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Stilkritik zu Ronaldinhos Zähnen:Mut zur Schönheit

Ende Juli: Ronaldinho bei einem Fußballspiel in Brasilien. Wirklich gemacht sehen seine Zähne hier aber nicht aus.

(Foto: AFP)

Früher hatte Ronaldinho Riesenhauer. Trotzdem hat er beim Lachen nie die Lippen zusammengekniffen. Die Menschen liebten ihn dafür. Nun ist alles anders. Bei einem Interview zeigte der brasilianische Fußballer seine neuen, reinweiß schimmernden Zierzähne. Wieso hat er das getan? Er muss sehr verliebt sein.

Manche Menschen lachen, weil etwas lustig ist. Andere Menschen hingegen lachen, weil sie schöne Zähne haben. Gleichmäßig große, soldatisch in Reihe stehende, reinweiß schimmernde Zierzähne, die man nur mit offen lachendem Mund richtig gut zeigen kann. Solche Menschen, hieß es früher, haben gute Gene. Solche Menschen, wissen wir heute, haben einfach nur Geld und den richtigen Zahnarzt.

Wie souverän war da immer der brasilianische Über-Fußballer Ronaldinho. Millionen auf dem Konto, Riesenhauer im Gebiss. Und trotzdem beim Lachen nie die Lippen zusammengekniffen. Spart ihr nur alle auf eure eitle Zahnfleisch-Reduktion, ich verprasse derweil hasenzähnig und gedankenlos mein Geld. Die Menschen liebten ihn nicht nur für seine Tore, sondern auch für sein unbegradigtes Grinsen und kauften sich Ronaldinho-Zähne als Plastik-Fanartikel.

Nun ist alles anders. In einem Interview mit dem brasilianischen Playboy erzählte der Fußballer nicht nur, dass er arg verliebt sei und fortan nicht mehr promiskuitiv leben werde. Er zeigte auch seine neuen, gleichmäßig großen, soldatisch in Reihe stehenden, reinweiß schimmernden Zierzähne. Die malmende Ödnis des Einheitszahns. Chauvinisten werden sagen, die neue Frau nimmt ihm nicht nur die Freiheit, sie nimmt ihm auch den Biss.

Die Wahrheit ist, dass auch grenzenlos Bewunderte nicht vor Komplexen gefeit sind. Großer Zahn ist nicht gleich größere Selbstironie. Zumal, wenn man vor lauter Liebe ganz weich und wacklig im Hirn ist. Zum Glück passiert auch Menschen mit perfektem Gebiss ab und an etwas wirklich Lustiges. Dann ist Schluss mit dem Ich-will-allen-Gefallen-Lächeln. Dann werden die Augen zusammengekniffen, das Kinn verdoppelt sich, die Mundwinkel werden unansehnlich überspannt. Das ist dann nicht mehr Lachen, sondern Wiehern. Vor einem wirklich guten Witz sind immer noch alle gleich.

© SZ vom 22.08.2013/fzg
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