Süddeutsche Zeitung

USA:Donald Trumps Kleidung: Sieht aus wie vom Schlussverkauf

Blauer Anzug, weißes Hemd, knallroter Schlips - und alles immer zwei Nummern zu groß. Was der neue US-Präsident trägt, sagt viel über ihn und seine Politik aus.

Doch, auch über Mode muss gesprochen werden jetzt in Trumpland, und das ist keine Flucht aus dem verstörenden Alltag in die Welt der schönen Dinge, im Gegenteil.

Die Designerin Sophie Theallet hat verkündet, dass sie sich weigern würde, Melania Trump einzukleiden. Theallet ist, worauf sie Wert legt, eine Immigrantin, wenn auch eine legale, und außerdem kommt sie aus Frankreich, gegen das Donald Trump bisher noch verhältnismäßig wenig einzuwenden gehabt hat. Es ist auch nicht bekannt, dass Melania Trump bei ihr überhaupt um Einkleidung gebeten hätte. Aber trotzdem. Von einem Boykottaufruf war schnell die Rede, dem sich andere anschlossen. Zuvor hatte schon Diane von Fürstenberg als Vorsitzende des Council of Fashion Designers of America in einem Rundbrief an die Mitglieder dazu aufgerufen, angesichts des Wahlergebnisses "Diversität zu unterstützen, offen, großzügig und mitfühlend zu sein".

Was die First Lady trägt, ist nun einmal ein Thema. Oder wie man in Amerika sagt: Wen sie trägt. Nicht jeder will nun seinen Namen mit den Trumps assoziiert haben. Die Filmchen von brennenden New-Balance-Turnschuhen, die durch das Netz geistern, seit der Firmenchef Trump ein bisschen euphorisch zum Wahlsieg gratuliert hat, sind auch wirtschaftlich so eine Sache. Melania Trump wird am Ende das nötige Geld schon haben, um sich einfach zu kaufen, was sie mag. Die Geschäfte von Valentino und Gucci zum Beispiel befinden sich direkt am Trump Tower, und dank der Absperrungen dort sind sie neuerdings immer schön leer.

Bemerkenswerter ist, was Donald Trump selber trägt. Diese Kombination aus blauem Anzug, weißem Hemd, knallrotem Schlips, als hätte er beim Schultheater die Aufgabe, eine amerikanische Flagge zu spielen. "Trump ist das, was sich eine arme Person unter einer reichen vorstellt", hat die große New Yorker Stadtschreiberin Fran Lebovitz neulich erklärt. "Die sehen ihn und denken: ,Wenn ich reich wäre, hätte ich auch so einen fantastischen Schlips. Warum sind meine Krawatten nicht aus 1,6 Quadratkilometern Polyester?'"

Das war, erstens, lustig. Zweitens war es aber möglicherweise genau die Art, über Trump zu reden, die ihm umso treuere Wähler beschert hat. Seine Krawatten werden schon aus Seide sein. Seine Anzüge sind ja auch von Brioni. Trumps Leistung besteht darin, so etwas so Feines und Teures aussehen zu lassen, als wäre es aus Kunstfasern und dem Schlussverkauf. Modeexperten sagen nun, dass er zu dünne Stoffe wähle und alles zwei Nummern zu groß. Die politische Botschaft mag ihm selber gar nicht bewusst sein, aber sie ist evident, und sie wird verstanden. Auch deutsche Sozialdemokraten haben nach Gerhard Schröders umstrittenen Brioni-Fotos oft augenscheinlich sehr darauf geachtet, dass ihre Anzüge nicht gar zu gut sitzen.

Der Letzte, der in Amerika dafür berühmt war, mit dem eher volkstümlichen Look seiner Anzüge Politik gemacht zu haben, hieß George Wallace und war mal Demokrat - wie Trump auch. Wallace war auch, wie Donald Trump, ursprünglich nicht als Scharfmacher in Rassenfragen bekannt. Er wurde das dann aber, als er Gouverneur von Alabama werden wollte und später US-Präsident und kühl berechnet hatte, dass ihm die Unterstützung des Ku-Klux-Klan dabei mehr bringt als die von schwarzen Bürgerrechtlern. Der Spiegel schrieb im Oktober 1968 "Amerikas NPD" auf das Titelbild, als er über die Wallace-Bewegung berichtete: kleinstädtisch, weiß, Arbeiterklasse, wütend ... Kein politisches Phänomen gleicht ganz einem früheren. Aber es gibt, wie in der Mode, sogenannte Revivals. Wallace hat am Ende Reue gezeigt und in seiner letzten Amtszeit als Gouverneur besonders viele Afroamerikaner mit Posten betraut.

Da Melania Trump als Ex-Model ja etwas von Mode versteht, wird sie ihrem Mann erklären können, dass bei einem Revival das meiste auch abgekürzt funktioniert.

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SZ vom 29.11.2016/cag
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