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Typologie der Griller:Du bist, wie du grillst

Es könnte so schön sein: Ein lauer Freitagabend im Sommer und jede Menge Freunde, die sich zum Grillen treffen. Wären da nicht der Gourmet-Snob mit seinem Fleischthermometer und der Pyromane, der in seiner Euphorie das Grillgut mit flüssigem Anzünder tränkt. Eine Typologie von Menschen am Grill.

Von Christina Metallinos

Grillen könnte so schön sein. Wären da nicht der angeberische Gourmet und der Zündler, die einem dazwischenfunken. Eine Typologie.

Der Ungeduldige

Grillblog: Typologien der Griller

Zerfetzt und trotzdem roh: Der Ungeduldige kann es kaum glauben, dass sein Schweinenackensteak immer noch nicht durch ist.

(Foto: Daniel Hofer)

Ob aufgrund quengelnder Kinder oder der eigenen Vorfreude aufs Fleisch: Der Ungeduldige kann es kaum erwarten, dass die sorgsam angezündeten Kohlen endlich durchglühen. Deshalb legt er das Fleisch jedes Mal zu früh auf den Rost und wundert sich dann, warum es so langsam brät. Daraus resultiert auch schon der nächste Fehler. Der Ungeduldige dreht das Fleisch viel zu früh, so dass von Wendung zu Wendung immer mehr Fleischfetzen am Grillrost kleben bleiben und verkohlen.

Im Zwei-Minuten-Takt legt er das halbrohe Kotelett auf den Teller eines beliebigen Gastes und murrt zunehmend unfreundlich: "Schneid' mal bitte an!" Ist das Fleisch dann endlich durch, ist es nicht nur zerfetzt und mehrfach angeschnitten, sondern auch ziemlich trocken. Schlussendlich dauert das Grillen beim Ungeduldigen länger als nötig, was er selbst gar nicht glauben kann.

Daneben existiert eine Begleiterscheinung des Ungeduldigen, nämlich der ungeduldige Beilagenesser. Er oder sie sitzt während der ganzen Prozedur bereits am Esstisch und kann es ebenso wenig erwarten, dass das Fleisch fertig wird. Deshalb isst sich der ungeduldige Beilagenesser an Knoblauchbrot und Kartoffelsalat satt und schafft dann nur noch die Hälfte des zerfetzten Grillfleischs.

Der Gourmet

Licence to grill: Typologien der Griller

Ein paar Antipasti, ein wenig Rindfleisch und viel Schnickschnack: Wenn der Gourmet grillt, muss jeder Teller perfekt aussehen.

(Foto: Daniel Hofer)

Auf Grillpartys steht der Gourmet meist am Grill. Allerdings nicht davor, sondern schräg neben demjenigen, der das Grillbesteck in Händen hält. Während dieser sich abmüht, den perfekten Garpunkt von Schweinesteak und Bratwurst zu finden, referiert der Gourmet über die Vorzüge von Holzchips aus alten Whiskeyfässern, die man noch zur Kohle dazugeben könnte. Er hätte da ganz zufällig ein paar dabei.

Sind die teuren Holzchips auf der Grillkohle platziert, schreitet der Gourmet schon einmal zum Korkenzieher und öffnet den von ihm mitgebrachten Rotwein - der muss ja noch ein wenig atmen. Wie, kein Dekanter da? Damit hatte der Gourmet nicht gerechnet. Nach ausgiebigem Schnuppern an der Flaschenöffnung nimmt er umso lieber noch eine Nase vom Whiskeyholzchipkohlengeruch am Grill und beginnt eine Arie in jammerndem G-Moll über die dürftige "Barbecuesituation" bei sich zu Hause. Aufgrund der Gasgrillstation, die er in seine Outdoorküche integriert hat, komme er leider nur noch selten in den Genuss von echtem Holzkohlearoma. Andererseits lasse sich dort viel kontrollierter grillen als auf Kohle, sagt er und huscht gleich noch einmal zum mitgebrachten Einkaufskorb.

Mit einem Stück Entrecôte in der Linken und einem Fleischthermometer in der Rechten, kehrt er zurück an den Grill und erkundigt sich nach dem WLAN-Passwort des Hauses. Wie soll denn sonst das Thermometer die Kerntemperatur des Grillguts an sein iPhone weiterleiten?

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