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Ladies & Gentlemen:Grüner wird's!

Macht blass, aber auch lustig: So giftig und grellgrün wie für diesen Sommer leuchteten die Laufstege noch nie.

Von Julia Werner & Max Scharnigg

(Foto: Bottega Veneta)

Für sie: Wiederbelebende Maßnahmen

Während man am Jahresanfang in der ewig gleichen Jeans die tägliche Parkrunde dreht, ist es ein Trost, darüber nachzudenken, was man postpandemisch alles so anziehen wird. Schuhe mit Absätzen! Enge, kurze Kleider, die eine Welt voller Möglichkeiten eröffnen. Und: Farbe! Eines steht schon fest, wir werden besser aussehen, denn der Luschenlook aus Turnschuhen und Parka zog uns in Wahrheit schon vor Covid-19 in die Unsichtbarkeit. Daniel Lee von Bottega Veneta ist im Moment das, was vorher Phoebe Philo bei Céline war: der Modediktator. Wenn er auf Grün setzt, dann heißt das, dass es uns in absehbarer Zeit in der Zara-Filiale begegnen wird. Es handelt sich bei dieser extremen Version allerdings nicht um ein schmeichelndes Moosgrün, sondern geht eher in Richtung Kotz-Emoji. Das macht Frauen wirklich nicht schöner, vor allem, wenn sie aus Faltenangst die Sonne meiden und lieber ihren Mehlwurmteint pflegen. Man könnte auch sagen: Viel zu viele von uns befanden sich eigentlich schon vor Corona im Lockdown der Geschmackssicherheit. Waren die ganzen Hipsterläden und die Instagram-Accounts zuletzt nicht viel zu beige und puderrosa geworden? Der Designer hat übrigens nicht nur Kleidern und Taschen, sondern sogar Tüten und Schuhboxen den giftgrünen Anstrich gegeben. Dass Grün auch für Hoffnung und Wiedergeburt steht, ist nur eine Randnotiz. Die wahre Botschaft lautet: Lasst endlich wieder das Leben rein! Ein guter Stilvorsatz fürs neue Jahr.

(Foto: Etro)

Für ihn: Bitte schön giftig

Grün ist schon seit Längerem im Begriff, sich wieder als Lieblingsfarbe für die schönen Dinge des Lebens zu etablieren. Im Interieur-Bereich vermehren sich jedenfalls samtgrüne Poufs und ähnlich moosige Polster unkontrolliert, die feinen, englischen Farbmanufakturen und Tapetenhersteller überbieten sich schon lange in geschmackvollen Nuancen von Zartgrün bis Starksalbei, und sogar der einmillionste 911er-Porsche wurde 2017 zur Feier des Tages in Irischgrün lackiert - und sah fantastisch aus. Klar, dass die Mode da auch schon lange mitmischt, wenngleich dort in den vergangenen Jahren Grün noch eher als Militäroliv oder smashed avocado interpretiert wurde, denn das passte zu den urban warriors in den Städten. Bei Etro ließ sich in der aktuellen Sommerkollektion (präsentiert vor grüner Gartenkulisse) die Entwicklung weg von den Olivtönen hin zu Knallgrün jetzt aber sehr deutlich ablesen, zum Beispiel bei diesem Look - die Hose noch dezent khaki, der Pullover aber schon sehr Kunstrasen und mit einem Farbton, der an "Slimer" von Ghostbusters erinnert. Aber auch solche Extreme dämpft die beruhigende Aura von Grün irgendwie ab. Bei den Männern ist die Farbe ja eine der wenigen unkomplizierten Alternativen zum ewigen Navy und Schwarz, aber man lief bisher doch immer Gefahr, damit auszusehen, als käme man vom Angeln. Das kann in diesem Sommer nicht mehr passieren.

© SZ/kar
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