Kolumne „In aller Munde“Einmal Pommes mit allem, bitte

Lesezeit: 2 Min.

Kalorienarm ist so ein Teller nicht gerade.
Kalorienarm ist so ein Teller nicht gerade. Christoph Reichwein/dpa

Aus dem Ruhrpott via Social Media in die Welt: über den Siegeszug des „Taxi-Tellers“.

Von Kathrin Hollmer

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Nachdem Joey in einer Folge der Serie „Friends“ einen ganzen Thanksgiving-Truthahn nahezu allein verspeist hat, prophezeit er richtig: „Jetzt kommt das Fleisch-Schwitzen.“ Der Satz kann einem in den Sinn kommen, wenn man die „Taxi-Teller“-Fotos sieht, die seit ein paar Monaten in den sozialen Medien kursieren.

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Ein Taxi-Teller besteht aus Currywurst, Pommes mit Mayonnaise, Gyros, Tzatziki und einer Handvoll roher Zwiebeln, alles zusammen auf einem Teller oder, häufiger wahrscheinlich, in einer Styroporbox serviert. Schon bei der Vorstellung beginnt die Stirn leicht zu glänzen.

Der Imbissklassiker aus dem Ruhrpott feiert einen Siegeszug: Fans erstellen Listen mit Lokalen in ganz Deutschland, die die Spezialität inzwischen, zumindest zeitweise, führen, und veranstalten Tastings. Ein Lieferdienst verzeichnet seit 2024 einen Anstieg von fast 170 Prozent bei Taxi-Teller-Bestellungen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Sogar in der Schweiz steht er schon auf der Speisekarte einer Imbissbude.

Zum Taxi-Teller selbst kursieren mehrere Entstehungsmythen. Dem beliebtesten zufolge bestellte ein Taxifahrer nach seiner Schicht an einem Imbiss Gyros. Weil aber nicht mehr genug da war, füllte der Betreiber die Portion mit Currywurst und Pommes auf.

Ein zweiter Mythos besagt, dass der „MG-Teller“ auf Kundenwunsch kreiert wurde. MG steht für „Manta Gyros“, eine „Manta-Platte“, wie Currywurst mit Pommes, Ketchup und Mayo in der Manta-Szene der Neunzigerjahre hieß – plus Gyros. Durchgesetzt hat sich jedoch der Name Taxi-Teller. Bereits 2023 aß ihn der Rapper Money Boy im Musikvideo zu „Schalke“.

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Auf X führt die Chronik noch weiter zurück – damals hieß die Plattform noch Twitter. Meme-Accounts wie „taxi teller“ auf Instagram und der Essener Comedian Ryko haben den Hype weiter gepusht.

Ernährungsberater schlagen bei mehreren Hundert Gramm Fleisch pro Portion die Hände über dem Kopf zusammen, ein einzelner Teller enthält mehr Fleisch, als pro Woche ratsam ist. Immerhin, manche Imbissbude experimentiert mit vegetarischen und veganen Fleischalternativen. Ob mit oder ohne Fleisch, kalorienarm ist so ein Teller nicht, dafür preiswert und, zumindest wenn man Social Media Glauben schenkt, ein gutes Mittel gegen Kater – auch vorbeugend.

Am Ende ist der Taxi-Teller perfekt für alle, die sich am Cheat Day nicht entscheiden können. Es ist, als würde man ein Mettbrötchen noch mit Käse überbacken oder die Pizza mit Pasta belegen, und so gesehen passt der Alles-auf-einmal-Teller schon wieder gut in die Gegenwart. Zimtschnecken-Ketten und Cookie-Bars toppen ihre Gebäcke zusätzlich mit Schokoriegeln und Pralinen, Coffeeshops servieren Tiramisu- und Keks-Frappuccinos.

Möglichst viel von allem auf einmal ist aber, auch beim Taxi-Teller, am Ende doch leider immer too much. Zuletzt kursierten sogar Rezepte für selbstgemachte, vermeintlich gesunde Thermomix-Taxiteller – das Ende des Hypes kann nicht mehr so weit sein.

Speisekarten stellen die Autorin regelmäßig vor schwere Entscheidungen. Zum Glück teilt auch ihr Mann gerne, so können beide mehr probieren.
Speisekarten stellen die Autorin regelmäßig vor schwere Entscheidungen. Zum Glück teilt auch ihr Mann gerne, so können beide mehr probieren. Bernd Schifferdecker (Illustration)
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