Kolumne: Gewusst wie:Jetzt noch schnell die Tulpen pflanzen

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Kolumne: Gewusst wie: Die Vorfreude auf blühende Tulpenbeete hilft, um durch die triste Winterzeit zu kommen.

Die Vorfreude auf blühende Tulpenbeete hilft, um durch die triste Winterzeit zu kommen.

(Foto: Christian Endt)

Wer im Frühling einen bunten Garten haben will, muss sich jetzt drum kümmern: Wie man die Zwiebeln in die Erde bringt, damit sie über mehrere Jahre blühen.

Von Joachim Becker

Winter ist wie Schwarz-Weiß-Fernsehen: Es gibt Highlights, aber das meiste versuppt grau in grau. Nach der grellbunten Laubfärbung im Herbst wirken manche Nebeltage, als hätte jemand den Antennenstecker gezogen: Netzhaut ohne Farbempfang. Wenn Weihnachten auch noch die Festbeleuchtung ausfällt, sieht es für manchen Gartenfreund wirklich düster aus. Man kann sich ja nicht ständig in die immergrünen Herzwärm-Gewächshäuser im Zoo oder Botanischen Garten flüchten.

Was gegen das monochrome Flimmern hilft? An die Zukunft denken, etwa an die ersten Schneeglöckchen im zeitigen Frühjahr - und an die ganze Pracht blühender Tulpenbeete von März bis Mai. Wer sie vor dem Bodenfrost setzt, gibt Zwiebeln und Knollen die Chance, reichlich Wurzeln zu bilden. Das schützt vor der Winterdürre, wenn manche Pflanzen im geeisten Boden nicht erfrieren, sondern schlicht verdursten. Außerdem wirkt das ausgedehnte Bad im Gartenboden wie ein Ausklingbecken für die chemisch reichlich hochgejazzten Frühjahrsblüher. Die Wahrscheinlichkeit wächst, dass die Produkte von Kunst und Wissenschaft zu Dauergästen im eigenen Garten werden.

Blumenzwiebeln sind in Krisenzeiten eine der sichersten Anlageklassen. Man vergräbt sein Geld nicht im Wald, sondern investiert massiv in Farbe! Wer nicht knausert, bekommt eine üppige und vor allem sichere Frühlingsdividende. Antizyklisch gärtnern bedeutet, jetzt die schönsten Sonnenplätze, an denen gerade die einjährigen Sommerblumen verwelkt sind, für die nächsten Gartengäste freizuräumen. Frühblüher wie Krokusse, Märzenbecher, Traubenhyazinthen und Winterlinge werden in dichten Gruppen nicht allzu tief gesetzt. Großblumige Narzissen, Hyazinthen und Tulpen können ganze Beete bedecken. Bepflanzt man noch einige (Halb-)Schattenplätze, wo die Blüten etwas später kommen, lässt sich die Zeit bis zu den ersten Schwertlilien im Garten spielend leicht überbrücken.

Wer zweifarbig gefiederte Papageienblüten kennt, versteht die holländische Tulpenmanie im 17. Jahrhundert. Damals wurden rare Sorten zu begehrten Spekulationsobjekten. Was wir daraus lernen können? Erstens, dass ein langfristiges Investment in edle Tulpen auch heute noch ein kleines Vermögen kosten kann. Und zweitens, dass die wertvollen Zwiebeln besonders gut im sandigen Boden der Nord- und Ostseeküste gedeihen. Um Staunässe zu vermeiden, darf der Hobbygärtner beherzt in die Sandkiste seiner Kinder greifen, um eine Drainage-Schicht mit besonders lockeren Boden in gut zehn Zentimeter Tiefe einzubauen.

Was noch zu tun bleibt? Warten und die Daumen drücken: Über Wohl und Wehe der Blütenpracht entscheidet nicht zuletzt der Wühlmaus-Bestand. Blumenzwiebeln sind das Leib-und-Magen-Gericht dieser süßen, kleinen Nager. Dass die Gewächse aus Gründen der Haltbarkeit mit Chemie häufig so belastet sind wie Sondermüll, kann den schnelllebigen Mäusen erst einmal egal sein. Der Gärtner sollte vorsichtshalber Handschuhe tragen - und in der Winterpause vielleicht über die Anschaffung einer Katze nachdenken.

Kolumne: Gewusst wie: Joachim Becker hat einem größeren Garten zuliebe München verlassen. Nur um festzustellen, dass mit der Anbaufläche auch die Herausforderungen wachsen.

Joachim Becker hat einem größeren Garten zuliebe München verlassen. Nur um festzustellen, dass mit der Anbaufläche auch die Herausforderungen wachsen.

(Foto: Bernd Schifferdecker (Illustration))
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