Stilnews Licht und Schatten

Hübsch: die sommerliche Kirsch-Kollektion von Dolce&Gabbana. Nett: Prada verzichtet künftig auf echten Pelz. Ernst: Der Autor Uwe Westphal hat ein lesenswertes Buch über den Niedergang der Modestadt Berlin in der Nazizeit geschrieben.

Von Anne Goebel, Tania Messner, Julia Rothhaas, Max Scharnigg
(Foto: Dolce&Gabbana)

Nichts steht so sehr für den italienischen Sommer wie reife Kirschen, dachten sich die Designer von Dolce&Gabbana und lancierten gemeinsam mit der Münchner Shopping-Plattform mytheresa.com eine exklusive Sommerferien-Kollektion rund um die begehrten Früchtchen. Kleider, Röcke, Hosen, Taschen - insgesamt 39 Teile umfasst die große Kirsch-Offensive in den Farben Himmelblau und Kirschrot, die sich dezidiert an Mütter und Töchter richtet - so ist die Kampagne mit Müttern bebildert, die im Partnerlook mit ihrem Nachwuchs unterwegs sind. Irgendwie süß.

Der aktuelle Trend, wie sich Schönheitspflege einen medizinischen Touch zu geben versucht, sind Ampullenkuren. Das Neueste: die Wochenkur, die mit Soforteffekten wirbt. Die Beautyfirma Babor hat sechs Sieben-Tage-Sets ihrer "Ampoule Concentrates" in einer limitierten "Art-Edition" auf dem Markt, die auf unterschiedliche Hautbedürfnisse zugeschnitten sind. "Glow Addict" (etwa 20 Euro für eine Woche) soll mit Hyaluronsäure und Glow-Pigmenten für strahlende Haut sorgen, das Set "Night Lover" (30 Euro) regeneriert mit Wirkstoffen aus Trüffel und Schwarzer Weide. L'Oréal hat die Sieben-Tage-Kur "Revitalift Filler Ampoules" (etwa 15 Euro) im Programm. Mit Hyaluronsäure und Vitamin B5 soll die Haut intensiv durchfeuchtet werden und bereits nach einer Anwendung wie von innen aufgepolstert wirken. Die Ampullen kommen ohne Duftstoffe aus - schließlich geht es um Effizienz.

Was Teamwork heute bedeutet, darüber hat sich die Non-Profit-Organisation Klabu aus Amsterdam Gedanken gemacht. Um Kindern und Jugendlichen in afrikanischen Flüchtlingslagern den Alltag zu erleichtern, setzen die Niederländer auf Sport - und statten eigens gegründete Vereine mit Kleidung und Geräten aus, die man sich ausleihen kann. Die Aktion soll auch über eine Kollektion aus Trikots, Shorts und Socken finanziert werden. Die Entwürfe sind mit bunten Elementen des Kalobeyei-Designs versehen. Die Einnahmen kämen den örtlichen Vereinen zu hundert Prozent zugute, hieß es. "Obwohl Sport nicht alle Herausforderungen lösen kann, denen Geflüchtete ausgesetzt sind, bringt er Menschen zusammen und gibt vielleicht ein Stück Heimatgefühl zurück", so Jan van Hövell, Gründer von Klabu (das Suaheli-Wort für "Klub"). Fußballsocken kosten 19 Euro, die Trikots 59 Euro (klabu.org).

Es wurde das "Harrods" von Berlin genannt und stattete wohlhabende Kunden mit Teppichen, Möbeln, eleganten Kleidern aus: Das Kaufhaus Nathan Israel war das älteste Warenhaus Berlins und einst auch das größte. Lichtschächte oder Aufzüge nach dem Vorbild amerikanischer Konsumtempel waren eine Attraktion. Mit der Machtübernahme der Nazis begann der Niedergang der Firma bis hin zur Enteignung 1938, fünf Jahre später wurde das Kaufhausgebäude bei einem Bombenangriff fast völlig zerstört. Eine exemplarische Geschichte aus der Modemetropole Berlin 1836 bis 1939 - das ist der Titel des lesenswerten Buchs von Uwe Westphal, das sich mit der "Entstehung und Zerstörung der jüdischen Konfektionshäuser" befasst, wie der Band im Untertitel heißt. Westphal geht in seiner Studie vor allem dem Aufblühen des Modeviertels rund um den Hausvogteiplatz im Bezirk Mitte nach, wo zahllose Schneider, Stoffhändler und Textilbetriebe der Berliner Konfektion zu internationalem Ansehen verhalfen. Die Nazis löschten mit Verfolgung, Enteignung und einem kreuzbiederen Bekleidungsideal für die "deutsche Frau" diese Tradition aus. Der Modestandort Deutschland hat sich bis heute nicht von diesem Verlust erholt. Und von echter Aufarbeitung des geschichtlichen Erbes kann, resümiert Westphal zu Recht, bisher keine Rede sein. Das Buch mit zahlreichen Abbildungen ist im Henschel-Verlag erschienen (28 Euro, seemann-henschel.de).

Kein Pelz mehr von Prada: Das italienische Unternehmen hat angekündigt, von der Frühjahrskollektion 2020 an auf echtes Fell zu verzichten. Damit folgt die Marke anderen Luxuslabels wie Gucci oder Versace, die sich der Anti-Pelz-Bewegung angeschlossen haben. Man habe es mit neuen Konsumenten zu tun, hieß es in einer Mitteilung, die Wert darauf legten, dass "jeder seinen Teil zu einer nachhaltigeren Welt beiträgt". Allerdings sei echter Pelz nie Hauptbestandteil von Prada-Entwürfen gewesen.