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Superfood Acai-Beere:Acai-Bowl - Obstpampe mit Glamourfaktor

Acai-Bowl

Ordnung muss sein: Die Acai-Bowl ist beliebt - als Frühstück und Fotomotiv.

(Foto: Marisa Lia - Fotolia)

Ein Obstbrei wird derzeit auf Instagram als Superfood gefeiert: die Acai-Bowl, deren Basis eine kleine Beere ist. Das Beste daran ist: die Optik.

Von Violetta Simon

Ein neues Superfood hat es von den Wäldern des Amazonas in die Müslischalen der Deutschen geschafft: die Acai-Beere, ein kleines rundes Ding von dunkelvioletter Farbe, das von der einheimischen Bevölkerung wegen seiner vielen segensreichen Eigenschaften als Grundnahrungsmittel verzehrt wird.

Und weil sie so hübsch aussieht (nämlich wie eine gewöhnliche Heidelbeere) und außerdem so viele Superkräfte besitzt (nämlich dieselben wie Heidelbeeren), steht der Acai-Beere jetzt bei uns eine vielversprechende Karriere als Frühstückszutat bevor. Aber nicht in irgendeinem dahergeschroteten Körnermüsli oder einem gewöhnlichen Magermilchjoghurt, um Gottes Willen! Sondern in einer Bowl, was sonst.

Ach, Sie wissen nicht, was eine Bowl ist? Gottchen, dann haben Sie sicher auch noch niemals Chiapudding gefrühstückt. Also gut: Eine Bowl besteht aus püriertem Obst, quasi ein Smoothie zum Löffeln. Das Grundrezept der Acai-Bowl fußt somit vor allem auf pürierten Acai-Beeren.

Leider bestehen die Früchte, die auf Palmen wachsen, zu 90 Prozent aus Kern, nur die Haut ist essbar. Darüber hinaus verderben sie rasch, daher kann man sie in deutschen Supermärkten nirgends frisch kaufen - was aber nicht weiter tragisch ist, denn geschmacklich wird die Acai-Beere ohnehin kein Erweckungserlebnis auslösen: Die einen sagen, sie schmecke ölig-nussig, andere finden: erdig-metallisch. Je nach Kombination kann sie auch süßlich-kakaoartige Assoziationen hervorufen. Auf jeden Fall irgendwas zwischen Rote Beete und Waldfrüchten.

Zierde für den Frühstückstisch

Daher führen gut sortierte Biosupermärkte Acai-Mark oder -Saft. Am häufigsten wird die Beere aber in Form eines sehr teuren Pulvers angeboten. Das verarbeitet man dann mit Kokoswasser, Sojamilch oder ahnlichem zu einem Mus.

Dieses Mus wird nun mit verschiedenen Zutaten - nein, nicht ergänzt - verziert. Diese lassen sich mitnichten einfach so durch die Gegend treiben oder kullern unkontrolliert durch den Obstbrei. Vielmehr liegen sie hübsch in Reih und Glied: lauter Beeren, Nüsschen und Körner, in Streifen angerichtet, nach Farben sortiert.

Bei dem Anblick möchte man die Kuchengabel zücken und versonnen damit die Oberfläche rechen wie in einem Zengarten: Bananen in Scheibchenform, dachziegelartig wie Fischschuppen aufgereiht, liegen einträchtig neben Kokosflocken und Erdbeeren und arrangieren sich zu einem Gesamtkunstwerk.

Und weil die Künstler davon selbst ganz gerührt sind, halten sie ihre Werke für die Nachwelt fest. So hat es der Obstbrei zur Bowl und schließlich in die Fotogalerien der Instagrammer geschafft.

Wer sich jetzt noch fragt, warum man dieses Frühstück nach einer Form benennt, weniger nach seinem Inhalt, ist entweder ein ignoranter Allesfresser - oder hat das Konzept endlich verstanden. Denn um die schöne Form geht es hier schließlich.

Mal von ihrem Äußeren abgesehen, könnte man durchaus sagen, dass sich die Acai-Beere in so einer Bowl in guter Gesellschaft befindet: kein schlechter Einfluss durch Milcheiweiß, Zucker oder gar Fett - alles vegan, und low carb sowieso. Einzige Gefahr: unerwünschte Kalorien durch Überfrachtung. Kaum dekoriert man ein wenig mit Kokosflocken, karamellisierten Nüsschen und Kakaostreuseln herum, schon hat man 500 Kalorien zusammen.

Dafür macht das Powerfrühstück lange satt. Außerdem hat man sich wirklich etwas Gutes getan: Immerhin verjagt die Superbeere Alter, Krankheit und Siechtum - dank Antioxidantien, Aminosäuren, ungesättigten Fettsäuren, Vitaminen und Mineralien. Das Pulver für die Acai-Bowl kostet zwar um die 15 Euro je 100 Gramm. Aber das sollte einem die Gesundheit doch wert sein. Von den hübschen Fotos ganz zu schweigen.

Kein Wunder, dass Deutschlands Frühstücker diesen Fruchtbrei auf Instagram verewigen: Wenn es für die Superbeere nicht mehr reicht, kann man ja immer noch von der Erinnerung zehren. Oder Heidelbeeren kaufen. Aber mal ehrlich - das wäre ja wohl ganz schön billig.

© SZ.de/jobr/rus

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