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Tattoo-Trends:Jährlicher Sonnenstich

Actress Angelina Jolie displays her tattoo as she arrives for a special Maleficent Costume Display at Kensington Palace in London

Angelina Jolie trägt auf ihrem Rücken nicht nur den Slogan "Know Your Rights", sondern auch einen ausführlichen Sinnspruch in der Schrift der alten Khmer.

(Foto: Luke MacGregor/Reuters)

Tätowierungen sind längst ein Massenphänomen. Doch was genau wo genau gestochen wird, ändert sich ständig. Arschgeweih, Schriftzeichen und Kindernamen - ein Überblick über Trends und Lieblingsmotive der Deutschen.

Daniel Krause ist 16, als er sich das erste Tattoo stechen lässt. Eine Rose auf dem Oberarm soll es sein, improvisiert unter die Haut gerammt. Seine Mutter verpasst ihm prompt eine Ohrfeige. "Aber ich war stolz wie Bolle", sagt der Vorsitzende des Bundesverbandes Tattoo. 30 Jahre ist das her, Tattoos waren noch Zeichen der Subkultur. Punker wie Krause demonstrierten mit rudimentären Symbolen ihre Zugehörigkeit, die Rockabilly-Szene wählte Pin-up-Girls oder Kirschen.

Als Körperschmuck sind Tätowierungen Tausende Jahre alt. Selbst die Eismumie Ötzi hatte eine. Doch erst in den Achtzigerjahren lösten sich die Grenzen der Milieus auf und die Sache wurde zum Massenphänomen. Heute sind Tattoos beliebt wie nie. Bei der Weltmeisterschaft in Brasilien flimmern die Motive der Fußballer in Großaufnahme über die Fernseher, im Freibad sonnen sich abstrakte Muster neben Sternchen und groß angelegten Phantasiewelten.

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6,3 Millionen Menschen in Deutschland sind tätowiert, Tendenz weiter steigend. Seit 2003 ist die Zahl der Menschen mit Körperschmuck wie Tattoos oder Piercings um 25 Prozent gestiegen. Jeder elfte Erwachsene trägt damit Tinte in der Haut, bei den 25- bis 34-Jährigen sind es sogar 22 Prozent. Einkommen und Bildungshintergrund spielen bei der Entscheidung für ein Tattoo keine Rolle. Laut einer Umfrage der Universität Leipzig lassen sich heute mehr Frauen als Männer tätowieren. Und die wenigsten, so eine aktuelle Studie der Gesellschaft für Konsumforschung, bereuen ihre Körperbemalungen später - oder sie geben es zumindest nicht zu.

"Der Körper wird zur Leinwand, das Innere nach außen getragen", sagt Dirk Hofmeister, der als Psychologe an der Universität Leipzig seit acht Jahren Körpermodifikation erforscht. Und eben weil Tätowierungen heute ein Massenphänomen sind, unterliegen sie starken Trends. "Immer wenn ein Motiv überkonsumiert wird, kommt sofort ein neuer Stil auf", sagt der BTV-Vorsitzende Krause.

Wer also heute an einem heißen Sommertag am Schwimmbadbecken steht, kann die Tattootrends der letzten zwanzig Jahre und die Lieblingsmotive der Deutschen live und zahlreich beobachten:

Tribals aka Arschgeweih

Das große Körperschmuck-Motiv der Neunziger: Tribals, also verschlungene Symbole neuseeländischer Ureinwohner. Die mystischen Maori-Muster stehen in ihrem Ursprung für Stärke und Schutz - und ließen den westlichen Tattoo-Fan vor allem geheimnisvoll wirken. Schließlich wusste niemand außer ihm selbst, was das Zeichen genau zu bedeuten hatte. Tribals trugen Männer wie Frauen, doch die Körperstellen waren noch strikt getrennt: Männer verzierten Oberarme und Beine, Frauen Rücken und Steiß. In den Neunzigerjahren war das Steißtribal das beliebteste Symbol mit sexueller Signalwirkung. Kein Mensch konnte wissen, dass es später als sogenanntes Arschgeweih als das Symbol für geschmacklose Jugendsünden enden würde. Um sich vom Massen-Geweih abzugrenzen, ließen sich Frauen in den darauffolgenden Jahren großflächige Blumenranken oder Tiere stechen, die sich über Rücken und Körperseiten erstreckten.

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Ein Tribal über dem Steißbein, oder wie der Volksmund sagt: Arschgeweih.

(Foto: dpa)
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