Süddeutsche Zeitung

Unisex-Parfum Feminista:Duft mit politischer Botschaft

Das Parfum "Feminista" riecht wie Veilchen und Leder, verzichtet auf Werbung mit halbnackten Menschen - und ist natürlich auch für Männer gedacht.

Ohne das F-Wort geht in der Mode nichts mehr. Der Feminismus prangt auf Hoodies, Taschen und Mützen - und selbst Dior, das Modehaus, das einst von sich behauptete, "keine T-Shirt-Marke" zu sein, verkauft nun T-Shirts mit dem Aufdruck "We should all be feminists". Ganz zu schweigen vom Hype um selbstgestrickte Pussy Hats und ausverkaufte Designer-Vagina-Ketten.

Man kann der Meinung sein, dass das Thema gar nicht genug Aufmerksamkeit bekommen kann - oder befürchten, dass der Feminismus, plakativ wie Lederimitat-Leggins, vor lauter Kommerz zum Accessoire verkommt. So weit der Stand der Dinge. Und jetzt prangt das Label, mit dem sich Labels so gerne schmücken, auch noch auf einem Flakon.

Am Mittwoch wurde in München ein Duft namens "Feminista" vorgestellt. Die Idee, die erst einmal nach dem Marketing-Coup eines großen Unternehmens klingt, ein bisschen aber auch nach aufziehendem Online-Gespött, stammt von den Berliner Geschäftsleuten Ulrike Hager und Helmut Hartl.

In kleiner Sofarunde erzählen die beiden von ihrer Vision. Ein Duft ohne Werbefotos halb bekleideter Menschen, dafür mit einer politischen Botschaft, mit einer, die nicht auf dem Etikett endet: 15 Prozent des Nettoverkaufspreises sollen an Projekte gehen, die sich für Gleichberechtigung von Menschen aller Geschlechter einsetzen. Und auch in sozialen Netzwerken und auf Konferenzen soll sich Feminista dafür starkmachen.

Auf einem der Sofas sitzt Geza Schön, der den Duft entwickelt hat, er schlägt die Augen nieder, als er angekündigt wird als "bester Parfümeur der Welt", dabei ist er tatsächlich weltbekannt als unkonventioneller Kreativer. Für Feminista, 30 Milliliter für 64 Euro, hat er den Duft von Veilchen mit Leder, rosa Pfeffer, Wacholder, Schneeglöckchen gemischt. "Können Männer und Frauen tragen", sagt er.

Man kann das belächeln, aber eigentlich genügt ein Atemzug in einem fußgängerzonenüblichen Douglas, Hela oder Rituals, um zu erkennen, dass im Düfte-Mainstream frischer Wind nicht schadet. Sie Blümchen, er Holz. Sie "Beautiful", "So Pretty" oder "Angel", er "Guilty", "Wild" oder "Boss".

In den Neunzigern begannen mehrere Hersteller, die Duftnormative mit Unisex-Parfums aufzubrechen, und gerade im hochpreisigen Segment komponieren Häuser wie Comme des Garçons, Jo Malone oder Frédéric Malle Düfte schon eine ganze Weile ohne Geschlechteretiketten. Aber das ist noch immer eine Nische. Daran wird auch das nur online erhältliche Feministen-Parfum nichts ändern. Aber es ist immerhin ein Wink - mit angenehmer Duftnote.

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SZ vom 03.02.2018/vs
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