kiosk oder 500 Meter zur Tankstelle. Ist eben so im Sommer: Das Glück liegt nah.

Garten Geordneter Rückzug

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