Twitter-Phänomen Merkels @schlandkette zu verkaufen

Sie war das Thema des TV-Duells - zumindest bei Twitter: Jetzt geht die Kette in Serie, die Angela Merkel an dem Abend trug. Im Gespräch verrät Goldschmied Hans-Peter Weyrich, wie die Kanzlerin Stammkundin bei ihm wurde und was er von dem Rummel um seine Kette hält.

Von Andrea Lindner

Es ging um Deutschlands Zukunft, um Konzepte und Ideen für die Zeit nach der Bundestagswahl. Doch im Internet gab es nur ein Thema beim TV-Duell zwischen Angela Merkel und Peer Steinbrück: die Deutschland-Kette der Kanzlerin. Innerhalb weniger Minuten hatte die @Schlandkette Tausende Fans. Entworfen hat sie Hans-Peter Weyrich. Der 55-jährige Schmuckdesigner lebt in Idar-Oberstein in Rheinland-Pfalz. Normalerweise verirrt sich nur selten ein Journalist in diese Gegend, aber seit dem TV-Duell ist alles anders.

SZ: Herr Weyrich, wie kommt Ihre Kette an Angela Merkels Hals?

Hans-Peter Weyrich: Das ist eine lange Geschichte. Die Politikerin Julia Klöckner (heutige CDU-Fraktionsvorsitzende im rheinland-pfälzischen Landtag, von 2002 bis 2011 Mitglied des Bundestages, d. Red.) ist schon seit über zehn Jahren Kundin bei uns. Eines Tages hat sie im Bundestag eine Kette von mir getragen. Und wie die Frauen so sind, fragte Frau Merkel, wo sie diese wunderschöne Kette denn herhabe. Wir haben der Kanzlerin dann eine Auswahl unserer Colliers geschickt, die haben ihr von Anfang an gut gefallen.

Ist Frau Merkel eine Stammkundin von Ihnen?

Das könnte man so sagen. Seit 2005 kauft sie immer wieder Schmuck bei uns, zehn Colliers hat sie bestimmt schon. Die Deutschland-Kette zum Beispiel hat sie etwa bei ihrer Vereidigung im Jahr 2009 getragen. Hier in Idar-Oberstein hat Frau Merkel uns aber noch nicht besucht; als Kanzlerin hat sie ja auch genug zu tun.

Sie wollen die Kette nun in Serie herstellen.

Nach dem Duell haben mich viele Merkel-Fans angerufen und nach der Kette gefragt. Anfangs wusste ich aber nicht, wie ich die ganzen Materialien dafür auftreiben sollte - mein erster Entwurf ist ja über zehn Jahre alt. Ich mache das jetzt auch nicht im großen Stil: 20 Ketten sind geplant, mehr nicht. Das ist für mich, der sonst nur Einzelstücke macht, ohnehin schon eine Menge.

Hans-Peter Weyrich bei der Abreit in seinem Atelier in Idar-Oberstein.

(Foto: privat)

Was soll die Kette dann kosten?

Das kann ich noch nicht sagen. Ich weiß ja noch gar nicht, was die Materialien genau kosten werden. Für das Rot verwende ich Koralle und die ist nicht nur schwer zu bekommen, sondern auch sehr teuer. Bei dem Rest habe ich es einfacher: Das sind Steine und Materialien aus der Region. Insgesamt ist es keine allzu aufwändige Kette. Da habe ich schon ganz andere gemacht.

Die Farbreihenfolge Ihrer Kette ist die aus der belgischen Fahne. Wollten Sie gar keine Deutschland-Kette herstellen?

Richtig. Die Kette war nie als "Deutschland-Kette" geplant. Mir ist aber schon klar, dass die Farben einem sofort ins Auge stechen. Ich gehe aber nach gestalterischen Merkmalen vor und frage mich als Künstler: Welche Farben passen zusammen? Die Anordnung Schwarz-Gold-Rot fand ich als Komposition einfach besser.

Hat der Hype um die Deutschland-Kette Ihr Leben verändert?

Nee, das wird er auch nicht - garantiert nicht. Als Handwerker stehe ich mit beiden Beinen auf dem Boden, ich bin kein Star. Ich möchte einfach nur zeigen, dass ich gute Produkte herstelle und dass ich etwas Individuelles kreieren kann. Der Hype ist natürlich eine große Chance für mich und mein kleines Unternehmen.

Kommt Sie noch zum Arbeiten, bei so vielen Anrufen rund um die Uhr?

Muss ich ja. Ich bin alleine in der Werkstatt.