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Tag der Jogginghose:Lass schlabbern, Mann!

Jeder hat eine, aber nur wenige stehen zu ihr. Kein Wunder: Sie macht eine unmögliche Figur und verleiht ihrem Träger ein mieses Image. Ungeachtet dessen hat es die Jogginghose nicht nur auf die Laufstege geschafft, sondern sogar zu einem eigenen Jahrestag gebracht.

Mit der Jogginghose verhält es sich ähnlich wie mit den Burgern von McDonalds - jeder isst sie gerne, aber keiner mag es zugeben. So kann sich ein Großteil der deutschen Bevölkerung wohl nichts Schöneres vorstellen, als sich nach einem harten Tag in das bequemste aller Kleidungsstücke zu werfen und den Abend vor dem Fernseher ausklingen zu lassen. Die Klamotte beim Arbeiten zu tragen, käme aber wohl nur Profi-Sportlern in den Sinn.

Jogginghosentag

Schlabberlook erlaubt: Am 21. Januar ist internationaler Jogginghosentag.

(Foto: dpa)

Das liegt vermutlich daran, dass die gemütliche Hose ihren Träger als Faulenzer erscheinen lässt. Mal abgesehen davon, dass sie nicht besonders sexy wirkt: Windelhintern, ausgebeulte Knie und bis zur Unkenntlichkeit verwaschene Farben - so sieht sie aus, die typische Jogginghose. Sich damit in der Öffentlichkeit zeigen? Es wäre modischer Selbstmord!

Das war jedenfalls bisher die verbreitete Meinung zum sportlichen Beinkleid - bis Designer wie Marc Jacobs das labbrige Ding auf die Londoner Laufstege brachte. Spätestens seit Stars wie Paris Hilton die Jogger, wie sie liebevoll genannt wird, im Blitzlichtgewitter ausführt, ist die Hose salonfähig.

Wer auch als Normalsterblicher den Schlabberlook zelebrieren will, nimmt am Internationalen Jogginghosentag teil. Der findet laut Facebook-Seite immer am 21. Januar statt. Dieses Jahr machen die Erfinder allerdings eine Ausnahme und gönnen sich und ihren modischen Sinnesgenossen auch den 20. Januar - "weil der 21. Samstag ist und trotzdem alle die Chance haben sollen, mit der Jogger in die Schule und zur Arbeit zu gehen"

Der wirkliche Trendsetter ist aber bereits einen Schritt weiter: Er greift zum "Onepiece" - eine Kreuzung aus Jogginghose und Einteiler. Drei norwegische Designer namens Henrik, Knut und Thomas haben sich der Idee verschrieben, eine ganze Kollektion solcher Strampelanzüge für Erwachsene zu entwerfen. Surft man durch ihre Webseite, gewinnt man rasch den Eindruck, die jungen Männer tun den ganzen Tag nichts anderes, als geringelte, karierte oder getupfte Einteiler in allen erdenklichen Farben zu entwerfen. Doch auch von der Kundschaft wird voller Einsatz erwartet: Das Tragen dieser Strampler erfordert Mut zur Lächerlichkeit.

© Süddeutsche.de/jkz/vs
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