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Trend:Was macht die Umwelt mit der Haut?

In Deutschland weiß das kaum jemand so genau wie Jean Krutmann. Gemeinsam mit seiner Arbeitsgruppe vom Leibniz-Institut für umweltmedizinische Forschung in Düsseldorf untersucht der Professor, wie Feinstaub, Dieselruß und saurer Regen auf die Haut wirken. "Wir haben in unseren Studien herausgefunden, dass die Hautalterungsmerkmale eindeutig zunehmen, wenn jemand dauernd einer hohen Abgasbelastung ausgesetzt ist", sagte Krutmann kürzlich im Südwestrundfunk. Durch Ruß würden mehr Pigmentflecken im Gesicht gebildet - und sehr wahrscheinlich auch mehr Falten.

Die Wissenschaftler haben das nicht nur im Labor untersucht, wo sie Hautstücke Schadstoffen ausgesetzt haben. Schon 2010 hat Krutmanns Team Daten einer Langzeitstudie an 400 älteren Frauen aus dem Ruhrgebiet und dem Landkreis Borken ausgewertet. Beim Betrachten ihrer Haut stellte sein Team fest: Frauen, die in schmutziger Luft lebten, hatten etwa 20 Prozent mehr Pigmentflecken im Gesicht als Frauen vom Lande.

Für den Konsumenten ist es schwer, zwischen Schmutz- und Geldfängern zu unterscheiden

Krutmann schätzt, dass insgesamt nur 20 bis 30 Prozent aller Hautveränderungen unabänderliche biologische Alterungsprozesse sind. 70 bis 80 Prozent entstünden dagegen durch Umwelteinflüsse. Wenn man sich schon UV-Strahlung vom Hals halte, sollte Luftverschmutzung die nächste Sorge sein, sagt auch Elizabeth Tanzi, Dermatologie-Professorin am George Washington University Medical Center in Washington D.C.

Firmen entwickeln derzeit verschiedene Anti-Pollution-Wirkstoffe mit Namen, für die man einen Führerschein bräuchte. Manche sorgen für eine physikalische Barriere zwischen Dreck und Haut, andere enthalten Metallfänger - käfigartige Moleküle, die Schwermetalle einlagern. Ob und wie viel diese Zusätze taugen, ist kaum zu sagen. Die Dreck-weg-Versprechen sind bislang nicht so klar und verlässlich, wie es die Angaben zum Lichtschutzfaktor sind.

Deshalb tun sich Konsumenten schwer, zwischen wirksamen Schmutzfängern und marketingerprobten Geldfängern zu unterscheiden. Sicher ist, dass die gründliche Reinigung der Haut hilft. Auch fangen Vitamine und andere Antioxidantien molekularen Stress von der Haut ab. Die waren jedoch schon oft in Kosmetika enthalten, ohne dass "Anti-Pollution" draufstand. Manche der beliebten Pflanzenstoffe mit antioxidativem Effekt sind nur etwas wohlriechender oder exklusiver. Etwa Passionsblumenöl, der Extrakt der roten Camellia japonica oder das Öl des Moringa-Baumes, der im Himalaja und in Afrika verbreitet ist. Das haben die alten Ägypter schon zur Einbalsamierung ihrer Mumien benutzt. Ein Stoff also, der sogar die Haut der Toten jung halten soll.

© SZ vom 17.02.2018/afei
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